Streit um Auftritt von Ex-Vizekanzler Mitterlehner. Florian Klenk wollte Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner zu Lesung einladen. Bürgermeister Martin Michalitsch war dagegen, was für einigen Aufruhr sorgte.

Von Andrea Stoiser. Erstellt am 26. März 2019 (04:27)
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Florian Klenk ist schwer verärgert über Absage, freut sich aber über neue Location.

Seit 2012 werden in der Bücherei Lesungen veranstaltet. Nachdem zu Beginn die Eichgrabener Schriftstellerin Elfriede Bruckmeier bekannte und auch regionale Autoren für Lesungen gewinnen konnte, übernahm bald der in Eichgraben lebende Falter-Chefredakteur Florian Klenk diesen Part.

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Martin Michalitsch sieht in der Aktion eine bewusste Provokation.

In Zusammenarbeit mit dem Team der Bibliothek holte er in den vergangenen sechs Jahren namhafte Autoren ins Gemeindezentrum. „Wir hatten die besten Literaten, Journalisten und Publizisten zu Gast“, berichtet Klenk und erinnert an Besuche von Karim El Gawhary, Christine Nöstlinger, Daniel Glattauer, Vea Kaiser, Doris Knecht, Raimund Löw, Barbara Coudenhove-Kalergi, Armin Thurnher, Niki Glattauer, Ernst Molden, Thomas Maurer, Florian Scheuba, Tarek Leitner oder Franz Zeller.

Die Organisation der Lesungen sei – neben den Wirtshausgesprächen in der Galerie – sein kleines Ehrenamt für die Gemeinde, betont Klenk: „Mein Beitrag für das wunderbare Bibliotheksteam rund um Daniela Quatember, die aus der Bücherei durch beharrliche Arbeit einen Ort der geistigen Freiheit gemacht hat. Mit meinen beruflichen Kontakten konnte ich ein klein bisschen mithelfen.“

„Leider wurde diese Lesung vom Bürgermeister nicht genehmigt. Ich vermute, weil Herr Mitterlehner kritisch über Sebastian Kurz denkt und öffentliche Kritik an Sebastian Kurz nicht erwünscht ist“

Doch damit ist jetzt Schluss. Grund dafür ist ein Eklat rund um eine im Gemeindezentrum geplante Lesung mit Reinhold Mitterlehner. „Leider wurde diese Lesung vom Bürgermeister nicht genehmigt. Ich vermute, weil Herr Mitterlehner kritisch über Sebastian Kurz denkt und öffentliche Kritik an Sebastian Kurz nicht erwünscht ist“, sagt Klenk, der überzeugt ist, dass der Saal brechend voll gewesen wäre und man auch von dem Insider viel über Politik in Österreich erfahren hätte.

„Man hätte spannend debattieren können“, ist sich Klenk sicher. Dem Chefredakteur gefällt die Entwicklung nicht. Er findet, dass man sich mit Andersdenkenden offen auseinandersetzen und nicht deren Auftritte hinter den Kulissen verbieten soll. „Ich habe diese meine Meinung auch deponiert. Diese Form niederösterreichischer Parteipolitik ist mir zuwider“, sagt Klenk.

Nach einer vertraulichen Aussprache mit dem Bürgermeister wird er die „Eichgrabner Lesungen“ nicht mehr organisieren und hat seinen Rückzug aus dem Ehrenamt verkündet. Mit ihm ärgern sich auch viele Facebooknutzer. Der öffentlich gestellte Beitrag wurde 130 Mal geteilt, erhielt fast 400 Reaktionen und wurde rund 70 Mal kommentiert.

„Wir müssen nicht alle Vorschläge nehmen“

Bürgermeister Martin Michalitsch kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen: „Florian Klenk ist Partner und Unterstützer der Bücherei. Unsere Tür steht nach wie vor offen.“

Die Vorschläge von Florian Klenk wurden an das Büchereiteam herangetragen und die Leiterin der Bücherei, Daniela Quatember, hat die Lesungen mit dem Bürgermeister abgestimmt. „Wir freuen uns über Vorschläge unserer Unterstützer, was aber nicht zwingend heißt, dass wir alles in unser Programm aufnehmen müssen“, stellt Michalitsch seine Sichtweise dar. „Heuer haben wir mit Folke Tegetthoff und Wolfgang Böck schon zwei tolle Lesungen im Programm“, berichtet er.

Florian Klenk will jetzt „Eichgrabner Lesungen im Exil“ machen. Ein Ausweichquartier ist schon gefunden, und zwar in der Eichgrabener Galerie.

Der Bürgermeister hat damit kein Problem. Er sieht die ganze Aktion ein wenig als bewusste Provokation und hält fest: „Ich will bei Lesungen keine aktive Parteipolitik, egal welche Person oder Partei es betrifft. Ich empfinde die Vorgangsweise des Chefredakteurs des Falters als Aktionismus, bei dem Publicity jedenfalls nicht unerwünscht ist. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe will ich im Interesse Eichgrabens natürlich fortsetzen.“