Franz Wohlmuth: „Gewisse Distanz bleibt“. Neulengbachs Bürgermeister Franz Wohlmuth über die Folgen von Corona, das Klima in der Politik und seine Pension.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 22. Juli 2021 (04:28)
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Franz Wohlmuth wird Ende nächsten Jahres nicht mehr Bürgermeister sein. Über seine Nachfolge will er nichts auslassen.
Renate Hinterndorfer

NÖN: Eineinhalb Jahre Corona. Wie gehen Sie persönlich damit um?
Franz Wohlmuth: Es war total ungewohnt. Ich bin nach den Kriegswirren geboren und wir haben ja bisher ein Leben ohne Einschränkungen gelebt. Es war das erste Mal, dass es Einschränkungen gab, in der Gemeinde, in der Freizeit, im Kontakt mit den Bürgern. Maske tragen, Abstand halten, eine andere Grußkultur. Es war nicht leicht, nicht mit den Menschen diskutieren zu können, nicht in Lokalen hören zu können, wie die Stimmung ist. Das ist eine Erfahrung, die ich gerne hätte missen können.

„Mit 70 spiele ich nicht mehr den Bürgermeister.“ Franz Wohlmuth

Wie entspannt erleben Sie den heurigen Sommer?
Es ist alles entspannter, aber es bleibt schon eine gewisse Distanz, etwa beim Grüßen. Man hält auch Abstand in Innenräumen. Bei Freiluftveranstaltungen ist man schon in Versuchung, in die Vor-Corona-Zeit hineinzuschlittern.

Corona belastet auch die Gemeindebudgets. Die Stadtgemeinde hat sich um Förderungen bemüht, wie erfolgreich?
Es hat ja zwei Gemeindepakete gegeben. Beim ersten haben wir rund 800.000 Euro bekommen. Das Geld wird zum Teil für die Sturmbrücke, für die Kinderspielplatzoffensive und für die LED-Umstellung verwendet. Das läuft alles. Wir haben Gott sei Dank die Aufträge gleich vergeben. Wenn man sich jetzt die Entwicklung bei den Baupreisen anschaut, dann wäre jetzt sicher nicht mehr alles möglich. Die zweite Förderung vom Bund ist ein zweischneidiges Schwert, das Geld muss ja zurückgezahlt werden. Die Ertragsanteile werden auf eine Erhöhung von 1,9 Prozent gedeckelt, so lange bis der Vorschuss zurückgezahlt ist. Trotzdem steigen aber die Einbehalte für Nökas und Sozialausgaben Da werden Gemeinden an ihre Grenzen kommen, auch Neulengbach. Dieses System ist nicht zu Ende gedacht. Da muss es für die Gemeinden eine Lösung geben.

Sie haben für das heurige Jahr eine Gebührenerhöhung ausgeschlossen. Wie wird es 2022 ausschauen?
Für 2021 haben wir angesichts von Corona Erhöhungen bewusst ausgeklammert. Für die weitere Periode kann ich nichts versprechen. Gebühren müssen immer kostendeckend sein. Aber mit dem Thema haben wir uns noch nicht beschäftigt.

Gebühren müssen immer kostendeckend sein. Aber mit dem Thema haben wir uns noch nicht beschäftigt

Puncto Betriebe tut sich heuer einiges. Wie sehen Sie das?
2019 hat es mit den Betrieben sehr schlecht ausgeschaut, im Vorjahr war der totale Stillstand, aber 2021 ist ein erfreuliches Jahr. Die Firma Karner bringt längerfristig 25 neue, innovative Arbeitsplätze nach Neulengbach. Die Weiterführung der Firma Rehau durch den schwedischen Konzern Hexatronic ist auch sehr erfreulich. Die Firma Würth ist in die Stadt gekommen, Spar hat umgebaut, das sind schon ein paar Entwicklungen, die für Neulengbach eine Standortaufwertung sind.

Der alte Spar-Markt an der B44 steht seit Jahren leer. Was tut sich da?
Da kommen im Viertel-Jahr-Takt Investoren und schauen sich das an. Aber die Preise in der Immobilienbranche steigen. Das ist ein Spekulationsobjekt.

Kommen wir zur Politik. Man hat den Eindruck, dass sich das Verhältnis zur SPÖ verbessert hat?
Die Gesprächsbasis, sowohl privat als auch in politischen Dingen, ist gut. Anfangs hat es ein bisschen Unbill gegeben, aber das beruht vielleicht nicht nur auf der SPÖ. Vielleicht waren wir als ÖVP nach der Wahl auch ein bissl außer Tritt. Für die Gemeinde sind wir jetzt auf einem guten Weg. Oberstes Ziel soll sein, dass das Beste für die Region und für die Gemeinde passiert.

Das Verhältnis zur Liste Heiss ist angespannt, da zeichnet sich auch keine Verbesserung ab, oder?
Ich habe mit den Gemeinderäten der Liste Heiss einen guten Kontakt, außer mit dem Vorsitzenden. Zu Alois Heiss gibt es keinen Kontakt, damit gibt es auch keine Berührungspunkte. Wenn man 10, 15 Jahre zusammenarbeitet und alles austauscht, und dann weiß man nicht, was von der Seite kommt, dann ist das schon zermürbend.

Wenn man 10, 15 Jahre zusammenarbeitet und alles austauscht, und dann weiß man nicht, was von der Seite kommt, dann ist das schon zermürbend.

Wie läuft es mit dem grünen Koalitionspartner?
Die Koalition funktioniert sehr gut , es gibt eine ehrliche, ergebnisorientierte Debatte und wie man sieht sehr gute Ergebnisse für die Stadtgemeinde Neulengbach.

Wie schaut Ihre politische Zukunft aus?
Zu meinem 70. Geburtstag im Dezember 2022 spiele ich sicher nicht mehr den Bürgermeister, das habe ich immer gesagt, das ist meine Lebensplanung. Das wissen meine Leute in der ÖVP, das weiß der Koalitionspartner.

Wer kommt für Sie als Nachfolger in Frage?
Mit dem Thema sind wir einmal unglücklich gefahren, da werden Sie von mir nichts erfahren.