Wiener Tierschutzverein: „Loch“ erfolgreich eingeklagt. Wiener Tierschutzverein erstreitet vor Gericht 30.000 Euro von der Stadt Wien. Diese legt Berufung ein.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 14. März 2019 (05:02)
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Alexandra Wolfschütz, Helga Krismer, Tierpfleger Markus mit Hund Mentes und Peter Köck in der Arena des Wiener Tierschutzvereines, wo der Bitumenaustritt besonders deutlich sichtbar ist.

2009 tat sich die Erde auf dem Parkplatz des Wiener Tierschutzvereines (WTV) plötzlich zu einem 40 mal 40 Zentimeter großen Loch auf. Rechtsexpertin Elisabeth Thomas vom Wiener Tierschutzverein erinnert sich: „Erst dachten wir, es würde sich um ein Kanalproblem handeln. Wir haben Kanalexperten geholt und eine Kamera-Befahrung angeordnet. So wurden die kaputten Leitungen, die an manchen Stellen richtiggehend zerfressen waren, für alle sichtbar.“

Grund für diesen Zustand war kein ungeheuerliches Tier, sondern die Altlast, die unter dem Areal des Tierschutzhauses schlummert. Genau unter dem Parkplatz befand sich eine Tankstelle, die in den 1970er-Jahren geschlossen wurde. Der verbliebene, unterirdische Giftcocktail der ehemaligen Tankstelle potenziert sich mit der Altlast N 20, einer ehemaligen Raffinerie, zu einer Gefahr, die nur schwer abzuschätzen ist.

"Auf den letzten Drücker hat Wien nun gegen dieses Urteil berufen"

Das belegen auch die humantoxikologischen und ökotoxikologischen Gutachten von zwei Koryphäen auf ihrem Gebiet, von Wilfried Bursch, ehemaliger außerordentlicher Professor an der medizinischen Universität Wien und Universitätsprofessor Reinhard Dallinger, Institut für Zoologie der Universität Innsbruck.

Dass die Altlast N 20 offiziell als saniert gilt, ist nur dem Umstand zu verdanken, dass „der Petersbach durch Spundwände gegen ein Eindringen von Flüssigkeit geschützt ist“, meint Thomas.

Die Sanierung des Parkplatzloches kostete dem Verein 30.000 Euro, die Stadt Wien als Grundeigentümerin machte aber keine Anstalten, das Geld dem Verein zurückzuzahlen.

WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic erzählt: „Am 22. November 2013 brachten wir Klage ein, erst jetzt wurde uns in erster Instanz Recht gegeben.“ Doch es geht weiter: „Auf den letzten Drücker hat Wien nun gegen dieses Urteil berufen“, berichtet Thomas, die gerade dabei ist, dazu eine Stellungnahme zu verfassen. Eine Reaktion der zuständigen Stadträtin Ulli Sima, SP, war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten.