Virtueller Marktplatz als neues Geschäftsmodell. Die Wunderweiber Wienerwald Eva Mader und Astrid Wessely vernetzen auf „Marktplatz Wienerwald“ Unternehmer und Käufer mit großem Erfolg virtuell.

Von Monika Närr. Erstellt am 05. April 2020 (03:07)
Die Initiatorin der Wunderweiber Wienerwald, Eva Mader (unten), gründete gemeinsam mit Architektin und Frau in der Wirtschaft Astrid Wessely auf kurzem Weg und via Skypekonferenzen die Onlineplattform Marktplatz Wienerwald mit dem Online-Ostermarkt.
Eva Mader

„Was zuerst als kleine Idee gedacht war, ist so schnell groß geworden. 600 Mitglieder binnen weniger Stunden, mehr als 1.600 nach eineinhalb Wochen zeigen uns, dass es ein sehr starkes Interesse gibt, lokale Anbieter aus dem Wienerwald mit Käufern zu vernetzen“, so die „Wunderweiber Wienerwald“ Eva Mader und Astrid Wessely. Sie schufen aus der Not binnen Tagen eine virtuelle Tugend. Ihre neue Facebook-Gruppe Marktplatz Wienerwald, als Soforthilfe gedacht, schlug ein wie der Blitz.

„Wir haben sie in 39 Minuten aus dem Boden gestampft“, so die Initiatorin der erfolgreichen Plattform Eva Mader. „Ich bin sowieso in ständigem Austausch mit Astrid Wessely, die als Frau in der Wirtschaft den regionalen Anbietern ohnedies laufend unter die Arme greift“, betont Unternehmensberaterin Mader. In einem Skype-Talk legten sie das Ziel und die Namen der Gruppe fest und versandten Einladungen.

Online-Ostermarkt als erste Initiative

Unmittelbar darauf entstand schon die erste konkrete Initiative, der Online-Ostermarkt. Viele Anbieter, die ihre Osterware und -produkte heuer nicht auf den Märkten verkaufen können, bleiben nun nicht darauf sitzen, sondern können diese zum Beispiel über Gutscheine, Postversand, Lieferservices oder Services mit sicheren Abholstationen oder über Online-Dienste an Käufer bringen. Diese bescheren ihren Lieben damit trotz – oder gerade wegen – der räumlichen Distanz ein frohes Osterfest.

„Man sieht, dass einzelne Anbieter bis zu 60 Mal geteilt werden“, freut sich Mader über den Erfolg ihres ganz persönlichen Ostergeschenks an viele. Zur leichteren Auffindung der Produkte haben sie zudem sechs Kategorien geschaffen: Gaumenfreuden, Osterdekoration, Blumen & Pflanzen, Geschenke für Kinder, Geschenke für Erwachsene und Kunsthandwerk.

Als essenziell erkennt Mader, dass „nicht nur der Verkauf angekurbelt wird, sondern auch Unternehmen ihre Geschäftsmodelle überdenken“. So hat plötzlich das Schuhgeschäft eine virtuelle Auslage oder Blumen- und Gemüsehändler passen sich mit Abholstationen und Lieferungen dem an, was die Krise bietet. „Man kann Mut in der Krise schöpfen, eine neue Verbundenheit entsteht, die zwischen Konsumenten und Anbietern bestehen bleiben kann“, so die junge Mutter, die im Homeoffice arbeitet und zeitgleich ihre zweijährige Tochter betreut.

Große Nachfrage wird erfüllt

Astrid Wessely kam als selbstständige Architektin selbst ins Strudeln und ihr fiel in den ersten Tagen der Krise auf „wie viele strudeln und panisch auf Facebook posteten“. Sie erkannte noch in der ersten Woche, dass den Unternehmern eine große, unerfüllte Nachfrage gegenübersteht. Und es gelang, Bedürfnisse und Angebote „niederschwellig und klar zusammenzufassen.“ So entstand eine elektronische Werbetafel für Unternehmen, mit denen Kunden auf schnellem Weg Kontakt aufnehmen können. Unternehmen bringen sich ein, die Administratorinnen tragen sie dann nach Branchen und spezifischen Angeboten in die jeweilige Firmenliste ein. Zudem ist die Gruppe offen und jeder kann alle Beiträge lesen. „Man braucht in allen Bereichen ein Umdenken, und Online-Services gewinnen jetzt auch mit und durch regionalen Bezug. Unternehmen werden in diese Chance gezwungen, es wird ihnen aber auch künftig helfen“, so Wessely.

Dankbar ist auch die Pressbaumer Buchprinzessin Birgit Breitenlacher, die erst in Sorge war und dann auf die Plattform aufsprang: „Gott sei Dank entstand dieses neue Geschäftsmodell. Es rennt so gut an, ich bin erleichtert. Es ist so plötzlich zwar eine große Umstellung und Herausforderung, aber wir werden es in den Griff kriegen.“ So hofft sie auf einen größeren Bekanntheitsgrad auch in der Region und freut sich über den Rückhalt, der zusätzlich zur Unterstützung der Gemeinden für Lokalgeschäfte anläuft. Dieser Tage hat auch die Tullnerbacher Gemeinderätin Betty Barisits als eine der ersten Kundinnen gleich doppelt Freude geschenkt: „Ich habe ein Bastelpaket für meine Enkeltöchter bei der Buchprinzessin bestellt und sie haben sich total gefreut, als es als Gruß ihrer derzeit abwesenden Oma geliefert wurde.“