Verfilmung eines Theaters: Einmal Gott spielen

Erstellt am 27. Dezember 2020 | 03:34
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Laura Oedendorfer lebt in Baden und ist im Sommer auf der Shakespear-Bühne von Nicole Fendesack in Mödling zu bewundern.
Foto: privat
Julia Wozek hat Theaterstück „AMSTERDAM “ verfilmt. Die Serie ist im Internet zu sehen.

Einmal einen Tag lang Gott spielen und selbst Entscheidungen von ungeahnter Tragweite treffen: Das ist der Kern der Web-Serie „AMSTERDAM - Spiel dich nicht“, hinter der die in Vösendorf lebende Julia Wozek die treibende Kraft ist.

Zwei Folgen sind bereits online, im neuen Jahr soll es mit neuen Folgen weitergehen.

Wie kommt man auf ein solches Thema, hinter dem sich ja sehr viel Moral verbirgt und es um Ur-Fragen der Menschheit geht?

Julia antwortet: „Gerade in Zeiten von Corona sind die Themen Freiheit, Selbstbestimmung versus Fremdbestimmung, Langeweile und Sehnsucht sehr aktuell. Wir sind eingeschränkt, wollen aber trotzdem leben. ‚AMSTERDAM - Spiel dich nicht‘ setzt sich genau mit diesen Themen auseinander. Junge Menschen, die aus ihrem Alltag ausbrechen wollen und in ein Spiel kippen, das alles ermöglicht. Doch was passiert, wenn dann Dinge passieren, die man moralisch nicht mehr vertreten kann? Wer meldet sich zu Wort und sagt, das ist nicht okay? Wer schweigt? Wer ist voll dabei und merkt nicht, dass da etwas schief läuft?“ Unterstützung bekam Julia von ihrem Vater, dem Regisseur Karl Wozek, der bereits 2007 das Theaterstück ‚AMSTERDAM - Das Spiel der Spiele“ im Dschungel Wien inszeniert hatte. Mehrere STELLA-Nominierungen und Wiederaufnahmen in den darauffolgenden Jahren haben den Erfolg des Stückes geprägt.

Julia ist davon überzeugt: „Das ‚Liebe Gott Spiel‘ repräsentiert das, was wir uns in der momentanen Zeit wünschen. Wir wollen machen, auf was wir Lust haben und nicht eingeschränkt werden. Doch wir vergessen, dass absolute Freiheit oft auch Unfreiheit bedeutet. Und genau damit beschäftigt sich die Webserie AMSTERDAM - Spiel dich nicht‘“. In der Serie treten Nachwuchsschauspielerinnen und Schauspieler auf, die ebenfalls aus der Region stammen, wie Georg Müller-Angerer aus Laxenburg oder Laura Oedendorfer aus Baden.

Alle drei eint der Wunsch, als Schauspielerin bzw. Schauspieler zu reüssieren, gerade jetzt brauche es Chancen für junge Leute, ihre Fähigkeiten einer breiteren Öffentlichkeit zeigen zu können.

Georg spielt den Simon, für ihn, der an der Elfriede Ott Akademie Schauspiel studiert, „war es ziemlich leicht, sich in diese Figur hineinzuversetzen“.

Der Cast war ausgeschrieben, durch Bewerbungen und Kontakte fanden die einzelnen Schauspieler zueinander.

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Szenenfoto: Julia Wozek mit Simon Müller-Angerer und Laura Oedendorfer in der Web-Serie: „AMSTERDAM - Spiel dich nicht.“
Foto: Wozek

„Karl Wozek unterrichtet an der Schauspielschule Kraus, kleinere Rollen werden auch von Lehrern dieser Schauspielschule dargestellt“, berichtet Müller-Angerer.

Er will Erfahrungen sammeln, „man lernt auch wieder andere Personen kennen und erweitert sein Netzwerk. Außerdem ist die Serie wirklich professionell gemacht. Karl Wozek führt Regie“, erzählt Georg.

Bis jetzt stand er vor allem auf den Brettern, die die Welt bedeuten, die Web-Serie ist für ihn die Gelegenheit, Erfahrung vor der Kamera zu sammeln.

Schauspielkollegin Laura Oedendorfer ist in Mödling keine Unbekannte. Seit 2018 ist die Badenerin jeden Sommer bei „Shakespeare in Mödling“ unter der Regie von Nicole Fendesack auf der Bühne zu sehen. Sie erzählt: „Ich habe auf Facebook den Casting-Aufruf gesehen. Zuerst musste ich eine E-Casting-Aufgabe lösen, mich selbst dabei filmen und die Szene ans Team schicken. Nach knapp einem Monat bekam ich Bescheid, dass ich mich persönlich vorstellen kommen soll.“ Laura besucht die „Filmacademy Wien - Schauspielschule für Theater und Film“ und ist „in meinem 3. und somit letzten Jahr“.

Auf der Bühne stand sie auch schon beim Berndorfer Kindersommertheater.

Julia stellte während der Dreharbeiten fest, dass sie mit Laura und Georg das Oberstufenrealgymnasium in Guntramsdorf besucht hatte. Auf die Frage, ob sie den Wunsch hat, von einer großen Produktionsfirma mit ihrer Serie entdeckt zu werden, antwortet Julia: „Das wäre natürlich ein Traum! In erster Linie geht es aber darum, dass wir unterhalten, zum Nachdenken anregen und uns im Tun weiterentwickeln.“

www.wozekfilm.at/amsterdam