Kirchstetten

Erstellt am 12. Juni 2018, 05:23

von Renate Hinterndorfer

Abschied von einer NÖN-Legende. Unter großer Anteilnahme wurde Leopold Wanderer zu Grabe getragen.

Im Vorjahr feierte Leopold Wanderer seinen 90. Geburtstag. Bürgermeister Paul Horsak, Gattin Maria Wanderer und Bezirkshauptmann Josef Kronister gratulierten.  |  NOEN

Das Herz von Leopold Wanderer hat am 4. Juni zu schlagen aufgehört. Er wurde 91 Jahre alt. Bis zuletzt war der gebürtige Totzenbacher in vielfältiger Weise aktiv, nahm an Veranstaltungen teil, fotografierte und schrieb Berichte für die Neulengbacher NÖN.

Familie, viele Freunde, Vereinsvertreter, Kollegen und Weggefährten nahmen am Freitag Abschied. Die Totzenbacher Kirche wurde zu klein für die große Trauergemeinde.

„Es gibt keinen Zweiten in der Gemeinde, der sich über 60 Jahre so engagiert hat.“ Johann Dill über Leopold Wanderer

„Unsere Herzen sind voll Trauer und Schmerz. Wir sind arm an Worten des Trostes“, sagte Pfarrer Kingsley Uzor, der gemeinsam mit Emmerich Pfeiffer, Walter Graf und Heinz Kellner die Begräbnismesse feierte.

In seinem langen Leben hat sich Leopold Wanderer in vielen Bereichen durch großen persönlichen Einsatz verdient gemacht. Anderen zu helfen war ihm immer ein Anliegen.

„Wir verlieren einen wunderbaren, herzlichen, humorvollen, angesehenen, freundlichen und hilfsbereiten Menschen, der ein großes soziales Herz hatte und der Werte vermitteln konnte“, sagte Johann Dill, der auf Wunsch des Verstorbenen die Trauerrede hielt und an sein Leben und seine Verdienste erinnerte.

Leopold Wanderer wurde am 11. März 1927 in Totzenbach geboren, verlor früh den Vater und lernte in Kirchstetten das Handwerk des Bäckers. 1944 kam er zum deutschen Arbeitsdienst, 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

privat & Wanderer

Nach dem Krieg begann er bei der Straßenmeisterei zu arbeiten. Als Personalvertreter engagierte er sich viele Jahre für seine Kollegen. Insgesamt 35 Jahre war er als Gemeinderat und Vizebürgerbürgermeister tätig. „Leopold Wanderer hat aber auch in zahlreichen Vereinen und Organisationen jahrzehntelang mit großartigem Einsatz gewirkt“, hielt Johann Dill fest. Der Verstorbene war nicht nur im Pfarrgemeinderat und im Aufsichtsrat der Raiffeisenbank tätig, sondern hat sich auch für die Gründung des ÖAAB eingesetzt und einen eigenen ÖAAB-Ball ins Leben gerufen, den sogar Erwin Pröll und Liese Prokop besuchten.

Viele Jahre hat er sich als Obmann des Seniorenbundes für die Mitglieder engagiert. Kurz vor seinem Tod nahm er als Ehrenobmann noch an der 40-Jahr-Feier der Senioren teil und erhielt eine Auszeichnung. Auch beim Verein der Freunde Totzenbachs leistete er viel.

Unvergessen ist auch Leopold Wanderers Einsatz im Pflegezentrum Clementinum. Schon 1966 hat er für die Bewohner des damaligen Bruckhofs die ersten Ausflüge organisiert. Bis zuletzt war er gemeinsam mit Gattin Maria als ehrenamtlicher Helfer im Haus aktiv.

Für seinen vielfältigen Einsatz wurde Leopold Wanderer vielfach geehrt. Die Gemeinde Kirchstetten ernannte ihn zum Ehrenbürger. Dazu kommen zahlreiche Auszeichnungen von Bund und Land.

Besonders wichtig neben all seinem Einsatz für die Allgemeinheit war dem Verstorbenen aber immer auch seine Familie, wie Trauerredner Dill betonte. „Auf seine Kinder Leopold und Eva war er immer stolz. Auch seine Enkelkinder Lea und Laura sind ihm immer am Herzen gelegen. Der Dank gilt seiner Gattin Maria, die ihm stets den Rücken freihielt und ihn bei seinen Aktivitäten unterstützte.“

Bürgermeister Paul Horsak würdigte Leopold Wanderer als Mann, dessen Wort zählte und dessen Handschlag galt. Arbeit sei ihm nichts Fremdes gewesen, Pflichtbewusstsein oberstes Gebot: „Wir nehmen von einem Menschen Abschied, der sich Zeit seines Lebens in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat. Du reißt eine unendliche große Lücke in unsere Gemeinschaft“, so der Kirchstettener Ortschef.

65 Jahre für die NÖN im Einsatz

Groß ist auch die Lücke, die Leopold Wanderer bei den Niederösterreichischen Nachrichten hinterlässt. 65 Jahre berichtete er aus dem Kirchstettener Gemeindeleben. Woche für Woche lieferte er Berichte und Fotos ab. Anfangs kam er dafür noch mit maschingeschriebenen Texten und analogen Fotos in die Redaktion, später stieg er auf den PC um und schickte seine Beiträge per E-Mail. Ereignisse im Ort und Aktivitäten von Vereinen hielt Leopold Wanderer gewissenhaft in Wort und Bild fest: Ob Eltern-Kind-Treff oder Rollstuhlausflug, ob Feuerwehrfest oder Bauernbundfeier – Leopold Wanderer war dabei und berichtete. Bis zuletzt. Lieber Leopold: Danke!