Bezirk Mödling: Das Gefühl, ins Leere zu arbeiten. Seit einem Jahr gibt’s keine Auftritte. Unterrichtet wird in den Musikschulen im Bezirk Mödling aber trotz aller Corona-Herausforderungen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 14. April 2021 (04:45)
Musikschule Perchtoldsdorf: Direktorin Maria Jenner (l.) mit Sekretariatsmitarbeiterin Regina Wasserbauer. 
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Reinmar Wolf, Direktor der Beethoven-Musikschule Mödling-Guntramsdorf-Münchendorf, macht gemeinsam mit Lehrern und Schülern das Beste aus der Situation: „Auf meine Fürsprache hin hat die Gemeinde für schnelles WLAN gesorgt“, das mache den Online-Unterricht zumindest von der Infrastruktur her erträglicher. „Der Einzelunterricht funktioniert online beispielsweise beim Klavier ganz gut. Schwer ist es etwa bei der Geige, wo es auf klangliche Details ankommt.“

Zu bemerken sei: „Natürlich mangelt es bei manchen Schülern an Motivation. Wozu üben, wenn man eh nicht auftreten kann“, erkennt Wolf. Was den „prima la musica“-Bundeswettbewerb, der von 22. bis 30. Mai in Salzburg geplant ist, betrifft, ist Wolf noch entspannt. Die Qualifizierten müssen nichts Neues einstudieren, sondern das beim Landeswettbewerb Vorgetragene präsentieren.

Situation ist durchaus nicht aussichtslos

Die Schülerzahlen sind aufgrund der aktuellen Situation jedenfalls rückläufig. Wiewohl man in der Beethoven-Musikschule von Jammern auf hohem Niveau spricht: Statt 1.400 zählt man „nur“ 1.300 Musikschülerinnen und -schüler.

Das Engagement der Pädagoginnen und Pädagogen sei jedenfalls ungebrochen, ergänzt Wolf: „Ich mache ihnen ja auch bei jeder Online-Sitzung deutlich, dass wir uns glücklich schätzen können: Wir haben keine Kurzarbeit, niemand muss stempeln gehen.“ Und man beweise „Galgenhumor. Wir haben aus Porträts all unserer Schüler und Lehrer ein großes Musikschulbild gestaltet“. Titel: „Zur Erinnerung an 17 Corona-Lockdowns 2020 bis 2025“.

Rezept: noch stärker auf die Kinder eingehen

Annegret Bauerle, Mödling, ist Flötenlehrerin in der Beethoven- Musikschule: „Wir harren der Dinge und geben uns alle Mühe, die Kinder bei Laune zu halten und die Stimmung zu heben. Ich gehe sehr stark auf die Kinder ein und mache mit ihnen, was sie besonders gerne machen. Das war jetzt für die Kleinen ,Stups der Osterhase’, das habe ich extra umkomponiert, damit auch die Anfänger es spielen können, genauso wie das Harry Potter-Motiv.“ Wenn es keine Auftritte gibt, habe man natürlich auch das Gefühl, „ins Leere zu arbeiten. Abmeldungen habe ich bis jetzt keine, und es ist auch schön, zu sehen, wie viele Eltern sich Zeit nehmen und die Kinder beim Unterricht unterstützen. Ich habe sehr viel Einzelunterricht und da hat sich gezeigt, dass da schon sehr viel weitergeht“.

Lucia Gärber aus Mödling ist Schülerin der Beethoven-Musikschule (Geige, Klavier, Klarinette, Gesang): „Einerseits ist es mühsam, weil es online nicht die gleiche musikalische Wahrnehmung ist. Die Stimme ist zum Beispiel mit Handy schwer wiederzugeben. Aber die Lehrer sind sehr engagiert, man kann auch manchmal Stunden verlegen, da sind sie sehr flexibel. Allerdings ist die Motivation, um zu üben, nicht in dem Umfang da, als hätte man etwas, worauf man hinarbeiten kann. Dafür werden neue Methoden und Techniken für Online-Gruppenprojekte entwickelt, und auch für die Theorie sind neue Online-Konzepte in Arbeit.“

Fächerübergreifende Projekt liegen auf Eis

Auch in der Franz Schmidt-Musikschule Perchtoldsdorf bedauert man, dass der Betrieb „gerade im Bereich der Kammermusik und dem Ensemble- und Orchesterspiel total eingeschränkt ist“, sagt Direktorin Maria Jenner: „Ebenso sind viele fächerübergreifende Projekte auf Eis gelegt, alle Gesangsschülerinnen und -schüler sitzen seit Ende September zwangsläufig nur vor dem Bildschirm.“

Die Stimmung im Lehrerteam und bei den Schülern sei „trotzdem sehr gut“, es wurde ein „Aufnahmeplatz“ für Einstudiertes eingerichtet und anschließend stehen die Videos im „virtuellen Konzertsaal“ der Musikschule auf der Homepage zur Verfügung. Jenner ist froh, dass „wir, zwar mit Unterbrechungen, immer noch den Einzelunterricht fortführen können“.

Dieter Schickbichler, Musiklehrer für Posaune, Musikschule Perchtoldsdorf: „Online-Unterricht ersetzt bei Weitem nicht den Präsenzunterricht. Besonders für Neulinge ist es unmöglich. Es gibt so viele Handgriffe, um das Instrument, das kann man online nicht bewerkstelligen.“ Was auffallend ist: „Bei Schülern, die den Weg mitgegangen sind, merkt man – das schweißt mehr zusammen, obwohl das Zwischenmenschliche beim Online-Unterricht eher auf der Strecke bleibt“.

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