Fasten im Trend: Ein Öffnen und Lösen vom Alltag. In den stillen Tage geht es nicht nur um Verzicht auf Süßes oder Alkohol. Auch Gespräche und Reflexion sind Themen.

Von Astrid Krizanic-Fallmann, Markus Zauner, Max Steiner und Christine Hell. Erstellt am 25. Februar 2020 (04:00)
Fastengruppe beim kargen Mahl in Pernegg. Das Kloster im Bezirk Horn war eine der ersten Einrichtungen, die auf den Fastentrend aufgesprungen sind.
Rita Newman

Mit der Fastenzeit beginnt für viele eine Zeit, um sich mehr nach innen zu kehren. Die Wege zu fasten gehen weit über den rein körperlichen Verzicht hinaus, auch weniger religiöse Menschen nutzen die Zeit vor Ostern.

Für Ernst Bergmann, Pfarrer in den St. Pöltner Stadtteilen Stattersdorf und Harland, gibt es zwei Arten von Fasten. Eine körperliche, zur Überprüfung von Abhängigkeiten und zum Lösen von diesen. Die zweite Art sei weniger ein Fasten, sondern mehr ein sich Öffnen im christlichen Sinne – mehr Zeit für den Partner zu haben oder sich eingehender mit sich selbst zu beschäftigen und mit Gott. Bergmann selbst verzichtet in der Fastenzeit auf Alkohol. „Außer bei der heiligen Messe. Das ist aber nur ein Schluckerl vom Messwein.“

Bibel-Gespräche oder stille Zeit im Kloster

Biblische Gespräche bietet die Dompfarre unter dem Titel „fasten soogut“ an den Dienstagen im März von 9.30 bis 11 Uhr mit Pastoralassistent Marijan Orsolic und Dompfarrer Josef Kowar sowie von 18.45 bis 20.15 Uhr mit Gerhard Reitzinger. Darüber hinaus eröffnet am Donnerstag, 27. Februar, die Fastenausstellung zum Thema „Schöpfung“ im Sommerrefektorium. Diese bringt noch ein besonderes Gespräch: Kurator Carl Aigner wird am Freitag, 20. März, um 19 Uhr mit Bischof Alois Schwarz und Arik Brauer über „Kunst - Schöpfung - Glaube“ reden. Körperlicher ist das Fastenzeit-Angebot im Hippolyt-Haus. Beim Saftfasten mit Marianne Schindlecker wird ab 1. März konsequent auf feste Nahrung verzichtet (mehr Infos dazu gibt es auf hiphaus.at).

Für ein bewusstes Innehalten kann man aber auch ins Kloster gehen – zumindest für ein paar Tage. Für „Tage der Stille“ bietet das Stift Lilienfeld Zimmer ohne Fernseher und Internet, in denen Übernachter stets willkommen sind. Der Gästetrakt liegt in einer Zone des Stiftes, die für Tagestouristen nicht zugänglich und dadurch besonders ruhig ist. „In diesem Gästetrakt lässt sich besonders gut Abstand vom Trubel des Alltags und vom ,Stress der Welt‘ gewinnen“, erklärt Abt Pius Maurer. Es seien alle Gäste willkommen, unabhängig davon, ob sie mitbeten oder nicht.

Wirte haben sich mit Menüs angepasst

Umsatzeinbrüche fürchten die die Wirte in den nächsten 40 Tagen trotz Fastentrend nicht. „Man spürt die Fastenzeit nicht wirklich“, verrät St. Pöltens Wirte-Obmann Georg Loichtl,. Auch, weil Abnehmen, Fitness und Wellness sowieso das ganze Jahr zum Thema geworden sind. „Meine Kollegen und ich haben sich natürlich auch ein bisschen angepasst – man hat in dieser Zeit sicher noch mehr Gemüse und Fisch auf der Speisekarte.“

Was schon auffällt: Es wird weniger Alkohol getrunken. „Zumindest die ersten zwei Wochen schießt der Konsum von Soda Zitron ordentlich in die Höhe“, schmunzelt Innungsmeister Leo Graf: „Viele nutzen die Fastenzeit, um sich vom Fasching ein wenig zu erholen.“ Auch er hätte in den letzten Jahren nicht bemerkt, dass weniger Gäste kommen. „Allerdings wird schon bewusster gegessen.“

Momentan sei noch nicht der große Drang da zum Fasten, berichtet Sergio Lazzari, „aber es kommen immer wieder Menschen zu mir ins Geschäft, die für die Gesundheit etwas tun wollen.“ In Bezug aufs Fasten bietet der Inhaber der „Reformstube Sonnenschein“ in Neulengbach Zeolith an. „Das ist ein Vulkansandgestein, das noch besser wirkt als Heilerde. Im Körper bewirkt es eine physikalisch-mechanische Reinigung des Verdauungstraktes“, erklärt der Fachmann. Zudem entlaste es die Leber. Darüber hinaus bietet Lazzari Basentees an. Auch ein guter Vitamin-D-Spiegel sei ganz wichtig, auch für den Fettstoffwechsel, so Lazari.

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