Trauer um Professor unter den Fotografen. Gerhard Kunze verstarb am Freitag im 76. Lebensjahr nach einem längeren Krankenhausaufenthalt in der Wohnung.

Von Gaby Schätzle-Edelbauer. Erstellt am 03. Juni 2020 (04:45)
Eines der letzten Fotos: Gerhard Kunze (l.) mit Mödlings Alt-Finanzstadtrat Karl Lang (r.). bei einem Treffen im Babenbergerhof.
Reisinger

Gerhard Kunze wurde am 2. August 1944 in Dresden geboren, seine Eltern flohen mit ihm nach Mödling. Hier besuchte er das Gymnasium und anschließend die grafische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Bereits als 15-Jähriger veröffentlichte Gerhard Kunze seine Fotoreportagen. 1962 holte ihn Hans Dichand in jenes Redaktionsteam, das die Kronenzeitung aufbaute.

Ab 1967 war Kunze in Deutschland für Illustrierte wie die „Bunte“, „Quick“ oder „Stern“ im Einsatz. Als freier Fotograf war er aber auch für die „Bild“ und den „Kurier“ tätig. Auch die regionalen Medien wie die Mödlinger Zeitung und die NÖN wurden von ihm als Fotograf beliefert.

Sein fotografisches Repertoire reichte von der klassischen Pressefotografie über Reportagen bis hin zu Personenporträts, bei denen er Stars wie Romy Schneider, Catherine Deneuve, Jochen Rindt, Mick Jagger oder Bruno Kreisky vor der Kamera hatte.

Ab 1974 widmete er sich verstärkt der Tierfotografie, die Fotos wurden weltweit wie etwa im amerikanischen Magazin „Life“ abgedruckt.

Er engagierte sich auch für seine Heimatstadt, war mit dabei, um den Badstraße-Durchbruch und die Schließung der Mödlinger Bühne zu verhindern.

Bis zuletzt war Kunze voller Tatendrang

Karikaturist Reini Buchacher hatte vor nicht allzulanger Zeit Pläne für weitere Projekte gemeinsam mit Kunze geschmiedet: „Wir wollten eine Benefizaktion für die Rettung der Schwarzföhren ins Leben rufen.“ Die Stadt verlieh Kunze 2010 die Ehrennadel in Gold, für seine Verdienste um die Medienlandschaft und den Journalismus in Österreich wurde er mit dem Titel Professor gewürdigt. Zahlreiche Anekdoten über Kunze belegen, wie unkonventionell er an so manche Sache herangegangen ist. Alt-Finanzstadtrat Karl Lang. ÖVP, berichtet: „Der Gerhard war einer der ersten Paparazzi in Österreich. Er hat sich in einem Baum versteckt und so einen Scheich in dessen Mietvilla in der Hinterbrühl fotografiert, die Fotos wurden weltweit verkauft.“

Lang erinnert sich auch an Kunzes Atelier im ersten Bezirk, wo „rauschende Partys gefeiert wurden. Er hat auch längere Zeit in Hamburg gelebt und dort die deutsche Promiszene fotografiert. Mir hat er auch erzählt, dass er ein guter Freund von Udo Proksch gewesen ist, der hat ihm und seinem Kollegen ein Visum für Russland besorgt“.