Bäckermeister Simhofer: „Weiß nicht, ob wir so lange durchhalten“

Erstellt am 13. August 2022 | 05:31
Lesezeit: 4 Min
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Bäckereimeister Wolfgang Simhofer sorgt sich um die Zukunft seines Unternehmens.
Foto: privat
Der Bäckermeister aus der Region Wienerwald spricht mit der NÖN über aktuelle Herausforderungen und Zukunftssorgen.

NÖN: Wir haben im März schon einmal über die Teuerung gesprochen. Wie hat sich die Situation seither verändert?

Simhofer: Wir haben die Preise erhöhen müssen. Aber das hatte nicht die Wirkung, die wir benötigt hätten. Täglich kommt eine E-Mail, was teurer wird. Wir wissen zum Beispiel, dass Butter teurer wird. Und wir heizen mit CO2 freiem Strom und müssen künftig den sechsfachen Energiepreis zahlen. Ich bin schon pessimistisch und glaube, dass bis Ende des Jahres einige Bäckereien zusperren.

„Wir haben nur zwei Prozent Energiekosten – halb so viel wie andere Bäckereien – und schon fast alle Sparmaßnahmen ausgeschöpft. Jetzt können wir nur noch das Notlicht und die Außenwerbung in der Nacht ausschalten.“

Wie gehen Sie damit um?

Wir haben keinen Platz, dass wir jetzt Butter kaufen und lagern. Wir haben nur zwei Prozent Energiekosten – halb so viel wie andere Bäckereien – und schon fast alle Sparmaßnahmen ausgeschöpft. Wir kühlen etwa nur auf minus zwölf Grad, weil wir unsere Produkte nicht lange lagern. Jetzt können wir nur noch das Notlicht und die Außenwerbung in der Nacht ausschalten. Für Klein- und Mittelbetriebe schaut es schlecht aus. Ich glaube nicht, dass die Regierung das abfängt.

Überlegen Sie, selbst Strom oder Wärme zu produzieren?

Wir wollen eine große Photovoltaik-Anlage bauen und den Strom für unsere Filialen und die Produktion verwenden. Aber wenn wir das Projekt jetzt anfangen, ist es frühestens Mitte des nächsten Jahres fertig. Ich weiß nicht, ob wir so lange durchhalten.

Wie hat sich das Kaufverhalten verändert?

Es kommen weniger Kunden und es wird weniger gekauft. Früher hatten wir zum Beispiel mehr Kunden, die größere Mengen gekauft haben. Das sind Restaurants gewesen, von denen viele zugesperrt haben. Aber vor allem waren das Haushalte, die einen weiteren Weg haben und nur einmal in der Woche einkaufen waren. Da spielen sicher die Spritpreise mit. Daher haben wir uns Aktionen für Großeinkaufs-Mengen überlegt.

Viele Betriebe suchen Personal. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Wir finden genug Mitarbeiter und bekommen viele Bewerbungen. Stattdessen haben wir aktuell ein Problem mit der Qualität der Mitarbeiter, einige wollen nicht arbeiten.

„Der wichtigste Faktor ist die Wertschätzung der Mitarbeiter.“

Was tun Sie, um Ihre Arbeitsplätze attraktiv zu gestalten?

Es sind viele Faktoren. Der Wichtigste ist die Wertschätzung der Mitarbeiter. Außerdem haben unsere Verkäuferinnen eine Fünftagewoche von montags bis freitags, wir arbeiten mit Wochenendkräften und zahlen für 35 Stunden, was andere für 40 Stunden zahlen. Jedes Jahr gibt es ein Grillfest und eine Weihnachtsfeier.

Sie wollten ihre Backstube erweitern und waren auf der Suche nach einem neuen Grundstück. Wie sieht es derzeit aus?

Wir haben ein Gewerbegrundstück in Altlengbach gekauft, beim Kreisverkehr zwischen Oil!-Tankstelle und Wohnwagen Pusch. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage können wir jedoch keine Produktionsstätte bauen, das verzögert sich um mindestens drei Jahre. Stattdessen wollen wir dort die Photovoltaik-Anlage aufstellen. Die wäre sowieso geplant und kommt später auf das Dach.

Sie haben vor kurzem eine neue Filiale in Pressbaum eröffnet. Planen Sie weitere?

Wir haben zwei Angebote, aber das ist nicht fix. Wir hatten Umbauten in der ersten Filiale in Pressbaum und in Neulengbach geplant. Aber das verzögert sich wegen der finanziellen Lage auch.