Laxenburger Ausstellung: Zwei Länder, eine Seele

Erstellt am 26. August 2022 | 04:02
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Bei der Eröffnung: Mojmír Jeřábek, Direktor des Tschechischen Zentrums Wien, Vizebürgermeisterin Sylvia Wohlfahrt, Vereins-Obmann Helfried Steinbrugger, Landtagsabgeordnete Marlene Zeidler-Beck, Kurator Jiří Králík von der Akademie der Wissenschaften Prag.
Foto: Thomas Valka
Auf tschechischen Spuren in Österreich: Ausstellung im Kultur Treffpunkt am Schlossplatz 17.

Der Kultur Treffpunkt Alt-Laxenburg wartet bis 11. September mit einer besonderen Ausstellung auf. Unter dem Motto „Kulturelles Erbe Österreichs“ wird jenen Spuren nachgegangen, die tschechische Persönlichkeiten in Österreich hinterlassen haben.

An der Ausstellung beteiligen sich der Schulverein Komenský, das Tschechische Zentrum Wien, der Kleinseitner Friedhofsverein Prag, der Vereins der Freunde Österreichs Prag und insbesondere des veranstaltenden Kulturvereins Alt-Laxenburg.

Tschechien und Österreich verbindet eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte, die bis zur Regierung des Königs Ottokar II., dem Gemahl der letzten Babenbergerin Margarete von Babenberg, reicht.

Damals wurden die ersten Tschechen in Wien ansässig. Seit 1526 waren sie unter der Herrscherfamilie Habsburg vereinigt, in einer Monarchie, die bis 1918 eine wichtige Macht in Europa darstellte. Prag verlor bereits im Jahre 1614 seine Position der Hauptstadt zugunsten von Wien, doch die Tschechen haben nichtsdestoweniger geholfen, die Siedlungsstadt im Jahre 1683 gegen die türkische Gefahr zu verteidigen (Zdenko Kaplíř ze Sulevic).

Als unter Maria Theresia die Theresianische Akademie in Wiener Neustadt gegründet wurde, gab es dort von Anfang an auch Tschechisch-Unterricht. Die Reformen von Maria Theresia und Josef II. kamen auch in Böhmen zur Geltung (Aufhebung des Jesuitenordens, Toleranzpatent, Aufhebung der Leibeigenschaft, Gleichberechtigung der Juden).

Seit dem Ende des 18. Jh. kam es in den Böhmischen Ländern zur Entfaltung der Nationalwiedergeburtsbewegung, doch bis 1848 herrschte der „Landespatriotismus“. Erst seit 1848 kamen in der Monarchie infolge des aufwachenden Nationalismuses von der tschechischen und deutschen Seite separatistische Tendenzen. Die Entstehung der „Doppelmonarchie“ bedeutete auch das Ende des vom František Palacký propagierten Austro-Slawismus.

Die „Ziegel-Böhm’“ sind ein Begriff

Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es in den böhmischen Ländern zu einer starken industriellen Entwicklung und Böhmen wurde zum „Produktionsherz“ der ganzen Monarchie.

Nichtsdestoweniger strömten tausende Bewohner der ärmeren Landesgebiete (z.B. Südmähren) nach Wien, um dort bessere Lebensmöglichkeiten zu suchen. Erwähnenswert sind die bekannten „Ziegelböhm’“, die oft unter harten Bedingungen (Arbeitstag von 18 Stunden) lebten und arbeiteten.

Weniger bekannt ist, dass sowohl ihr Brotgeber, Ziegelbaron Heinrich Drasche, der zweite Begründer der bis heute bestehenden Wienerberger AG, und Victor Adler, Gründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, ebenfalls aus den böhmischen Ländern stammten. An die böhmischen „Sandler“ erinnert in Wien bis heute der „Böhmische Prater“. Es waren jedoch nicht nur die „Ziegelböhm’“, die die Ringstraße bauten, sondern auch die böhmischen Baumeister – vor allem Josef Hlávka, der die Wiener Oper baulich beendete.

Der Großteil der Wiener Tschechen lebte in der Wiener Vorstadt Favoriten (wie etwa Fußballer Matthias Sindelar, genannt der „Papierene“).

Bildungsoffensive im „Schulverein Komensky“

Zur Bildung der böhmischen Minderheit entstand im Jahre 1872 der „Schulverein Komensky“, dessen 150. Gründungsjubiläum heuer gefeiert wird.

Nach Wien strömten nicht nur die armen Bewohner Böhmens, Mährens und Schlesiens, sondern auch Studenten, die ihre Bildung beenden und anschließend Karriere machen wollten – z. B. der Psychiater Sigmund Freud, der Komponist Gustav Mahler, der Philosoph Edmund Husserl, der Physiker und Logiker Kurt Gödel, der Physiker und Philosoph Ernst Mach und der Schriftsteller Robert Musil.

In Wien studierte auch der erste tschechoslowakische Staatspräsident Tomáš Garrigue Masaryk.

Josef Hyrtl war Professor in Prag

Josef Hyrtl ( 1894 in Perchtoldsdorf), Anatomie-Professor und Eigentümer des angeblichen Mozart-Schädels, studierte an der Wiener Universität beim tschechischen Professor Josef Julius Čermák. Mit 26 Jahren wurde er zum Ordentlichen Professor an der Prager Universität ernannt, wo er vor seiner Rückkehr nach Wien in den Jahren 1837 bis 1845 tätig war.

Alles Wissenswerte über die Tschechen in Österreich gibt es bei der Ausstellung des Kulturvereines, die bis 11. September freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr, am Schlossplatz 17 geöffnet ist.