Krise bringt mehr Zeit für die Kinder. Susanne Schmutzer berichtet über den „neuen“ Alltag: 72 Kinder werden derzeit in sieben kleinen Gruppen im Kindergarten Neulengbach-Stadt betreut, um die Corona-Ansteckungsgefahr für die Kinder und das Personal so gering wie möglich zu halten.

Von Christine Hell. Erstellt am 05. Juni 2020 (03:21)
Kindergartenleiterin Susanne Schmutzer mit einigen Kindern im Außenbereich.
Christine Hell

„Ab 20. April hat Betreuung wieder vermehrt im Kindergarten stattgefunden, zuerst lediglich mit zwei Kindern. Ab Mai waren bereits zwei Gruppen geöffnet, dann drei Gruppen“, schildert Susanne Schmutzer, die Leiterin des Kindergartens. „Wir verbringen auch viel Zeit im Freien und es werden alle Räume im Kindergarten genützt. Die Kinder genießen, dass sie mehr Platz in den Räumen haben und es leiser ist“, weiß die Pädagogin. Dazu kommt, dass die Betreuerinnen mehr Zeit für jedes Kind haben.

Kinder im verpflichtenden letzten Kindergartenjahr werden jetzt in zwei kleinen Gruppen betreut und speziell gefördert. Schmutzer: „So haben sie einen erlebnisreichen Abschluss ihrer Kindergartenzeit mit Experimenten, Lernwerkstätten, Naturerlebnissen, mit Eis essen, einem Schultaschentag, der Übergabe der Schultüte und vielem mehr.“

Auch Kinder mit Förderbedarf wurden zum Kindergartenbesuch eingeladen. „Wir freuen uns, dass wir wieder zurück im Kindergarten sind und gemeinsam Zeit miteinander verbringen dürfen. Wir ermöglichen den Kindern eine schöne Zeit im Kindergarten, sie sollen sich wohl fühlen“, sagt Schmutzer.

Bis 17. April wurden die Kinder von den Familien zu Hause betreut, im Kindergarten war für kurzfristigen Bedarf immer ein Journaldienst anwesend. Das Kindergartenhandy wurde fast rund um die Uhr von der Kindergartenleiterin betreut. „Mein Team war sensationell. Eine derartige Situation zu meistern, das erfordert ganz viel Flexibilität und Einsatz eines jeden einzelnen“, ist Schmutzer voller Lob. Mittels Briefen mit Spiel- und Kreativideen oder Erzählungen wurden die Kinder am Anfang begleitet.

Drastische Maßnahmen haben überrascht

„Zu Beginn der Pandemie Mitte März waren wir durchaus überrascht von den sehr kurzfristig angeordneten, drastischen Maßnahmen“, berichtet Susanne Schmutzer. Durch die detaillierten Vorgaben des Landes und des Bundes sei die Vorgangsweise in dieser Ausnahmesituation für das Kindergartenpersonal klar vorgegeben gewesen. „Die Eltern hatten viele Fragen“, schildet Schmutzer. Diese wurden durch einen Elternbrief und viele Einzelgespräche geklärt. Die Telefone sind heiß gelaufen.

Und wie haben die Kinder reagiert? „Die Reaktionen weiß ich nur aus Erzählungen der Eltern und diese waren sehr unterschiedlich. Viele Kinder haben die Zeit gemeinsam mit den Eltern sehr genossen und wenig nach dem Kindergarten gefragt, es war ein Feriengefühl. Die Eltern haben großartige Arbeit geleistet und ihre Kinder toll begleitet.“

Die Kinder seien von den Eltern bereits zu Hause gut informiert worden, schildert Susanne Schmutzer: „Sie wissen Bescheid über die Maßnahmen und warum wir diese haben. Wir bewundern, wie toll die Kinder diese veränderte Situation bewältigen. Wir kommunizieren möglichst unaufgeregt mit den Kindern, das überträgt sich auf sie.“

Wie erklärt man Kindern die Situation? „Wir arbeiten viel mit Geschichten, Bildkarten und Spielen, die uns zur Verfügung gestellt wurden“, erklärt die Kindergartenleiterin. „Ehrlich und kindgerecht Fragen beantworten und dabei ruhig und authentisch sein, das ist wichtig, denn dann werden die Informationen von den Kindern auch gut angenommen.“