Adi Hirschal's Rakete bleibt heuer am Boden. Das nicht abgestimmte Vorgehen im Falle des Theaterfestes NÖ verärgert Intendant Adi Hirschal.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 15. Mai 2020 (04:49)
Heben mit dem „Galactical“ heuer nicht ab: Pia Baresch und Adi Hirschal.
Sabine Hauswirth

„Ich bin nicht dabei“ – mit diesen Worten macht Kultursommer Laxenburg-Intendant Adi Hirschal deutlich, dass es dieses Jahr keine Komödienspiele auf der Franzensburg im Schlosspark geben wird. Die derzeit geltenden Abstandsbestimmungen und Quadratmeterregelungen lassen Hirschal, der dieses Jahr eine Rakete von der Franzensburg aus in das All gestartet hätte, von diesem Unternehmen Abstand nehmen.

„Ich kann es mir nicht leisten, die Verantwortung dafür zu übernehmen, wenn jemand an diesem Virus erkrankt. Ich muss mir mit den Parkbesuchern die Toiletten teilen, ich kann nicht einmal ein seriöses WC anbieten. Auch ist die Eingangssituation vor der Franzensburg sehr eng, da kann ich auch nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass die entsprechenden Abstände eingehalten werden. Und wenn ich die Zuschauerreihen nur mit zwei Drittel der Besucher füllen kann, dann kann ich gleich die Landesregierung fragen, ob sie meine Schulden übernimmt, die am Ende des Tages rauskommen, wenn ich unter diesen Bedingungen spiele“, sagt Hirschal.

Hoffen auf finanzielle Unterstützung

Der Theatersommer Laxenburg wird von einem gemeinnützigen Verein getragen. Momentan versucht Hirschal herauszufinden, ob es nicht doch die Möglichkeit gibt, dass der Verein und damit alle Komödienspiele-Mitwirkenden auf und hinter der Bühne eine finanzielle Unterstützung bekommen.

„Es gibt bis jetzt von niemanden irgendetwas. Ich habe in der Wirtschaftskammer angerufen, dort weiß man nicht, dass das Theater eine Sparte der Wirtschaft ist. Ich habe die Staatssekretärin für Kultur angerufen, um klar zu machen, dass wir als Verein Verluste haben. Richtlinien samt einem Formular für gemeinnützige Vereine, mit dem diese um Subvention ansuchen können, gibt es bis jetzt nicht.“

Hirschal will keine Missverständnisse aufkommen lassen: „Ich bin mit den Maßnahmen, die die Regierung ergriffen hat, um die Corona-Pandemie einzudämmen rundum einverstanden. Aber ich verstehe nicht, dass man sich nicht projektbezogen zusammensetzt, um nach Lösungen zu suchen. Dass das seit März nicht gelingt, ist mehr als schlampig.“

Was ihn auch schmerzt: „Es war nicht möglich, dass die Theaterfest-Verantwortlichen eine Sitzung machen, das dort gemeinsam abgestimmt wird, wie es weitergeht um dann mit einer Stimme zu sprechen.“ Hirschal gibt zu bedenken: „Die Bregenzer Seefestspiele bekommen alleine für das Bühnenbild einen zweistelligen Millionenbetrag. Das Bühnenbild in Laxenburg kostet rund 5.000 Euro. Da müsste man doch die kleinen, gemeinnützigen Vereine mit links bedienen können.“ Denn: „Es wäre sehr fad und öde, wenn es denn Kasperl nicht mehr gibt. Die Reaktionen unseres Publikums zeigen uns, dass es die Menschen es lieben, von uns unterhalten zu werden. Das sollte Österreich als Kulturnation nicht vergessen, denn unsere Kultur ist es, was die Menschen zu uns führt – und nicht irgendein Industrieunternehmen.“