Clementinum: Anklage gegen Pflegekräfte. Quälen wehrloser Bewohner und sexueller Missbrauch wird angelastet.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 21. Januar 2020 (03:13)
Clementinum Kirchstetten
NOEN, Renate Hinterndorfer

Die Staatsanwaltschaft St. Pölten hat, nach jahrelangen Ermittlungen um Vorgänge im Pflegeheim Kirchstetten, Anklage gegen vier Beschuldigte eingebracht – das berichtete die APA am Freitag.

Leopold Bien, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte auf Anfrage der NÖN: „Gegen vier ehemalige Pflegekräfte wurde Anklage eingebracht.“ Es handelt sich um drei Frauen und einen Mann. Ihnen wird seitens der Behörde das Vergehen des Quälens oder Vernachlässigens wehrloser Personen im Rahmen ihrer pflegerischen Tätigkeiten angelastet, sagte Leopold Bien. Zum Teil wurde auch das Verbrechen des sexuellen Missbrauchs wehrloser Personen angeklagt, berichtet Bien „weil Genitalien auf medizinisch nicht indizierte Weise eingecremt oder mit Franzbranntwein eingerieben wurden.“

Die Anklageschrift wurde den vier Beschuldigten zugestellt. „Die Anklage ist noch nicht rechtswirksam und kann beeinsprucht werden, das ist abzuwarten“, so Bien weiter.

Im Oktober 2016 war bekannt geworden, dass Patienten im Clementinum angeblich gequält wurden. Gegen insgesamt fünf Beschuldigte wurde wegen des Verdachts des Quälens und Vernachlässigens sowie des sexuellen Missbrauchs von Pflegebefohlenen ermittelt. Sie bestritten die gegen sie erhobenen Vorwürfe stets.

Gegen einen der fünf Verdächtigen wurde das Verfahren laut Staatsanwaltschaft eingestellt. Der Mann stand im Verdacht, dass er es verabsäumt hätte, auf die Missstände zu reagieren. Diese Vermutung habe sich allerdings nicht erhärtet, sagt Staatsanwalt Bien.

Weiters gab es den Verdacht, dass Heimbewohner systematisch ein Medikament bekommen hätten, das den Todeseintritt beschleunigt haben könnte. Exhumierungen wurden durchgeführt. Ein Verdacht in Richtung eines Tötungsdelikts habe sich laut Staatsanwaltschaft nicht erhärtet.

Im Fall einer Verurteilung drohen den Beschuldigten bis zu zehn Jahren Haft. Prozesstermin gibt es noch keinen, unter anderem deshalb, weil die Anklageschrift noch nicht rechtskräftig ist.