181.000 Euro für Bachblüten-Bilder gefordert. Weil er den Namen der Fotografin nicht nannte, muss Unternehmer 17.000 Euro zahlen.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 24. April 2019 (05:32)
shutterstock/nito
Symbolbild

181.000 Euro Schadenersatz sollte Sergio Lazzari wegen Urheberrechtsverletzung zahlen. Der Betreiber der Reformstube Sonnenschein scannte vor 18 Jahren für seine Webseite Bachblütenfotos von einem Kartenset, das er im Geschäft hatte, ein. „Niemand dachte damals an Copyright, sonst hätte ich mich gehütet, Bilder für die Webseiten zu scannen“, betont der Unternehmer, der damals einen Fotoverarbeitungskurs an der VHS absolviert hatte.

Anfang März bekam er Post aus Deutschland: Für die 38 eingescannten Fotos sollte er 181.000 Euro zahlen, weil er den Namen der Berufsfotografin nicht genannt hatte. Für Lazzari ist klar: „Natürlich kann ein Fotograf für seine Fotos verlangen, was er möchte und dabei die jetzige Gesetzeslage ausnutzen, um möglichst viel Geld herauszuholen. Aber hier geht es um Bachblütenbilder und nicht um gewerbliche Bilder, die für mich einen wirtschaftlichen Vorteil bedeuten würden. Schließlich habe ich ja keinen Großkonzern, der sich absichtlich mit unlauteren Schritten einen geschäftlichen Gewinn verschafft.“ Es sei sein Fehler gewesen, dass er seine Webseiten in den letzten Jahren nicht überprüft habe, gibt Lazzari zu. Er hätte wachsam sein sollen, aber nach 18 Jahren dachte er einfach nicht mehr an die Fotos. Die Höhe der Forderung sei aber auf jeden Fall unangemessen. Auch die Vorgangsweise findet der Neulengbacher Reformstuben-Betreiber eigenartig: Man hätte das Problem von Mensch zu Mensch besprechen können, anstatt gleich mit einer so hohen Forderung zu kommen: „Der Datenschutz ufert aus, jeder klagt jeden“, sieht Sergio Lazzari die Entwicklung kritisch.

 „Datenschutz ufert aus. Jeder klagt jeden.“ Sergio Lazzari, Reformstube Sonnenschein

 Er hat sich einen Rechtsanwalt genommen. Nach „kleineren Kämpfen“ kam eine außergerichtliche Einigung zustande: 17.000 Euro Schadenersatz muss Lazzari zahlen, dazu kommen noch die Anwaltskosten. Er hält fest: „Ich bin um eine Lebenserfahrung reicher geworden, obwohl es meine Nerven und mein Budget belastet hat.“

Der Geschäftsinhaber hat jedenfalls seine Kunden per Mail über den Fall informiert - als Warnung im digitalen Zeitalter des Datenschutzes. „Laut meinem Anwalt kommen zur Zeit vermehrt aus Deutschland Forderungen wegen Urheberrechtsverletzungen nach Österreich herein.“

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