Das Leben meistern in Perchtoldsdorf. Intendant Michael Sturminger stimmte das Publikum bei der Matinée auf das Stück „Onkel Wanja“ ein.

Von Johanna Hoblik. Erstellt am 26. Juni 2019 (03:15)
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Das Ensemble gab bei der Matinee „Onkel Wanja“ eine Passage aus dem dritten Akt zum Besten: Andreas Patton, Virginia V. Hartmann, Inge Maux, Emanuel Fellmer, Laura Laufenberg, Michou Friesz, Alexander Tschernek (sitzend v.l.), Jörg Witte, Intendant Michael Sturminger und Dramaturgin Angelika Messner (stehend v.l.).

Michael Sturminger bat im Vorfeld der Premiere (Donnerstag, 27. Juni) zur Matinée. Mit „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow möchte Sturminger zeigen „wie schmal der Grat zwischen Tränen und Schmunzeln sein kann“.

Tschechow selbst meinte, dass ihm oft vorgeworfen wurde über Bagatellen zu schreiben, „es sind jedoch nicht die großen Konflikte, die unser Leben unerträglich machen, sondern die kleinen Frustrationen“, betont Sturminger.

„Tschechow ist dafür bekannt, seismografisch präzise die Verletzungen der Menschen festzuhalten, es geht um fehlendes Können und die Unehrlichkeit, Dinge nicht sagen zu können.“

Mit „Onkel Wanja“ inszeniert der Intendant zum ersten Mal ein Tschechow-Stück. „Es ist darin Klagen auf hohem Niveau zu erkennen, doch jede Hochblüte bringt ein Dekadenzproblem, wir kommen in eine Zeit, wo die ganze Welt ein Dekadenzproblem hat.“

Es gäbe aber auch Antworten, die man finden kann, hält Sturminger fest: „Wie schaut ein erfülltes Leben aus?“

Zusammenarbeit mit Sturminger seit 2014

Dramaturgin Angelika Messner arbeitet seit 2014 an der Seite Sturmingers und war bestrebt, das Dekadenzproblem der russischen Gesellschaft ins Heute zu holen. „Ich möchte behaupten, dass die Dinge auch jetzt ihre Gültigkeit haben. Arbeiten, Langeweile und den Sinn im Leben finden, ebenso werden auch ökologische Probleme thematisiert.“

Tschechows Werke haben oft keinen Helden, auch das wurde dem Schriftsteller vorgeworfen. „Auch wir haben keinen Helden herausgearbeitet, das wäre kontraproduktiv, denn die Vielschichtigkeit in seinen Figuren ist ein Phänomen. Er ist sensibel und fein in der Menschenzeichnung.“

Der Held an sich, ist eine Rolle, die einem auferlegt wird. „Tschechow geht aber viel weiter“, ergänzt Messner, „jeder, der sein Leben meistert, ist ein Held. Es ist ein Versuch und ein Scheitern des Lebens“.

Als Dramaturgin habe man „seinen eigenen Kosmos oder seine Sprache. Es war erstaunlich schnell klar, was ich will, man kann gar nichts falsch machen. Bei Tschechow übernimmt man quasi eine gut gehende Firma“.

Sturminger, dessen Vertrag bis 2022 verlängert wurde, blickt in die Zukunft: „Die Tendenz geht zu Politischem, es ist auch wieder Zeit für Shakespeare.“

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