Initiative wird forciert: Plastik geht es an den Kragen. Die Stadtgemeinde macht sich auf den Weg zu Verpackungsalternativen und -vermeidung.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 21. Februar 2019 (04:45)
Dworak
Plastik hat im PLAN Bio-Markt von Johanna Alff-Hubegger (M.) und Markus Hubegger (r.) keine Chance. Das hören Stadtmarketing-Obmann Gert Zaunbauer, Stadtchef Hans Stefan Hintner und Stadträtin Franziska Olischer gern.

Laut Regierungsbeschluss dürfen ab 2020 keine Einweg-Plastiktaschen verwendet werden, bis 2025 müssen österreichweit 60.000 Tonnen Einwegplastik eingespart werden. Abfall-Stadträtin Franziska Olischer, ÖVP, ist bemüht, umgehend gemeinsam mit dem Stadtmarketing Mödling Maßnahmen zu setzen, um Mödling möglichst rasch (Einweg-)plastik-frei zu machen.

Unter anderem wird erhoben, wie viele Stofftaschen die Mödlinger Geschäftsleute brauchen würden: „Wir haben vor, diese Aktion mit einem Drittel der Kosten zu stützen“, erklärte Olischer. Die Initiative „Wär doch schad drum“ zeige deutlich, was alles möglich ist. Speisen, die etwa aufgrund der Portionsgröße nicht mehr vor Ort verzehrt werden können, werden seit knapp zwei Jahren in kompostierbaren Boxen verpackt. „Wir konnten dadurch etwa 80.000 Stück Plastikgeschirr vermeiden“, rechnet Olischer vor.

Auch der Umstieg auf Mehrwegbecher sei ein voller Erfolg. „Alleine bei den Faschingsveranstaltungen konnten wir seit 2012 etwa 28 Tonnen Plastik vermeiden.“ Jetzt will Olischer auch noch die „Sauberen Feste“ inklusive Geschirrwagen in den Mittelpunkt des Geschehens rücken. Alles in allem soll die plastikfreie Stadt Mödling bald Realität werden. „Ich werde alle Fraktionen einladen, diesen Weg gemeinsam zu gehen“, sagte Olischer im NÖN-Gespräch. „Mein Ziel ist, dass ich in den nächsten Tagen mit allen Klubobleuten rede, um einen gemeinsamen Antrag im Gemeinderat einzubringen.“

Alternativen liegen auf dem Tisch

Auch was die Vermeidung von Verpackungsmaterial betriff, gilt „PLAN Bio“ am Bahnhofplatz als Vorzeigebetrieb: „Das Thema Verpackung ist wichtiger Bestandteil unserer Firmenphilosophie“, machen Johanna Alff-Hubegger und Markus Hubegger deutlich. Wiewohl es „immer eine Gratwanderung ist, die größtmögliche Sicherheit für die hochwertigen Bio-Produkte zu garantieren und gleichzeitig so umweltfreundlich wie möglich zu verpacken“, merkt Hubegger an. Unter anderem gibt es seit der Eröffnung des Bio-Supermarkts vor vier Jahren an die 150 verschiedenen Sorten an Obst und Gemüse unverpackt. „Viele unsere Kunden verzichten auch beim Transport nach Hause auf Verpackung. Alternativ bieten wir Papiersackerl, kompostierbare Sackerl – etwa aus Maisstärke – oder wiederverwendbare Baumwollsackerl an“, betont Alff-Hubegger. „Plastiksackerl gab es noch nie bei uns, auch im Thekenbereich kommen keine Plastikhandschuhe zum Einsatz.“

Und es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch am Verpackungssektor. Bei PLAN Bio sieht man kompostierbare Teebeutel aus Bananenfasern, Schwammtücher, die 100-prozentig verrotten, kompostierbares Backpapier und – die neueste Errungenschaft aus dem Waldviertel – ein wiederverwertbares Bienenwachstuch auf Bio-Baumwollbasis, das Alu- oder Frischhaltefolie ersetzt.

Das Mehrwegsystem – Pfand für Glasflaschen – klappe hervorragend, verrät Hubegger: „90 Prozent unserer Getränke werden so verkauft. Im Vorjahr sind alleine bei uns etwa 70.000 Pfandflaschen im nachhaltigen Mehrwegsystem zirkuliert.“

Die nächste Herausforderung steht ins Haus – Stichwort: „Unverpackt“. Eigene Abfüllstationen für Trockenware (Getreide, Reis, Müsli, ...) und für Waschmittel sind in Planung. „Wir überlegen gründlich, was wir machen werden, dann setzen wir etwas um, auf das sich die Kunden verlassen können.“

Olischer und Bürgermeister Hans Stefan Hintner sagten den PLAN Bio-Betreibern Unterstützung auf dem Weg zur Vermeidung von Verpackungsmüll zu. „Wir freuen uns, derart engagierte und innovative Unternehmer in der Stadt zu haben.“