Neulengbacher Jäger vermarkten direkt. Neue Herausforderungen hat die Krise auch für Weidmänner gebracht. Nachfrage an Wildbret ist gesunken, neue Absatzmöglichkeiten sind gefragt.

Von Christine Hell. Erstellt am 28. Mai 2020 (05:36)
Martin Meissl freut sich, dass das Wildbret aus seiner neuen Direktvermarktung so guten Absatz findet.
Christine Hell

Der eingebrochene Wildbret-Absatz gefährdete den Jagdbetrieb und bei täglichen Arbeiten im Revier kam es zu Einschränkungen. „Gleichzeitig ist die Nachfrage nach regionalen Produkten und das Bedürfnis nach einer intakten und vielfältigen Natur gestiegen“, erklärte Landesjägermeister Josef Pröll anlässlich des Tags der Jagd.

„Ja, es stimmt, dass durch die wochenlang geschlossenen Gasthaustüren die Nachfrage für Wildbret auch in unserem Gebiet geringer war als sonst und dadurch die Preise gefallen sind“, sagt Ferdinand Schilling.

Er ist Vizepräsident der Jagdgilde Neulengbach und weiß, wie Revierbesitzer und Jagdpächter darauf reagiert haben: Sie verarbeiten jetzt das erlegte Wild selbst und bieten es vakuumiert zum Kauf an. „Das ist halt oft eine recht mühsame Aufgabe, weil sich jeder einzelne erst einen Kundenstock aufbauen muss“, so der St. Christophener.

„Es gibt sogar eine Warteliste.“Michael Meissl über die Nachfrage nach Rehrücken & Co

Auch Michael Wochner, Landwirt und Jäger in Brand-Laaben, weiß zu berichten, dass die Weidmänner jetzt vermehrt auf Direktvermarktung umgestiegen sind. Und auch bei Familie Meissl ist man auf Direktvermarktung umgestiegen: „Ich und die Jagdgesellschaft Inprugg haben früher ganze Rehe an den Wildhandel oder an die Fleischerei Köcher in Neuengbach geliefert“, berichtet Michael Meissl.

Der Bezirksförster und begeisterte Jäger vermarktet jetzt alle erlegten Rehe und Wildschweine direkt über seinen Sohn Martin, der ebenso Jäger der Jagdgesellschaft ist. Sohn Martin Meissl hat – exakt im richtigen Moment - im Jänner dieses Jahres eine Direktvermarktung für Wildbret gestartet und dazu einen eigenen Zerlegeraum und zwei Kühlzellen errichtet.

„Corona ist ihm ja direkt zu Gute gekommen“, beschreibt Michael Meissl den Erfolg seines Sohnes, denn durch die Pandemie seien die Menschen wieder auf regionale Produkte aufmerksam geworden. „Für Rehrückenfilet, Schlegelteile, Ragout, Faschiertes & Co gibt es sogar eine Warteliste“, erzählt Michael Meissl.

Auch Menschen, denen das Tierwohl sehr am Herzen liegt, greifen beim Wildfleisch gerne zu und lassen sich, so wie alle anderen Freunde des Wildbrets, über Whats App vom jungen Almersberger Direktvermarkter informieren, wenn es wieder neue Wildprodukte zu kaufen gibt. Werbung ist gar nicht erst nötig, die Mundpropaganda funktioniert.

Nach Anmeldung kann der Verkauf – wegen der Pandemie – auch kontaktlos erfolgen. „Mir ist es sehr wichtig, dass die Leute wieder einen Bezug zur Jägerei bekommen und qualitativ hochwertiges Fleisch aus der Region wertschätzen“, sagt Martin Meissl. Er freut sich, dass seine Wildprodukte so guten Anklang finden.

Erlegtes Wild nimmt aber auch die Fleischerei Köcher an. „Ich kaufe schon viele Jahre lang Wild ein, aber nur von mir bekannten Jägern aus der unmittelbaren Nähe“, sagt Karl Köcher junior. Er erlegt Rehe, Wildschweine & Co auch selbst. „Wildfleisch geht immer gut, nur muss es schön portioniert und küchenfertig hergerichtet sein.“

Das Wild wird im Hause Köcher zu Wildwurst, Wildkäsekrainern, Wilddauerwürsten und zu kalt-geräucherten Köstlichkeiten verarbeitet. Der Wildbretverkauf laufe nach wie vor sehr gut: „Wir bringen immer alles weg, da bleibt nix über.“ Wobei das Rehwild der klare Favorit gegenüber dem Wildschwein ist.