Bauprojekt Payergasse: Rebellen wollen Bäume retten. „Extinction rebellion“ stellt sich auf Seite jener, die gegen Projekt von Mödlinger Wohnbaugenossenschaft sind. Baum muss bald weg.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 05. August 2020 (05:40)
Dieser Baum hat sein Lebensende erreicht und soll noch in dieser Woche gefällt werden.
privat

Am Montag hätte es so weit sein sollen: Die Baumpflegemaßnahmen am Areal der Wohnhausanlage in der Payergasse 22 - 30 beginnen.

Allein der Regen machte diesem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung. Das ganze Projekt wurde bereits von Protesten derer begleitet, die verhindern wollen, dass in dem mit alten Bäumen verwachsenen Innenhof Parkplätze geschaffen werden, wenngleich auch in einem begrünten Vorzeigeprojekt der Baugenossenschaft Mödling.

„Rebellen“ wollen die Bäume retten

Jetzt meldet sich die Gruppe „extinction rebellion“, bei der NÖN, die Gruppe habe sich unter den Protestierenden befunden und wolle den Anrainern helfen, das Projekt der Baugenossenschaft zu verhindern.

Auf die Frage, ob Mitglieder der Gruppe unmittelbar am Areal wohnen, meint ihr Sprecher Marcus Hohenecker: „Wir haben unsere Leute überall, nicht nur alleine in Mödling. Es geht um viel mehr, als dass Bäume gefällt werden und dann Parkplätze errichtet, es geht um Nachhaltigkeit und Klimaschutz.“ Und diese Ziele wolle man mit allen Mitteln im Sine der ‚Friday for future-Bewegung“ erreichen, auch wenn „extinction rebellion“ bewusst sei, dass es sich bei besagter Wohnhausanlage um Privatgrund handle.

Erste Vizebürgermeisterin Silvia Drechsler, SPÖ, erklärt, in permanenten Gesprächen mit den Bewohnern der Payergasse zu sein. In der Vorwoche wurden die Anrainer des Wohnhauses offiziell von den Bauplänen informiert. Sie erklärt: „Jetzt können diese ihre Stellungnahmen zu dem Projekt abgeben, wir prüfen dann, ob diese Einwände laut Bauordnung eine Berechtigung haben oder nicht.“

Prinzipiell sei das Projekt genehmigt, sie habe sich viele Sorgen, Wünsche und Beschwerden angehört, die Stadt stehe aber zu dem Projekt, „dass von der Baugenossenschaft Mödling abgehandelt wird“, wie Drechsler betont. Dass die Parkplatzsituation in dem Stadtteil rund um das Thermenklinikum schwierig sei, habe auch damit zu tun, dass die Grünen als Verkehrsverantwortliche in der vergangenen Periode nichts dazu beigetragen hätten, diese zu entschärfen. Grünen Sprecher Gerhard Wannenmacher, ehemals Verkehrsstadtrat & Vizebürgermeister, lässt die Kritik an sich abperlen.

„Parkplätze in diesem Grätzel wird man nicht herbeizaubern können. Ich habe immer gesagt, dass wir in der Stadt eine Parkraumbewirtschaftung brauchen. Das heißt, eine Kurzparkzone rund um das Krankenhaus und ein Parkpickerl für die Anrainer. Warum muss das Abstellen von Autos immer gratis sein? Man sieht ja, dass die Parkplatzsuchenden die zu bezahlenden Stellplätze beim Krankenhaus meiden und lieber stundenlang kreisen, um einen Parkplatz zu finden.“

Die neue Gruppe „extinction rebellion“ sei von den Grünen „nicht bestellt und auch nicht bezahlt, aber wenn sie sich hinstellen, dann sind sie herzlich willkommen.“

Obmann und geschäftsführender Vorstand der Baugenossenschaft Mödling Andreas Holzmann lässt sich nicht entmutigen: „Mit Montag hätten Baumschnittmaßnahmen durchgeführt werden sollen, weil ein Baum so morsch ist, dass Gefahr in Verzug ist. Er droht, auf den benachbarten Kindergarten zu stürzen, dazu gebe ich gar keinen weiteren Kommentar ab.“ In dem begrünten Parkplatzprojekt sei vorgesehen, 36 neue Bäume zu pflanzen. „Die Bäume auf dem Grundstück haben ein Lebensalter zwischen 90 und 100 Jahren. Da ist es ein ganz natürlicher Prozess, dass diese ausgetauscht werden, ob das jetzt allen passt oder nicht. Diese Woche werden sicher noch Baumschnittmaßnahmen stattfinden, sobald es das Wetter erlaubt.“