Diakon Schriffl in neuem Buch: "Eigenen Weg gegangen"

Diakon Helmut Schriffl hat zu seinem 80er sein Leben und das der Pfarre schriftlich festgehalten.

Judith Jandrinitsch
Judith Jandrinitsch Erstellt am 19. September 2021 | 05:28
Diakon Helmut Schriffl
Diakon Helmut Schriffl mit seinem Buch „Mäh! Wir sind keine Schafe“. Das Buch ist um 20 Euro im Buchhandel erhältlich.
Foto: Jandrinitsch

Der Lebensweg von Helmut Schriffl ist untrennbar mit dem der Pfarrgemeinde von Münchendorf verbunden. Denn als sich schon Mitte der 1970er-Jahre abzeichnete, dass die Priester nicht mehr, sondern weniger werden, übernahm Schriffl als „Gemeindeleiter“ oder „Gemeindeassistent“ die Pfarre Münchendorf.

Nach vielen Kursen, die er, der damals hauptberuflich bei der katholischen Bubenjungschar in Wien arbeitete, im Bildungshaus St. Bernhard in Wr. Neustadt belegte, wurde er am 31. August 1975 von Bischofsvikar Florian Kuntner zum Diakon geweiht.

Schriffl wollte nicht nur den Pfarrhof öffnen, sondern die Pfarrgemeinschaft als solche, ein Geist des Auf- und Umbruchs wehte durch die Kirche. „Unterstützung bekam ich von unserem Pfarrer Josef Lichtenecker, der mir immer den Rücken gestärkt hat, wenn der Gegenwind besonders stark wurde“, erzählt Schriffl, der im Jänner 80 Jahre alt wurde.

„Mäh! Wir sind keine Schafe“

Denn, was die Pfarre Münchendorf von 1975 bis 2001 alles veränderte, hält Schriffl in seinem Buch „Mäh! Wir sind keine Schafe“ fest. Schriffl sagt über sein Buch: „Es widmet sich der Beschreibung des dynamischen Entwicklungsprozesses in der Gemeinde Münchendorf im Dekanat Mödling, Industrievikariat, Erzdiözese Wien, jenseits klassischer Kirchstrukturen zwischen 1975 und 2001. Es war geradezu revolutionär, aber wir versuchten, eine Antwort auf das Jammern in der Kirche, wie schlecht alles sei und dass der Untergang bevorstehe, zu geben.“
Das Buch ist mit Vorschlägen aus einer Gemeindepraxis ausgestattet, die Widerspruch hervorriefen, „die aber auch zahlreiche Menschen anzogen und dazu einluden, Akteure ihres eigenen Glaubens zu sein“.

1975 war auch das Jahr, wo erstmals Pfarrgemeinderäte die Arbeit in den Pfarren unterstützen sollten. Die Vorstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils sollten endgültig in der Liturgie der Pfarren ankommen, dabei war nicht nur Schriffl gefordert, sondern die ganze Pfarrgemeinde.
Leben im Pfarrhof als Selbstverständlichkeit
Schriffl übersiedelte mit seiner Frau Helga, seinem Sohn Gregor und Tochter Julia in den Pfarrhof. Das dritte Kind David wurde geboren, als die Familie bereits im Pfarrhof wohnte. Seine Frau war für seine Tätigkeit unverzichtbar, „sonst wäre es nicht möglich gewesen, den Pfarrhof rund um die Uhr zu öffnen“, sagt Schriffl.

Und auch die verschiedenen Gruppen, von Jungschar bis Pensionisten, die ab jetzt im Pfarrhof ein- und ausgingen, koordinierte und betreute Helga Schriffl. Denn der Pfarrhof wurde zur Kommunikationsdrehscheite. Wo sich eine Gelegenheit bot, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, waren die Schriffls da. Sei es mit Schülerinnen, Hausfrauen oder Menschen, die auf der Flucht waren und Quartier suchten.

Besonderes Aufsehen erregte der „Zeitungsmann“, der sich aus lauter negativen Zeitungsmeldungen zusammensetzte und seinen Platz vor dem Altar fand. Nachdenken, sich und seinen Glauben reflektieren und einen eigenen Weg zu entwickeln – die Pfarre Münchendorf hat gezeigt, wie dieser aussehen und funktionieren könnte.