Josef & Christof Fischer: Politik als gemeinsames Hobby. Christof Fischer ist in die Fußstapfen seines Vaters Josef in Neulengbach getreten. Über Politik wird viel geredet, einer Meinung ist man nicht immer.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 02. Dezember 2020 (03:34)
Der Stadtrat bleibt in der Familie: Josef Fischer hat seine Tätigkeit heuer beendet, Christof Fischer hat neu gestartet. Über Politik wurde in der Familie schon immer viel geredet, NÖN-Berichte werden aufbewahrt.
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Zehn Jahre sind Josef und Christof Fischer gemeinsam im Gemeinderat gesessen. Nach 20 Jahren hat Josef Fischer (55) heuer seine Arbeit als SP-Stadtrat aufgegeben. Christof Fischer (31) sammelt gerade erste Erfahrungen als neuer SP-Stadtrat. Die NÖN hat mit Vater und Sohn telefoniert.

NÖN: Zwei Stadträte in einer Familie - das ist selten. Wie ist es dazu gekommen? War Politik immer ein Thema in der Familie?
Josef Fischer: Ich habe mich immer für Politik interessiert. Dann habe ich in der Kommunalpolitik angefangen und mit meiner Frau immer über alles geredet. Unsere beiden Kinder waren dabei und so wurde ihr Interesse geweckt. Unser Sohn Erich wollte eigentlich auch politisch tätig werden.
Christof Fischer (lacht): Aber drei Fischer wären zuviel.
Josef Fischer: Unsere Söhne haben gesehen, dass ich die Arbeit mit Freude mache und dass man etwas bewegen kann.
Christof Fischer: Für uns hat es so ausgesehen, als wäre es ein Hobby. Das hat uns interessiert. Dann hab‘ ich auch diesen Weg eingeschlagen. 2009 bin ich Kassier bei der SPÖ geworden, das war vor mir übrigens auch mein Papa. 2010 war ich das erste Mal bei der Gemeinderatswahl dabei.
Josef Fischer: Das ist aber nie von mir forciert worden, das war die Idee von den Jungen in der Partei.

„Die jüngere Generation denkt anders.“ Josef Fischer

Haben Sie den Posten des Stadtrats 2020 angestrebt?
Christof Fischer:
Nein, ich habe mir gedacht, dass ich das vielleicht in den nächsten zehn Jahren einmal werde. Aber dass es so schnell geht, damit habe ich wirklich nicht gerechnet.

Wie waren die ersten Monate in der neuen Funktion?
Christof Fischer:
Am Anfang war es ein bissl schwierig, aber ich habe vom Papa mitbekommen, wie das Liegenschaftsressort funktioniert und habe mir dann ziemlich leicht getan. Wenn ich eine Frage habe, dann frage ich den Papa. Die Politik ist unser gemeinsames Hobby. In der Freizeit oder beim Mittagessen geht es viel um Politik. Natürlich gibt es immer wieder unterschiedliche Ansichten.
Josef Fischer: Die jüngere Generation denkt anders. Aber es ist toll, dass man über die Dinge reden kann und ich freue mich, wenn Christof mit Anliegen kommt. Ich gebe gern Feedback.

War der Ausstieg aus der Gemeindepolitik schwer? Was tun Sie mit der gewonnenen Freizeit?
Josef Fischer:
Es ist das erste Mal, dass ich wirklich Zeit habe. Ich gewöhne mich schön langsam daran. Ich habe viele Hobbies, ich mache jetzt mehr Sport, gehe mehr laufen oder wandern und ich lese auch mehr.
Christof Fischer (schmunzelnd) : Der Vorteil ist, dass sich der Papa jetzt auch mehr aufs Opa-Sein konzentrieren kann und viel Zeit hat, auf die Enkelkinder aufzupassen.

Es ist das erste Mal, dass ich wirklich Zeit habe. Ich gewöhne mich schön langsam daran

Wie wird bzw. wie wurde die politische Tätigkeit von der Ehefrau aufgenommen?
Christof Fischer: Als Mario Drapela zu mir gekommen ist und mich gefragt hat, ob ich Stadtrat werden möchte, war das sehr überraschend für mich. Ich habe das natürlich mit meiner Frau besprochen. Sie steht 100 Prozent hinter mir. Sie war aber am Anfang nicht sehr glücklich, weil man doch viele Termine hat. Aber ich kann mir alles sehr gut einteilen. Wobei heuer ja aufgrund von Corona auch weniger Termine waren. Schauen wir einmal, wie es nächstes Jahr ausschaut.
Josef Fischer: Meine Frau ist immer hinter mir gestanden, aber manchmal war es ihr sicher zuviel. 20 Jahre sind eine lange Zeit.

Kommen wir zurück zur Politik: Haben Sie damit gerechnet, dass es diesmal eine schwarz-grüne Koalition gibt?
Christof Fischer:
Nein, gerechnet habe ich nicht damit, aber im Nachhinein ist es mir klar geworden, warum es diese Koalition gibt: Für die ÖVP ist das die einfachste Lösung. Die Grünen sind bis auf Barbara Löffler lauter Neulinge. Der Vizebürgermeister ist komplett neu. Der Bürgermeister kann so weitertun, wie er es gewohnt war. Mit der SPÖ wäre das sicher nicht so leicht gegangen.
Josef Fischer: Ich habe auch nicht mit dieser Koalition gerechnet. Viele Leute haben mich gefragt, warum nicht die SPÖ in der Regierung ist. Ich habe ihnen gesagt, dass das nicht an uns gelegen ist. Für die Grünen ist es nicht einfach. Ich habe den Eindruck, dass die Grünen immer nur das erfahren, was sie erfahren müssen. Bei uns war es vor 20 Jahren auch so. Bis wir informiert wurden war es oft schon ziemlich knapp um Änderungen noch umzusetzen. Aber in den letzten zehn Jahren haben wir mit der ÖVP gut zusammengearbeitet und waren eingebunden. Aber auch nur, weil wir viel nachgefragt haben.

Die SP ist jetzt ein sehr junges Team. Wie läuft‘s in der Partei?
Christof Fischer:
Durch Corona ist Vieles schwieriger, weil es weniger persönliche Treffen gibt. Aber wir kommen ganz gut zurecht. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet und haben online immer Termine, wo wir alles vorbesprechen. Wir haben viele gute Ideen.

Werden diese Ideen auch angenommen?
Christof Fischer: Unser Vorschlag für den Gastro-Zehner wurde von der ÖVP und den Grünen abgelehnt. Unser Vorschlag für die Verdoppelung des Corona-Hilfspakets des Bundes wurde beim ersten Mal abgelehnt. Dann ist man draufgekommen, dass das doch nicht so blöd ist und hat es beschlossen. Wir haben gefordert, dass mehrere Lehrlinge in der Gemeinde aufgenommen werden, das wird jetzt auch umgesetzt. Wenn wir nicht wären, würde es anders rennen.
Josef Fischer: Wir haben mit unserer Partei in den letzten Jahren viel erreicht, was die Öffentlichkeit nicht mitbekommt. Im Hintergrund kann man schon ein bisschen lenken, in welche Richtung es gehen soll.

Ich bin auf die 20 Jahre grundsätzlich stolz. Es hat sich viel geändert.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach 20 Jahren in der Gemeindepolitik aus? Worauf sind Sie stolz?
Josef Fischer: Ich bin auf die 20 Jahre grundsätzlich stolz. Es hat sich viel geändert. Ich habe immer einen mittelfristigen Finanzplan gefordert, die anderen haben gesagt, das ist ein Blödsinn. Wir haben ein paar Jahre herumgestritten. Heute kann man sich den mittelfristigen Finanzplan nicht mehr wegdenken. Ein Highlight war sicher der Umbau des Lengenbacher Saals, den wir 2007 begonnen haben. Ich habe die ersten Schritte eingeleitet. Beim ganzen Gerichtsgebäudeumbau habe ich immer mitgearbeitet. Der Rathaus-Umbau war auch ein Super-Projekt. Wenn man zusammenarbeitet kann man kostengünstig etwas herausstampfen, mit dem alle eine Freude haben. Die Grünen waren übrigens am Anfang dagegen. Ein Meilenstein war sicher die Gründung der Neukom, da habe ich viele Ideen eingebracht. Markersdorf war mir immer wichtig, die Feuerwehr war mir immer ein Anliegen. Beim Umbau des Freizeitzentrums habe ich von Anfang an mitgearbeitet.
Christof Fischer: Zu der Zeit waren Michi Braitner und ich schon im Gemeinderat. Es war das erste Mal, dass man die Jungen mitarbeiten hat lassen. Es ist ein gutes Projekt geworden.

Welche Projekte sind Ihnen jetzt wichtig?
Christof Fischer: Das nächste Projekt ist die Erweiterung der Volksschule. Wir haben einen Zuzug. Auch die Kindergärten wird man ausbauen müssen. Anschauen muss man sich auch, wie es mit dem Feuerwehrhaus in Neulengbach ausschaut. Ein Thema ist auch die Erweiterung der Urnenanlagen. Das ist ein Projekt, das mein Papa schon angefangen hat.
Josef Fischer: Ja, da hat es am Anfang viel Gegenwind gegeben. Jetzt kann man sich Urnengräber nicht mehr wegdenken.
Christof Fischer: Wir wollen auch eine Naturbestattung, das wird immer mehr. Aber das muss man sich anschauen, wann das finanziell machbar ist.
Josef Fischer: Solche Sachen muss man wegen Corona wahrscheinlich hintanstellen, da muss man ehrlich sein. Ich hab‘ immer aufs Geld geschaut, und Christof tut das, glaube ich, noch mehr.

Was geben Sie Ihrem Sohn für seine politische Tätigkeit mit?
Josef Fischer: Er soll sie nur solange ausüben, solange sie ihm Freude macht. Wenn man die Freude verliert, macht man für die Leute nichts Gutes mehr.