VP verliert die absolute Mehrheit in Neulengbach. Die Bürgermeister-Partei büßt drei Mandate ein, die neue Liste Heiss schafft auf Anhieb sechs Mandate.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 27. Januar 2020 (06:50)

Ein schwarzer Tag war der 26. Jänner für die Neulengbacher Volkspartei: Sie verliert die absolute Mehrheit in der Stadt und hat statt bisher 18 Mandaten nur mehr 15. Die Liste Heiss, die sich von der VP abgespalten hat, erreicht auf Anhieb sechs Mandate und ist damit noch vor den Grünen und der SP die zweitstärkste Fraktion in Neulengbach.

„Es ist wie es ist“, sagt VP-Spitzenkandidat Bürgermeister Franz Wohlmuth zu dem Wahlausgang. Auf die Frage, ob er mit einem derart starken Abschneiden von Alois Heiss gerechnet hat, antwortet Wohlmuth: „Ja und nein. Dass man mit großen Familien viel bewegt ist schon klar.“ Im Wahlkampf sei es außerdem nicht immer fair zugegangen, merkt Wohlmuth noch an. Er hatte gehofft, dass seine Partei die absolute Mehrheit halten kann. Der Verlust für die Volkspartei hätte aber auch noch höher ausfallen können, meint der Bürgermeister: „Wenn vier Leute von einer Gruppe weggehen und man verliert nur drei Mandate, dann hat man gut gekämpft.“ Jetzt werde man das Ergebnis analysieren, dann schaue man weiter.

Mindestens vier Mandate wollte der bisherige VP-Vizebürgermeister Alois Heiss mit seiner neuen Liste erreichen, zwei mehr sind es geworden. „Sechs Mandate und der Verlust der absoluten Mehrheit der ÖVP, das ist das, wo ich hinkommen wollte. Man redet jetzt auf einer anderen Basis, nämlich mit allen. Diese Basis ist jetzt geschaffen“, sagt Spitzenkandidat Alois Heiss. Seiner Ansicht nach war der Wahlkampf fair. Dass seine Wahlplakate zum Teil mit den ärgsten Schimpfwörtern versehen wurden, nahm Heiss relativ gelassen.

Auf die Frage, wie er seine politische Zukunft sieht, antwortet Heiss: „Ich bin nie ein Oppositionspolitiker gewesen, ich möchte mitregieren. Selbstverständlich.“

Während die Liste Heiss jubelt, herrscht bei der SP-Fraktion Frust: Sie muss ein Minus von drei Mandaten hinnehmen und ist nur mehr mit fünf Sitzen im Gemeinderat vertreten. „Das ist sehr enttäuschend und nicht nachvollziehbar“, sagt Spitzenkandidat Mario Drapela: „Wir haben auch einen Stadtrat verloren, dabei haben wir tolle Arbeit geleistet. Unsere beiden Stadträte Beate Raabe-Schasching und Josef Fischer sind natürlich auch immens enttäuscht.“ Die Themen der Partei seien nicht angekommen worden, bedauert Drapela. Man werde die Konsequenzen ziehen. Welche das sein werden, konnte er am Wahlabend noch nicht sagen. Ob er selbst wieder in den Gemeinderat einzieht, ist noch nicht sicher: „Die Gremien setzen sich zusammen und überlegen, wie die Weichen gestellt werden.“

Fast halbiert hat sich die Neulengbacher FP. Sie erreicht 4,3 Prozent der Stimmen und hat damit nur mehr ein Mandat. Spitzenkandidatin Petra Tauber war bis Redaktionsschluss für die NÖN nicht erreichbar.

Enttäuschung bei SP und Neos

Enttäuschend ist das Wahlergebnis auch für NEOS: Die Hoffnung auf ein zweites Mandat hat sich nicht erfüllt. Spitzenkandidatin Sonja Koschina: „Ich habe mir mehr erhofft. Wir haben ein tolles Team, wir sind viel gelaufen, haben mit vielen Menschen gesprochen.“ Sie sei aber froh, dass Neos das solide Ergebnis zumindest halten konnte.

Im Gegensatz zur SP sind die Grünen mit dem Wahlergebnis höchst zufrieden: „Sehr positiv“ findet Spitzenkandidat Paul Mühlbauer das Resultat. Seine Partei konnte ein Mandat dazugewinnen, damit habe er nicht unbedingt gerechnet: „Das war doch ein bisschen überraschend angesichts der Dynamik durch VP und Liste Heiss. Ich habe gedacht, dass wir dadurch vielleicht ein bisschen verlieren, aber offensichtlich haben unsere Inhalte und unser Wahlkampf gepasst“, strahlt Mühlbauer, der mit seinem Team am Sonntagabend noch feiern ging.

Gejubelt wurde am Wahlsonntag auch in Altlengbach. VP und SP lagen seit der Wahl 2015 fast gleich auf: Beide Parteien hatten zehn Mandate, die VP hatte nur 30 Stimmen mehr. Jetzt ist die Mehrheit klar: Spitzenkandidat Michael Göschelbauer und sein Team legten drei Mandate zu, die Altlengbacher Roten verloren drei Mandate, die FP bleibt bei einem Mandat. „Die harte Arbeit in den vergangenen fünf Jahren hat sich ausgezahlt, dem Schlechtreden im Wahlkampf ist eine Absage erteilt worden“, meint Göschelbauer.

In Asperhofen, wo der frühere VP-Bürgermeister Josef Ecker mit den Freiheitlichen gemeinsam angetreten ist, konnte Ortschefin Katharina Wolk die VP-Mehrheit um ein Mandat auf zwölf Mandate ausbauen. Ecker zieht in den Gemeinderat ein, seine Partei erreichte drei Mandate.

In Neustift-Innermanzing jubelt die VP über den Ausbau der absoluten Mehrheit, die SP verliert ein Mandat, die Grünen halten ihre zwei Mandate, die FP fliegt aus dem Gemeinderat.

In Kirchstetten hält die Volkspartei ihre zwölf Mandate: „Ich habe ein weinendes und ein lachendes Auge“, sagt Bürgermeister Paul Horsak, denn das Plus von 100 Stimmen reichte nicht für ein 13. Mandat. Die SP freut sich über ein sechstes Mandat, die Blauen schaffen nur noch eines, die Grünen halten zwei.

In Maria Anzbach verliert die VP ein Mandat, ebenso wie die FP. Grüne und SP können um jeweils ein Mandat zulegen. Keine Veränderungen gibt es in Brand-Laaben: Die VP hält ihre 14 Mandate, die SP kommt wieder auf drei, die FP auf zwei.

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