Kriseninterventionsteam wird oft angefordert. Team von Ehrenamtlichen hilft bei traumatischen Erlebnissen wie Unfällen oder Todesfällen. Heuer war schon extrem viel zu tun.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:02)
Hinterndorfer
In Krisenfällen zur Stelle: Emanuel Binder und Maria Dibl vom Roten Kreuz Neulengbach.

Das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes ist heuer schon besonders oft ausgerückt: „Wir hatten bereits 85 Einsätze. Es gab viele Suizide und viele plötzliche Todesfälle von 40- oder 50-Jährigen. Das ist wirklich eine Häufung“, berichtet Emanuel Binder vom Roten Kreuz Neulengbach. Allein 19 Einsätze gab es bereits.

Zwölf Personen gehören derzeit zum Team. Auf Anforderung von Polizei, Feuerwehr, Rettung oder Notarzt werden Krisenhelfer alarmiert. Und zwar dann, wenn nach einem Brand, einem Unfall oder Todesfall Angehörige Beistand brauchen. Eine der Helferinnen ist die Eichgrabenerin Maria Dibl. Wie kam sie dazu, sich für Menschen in besonders schwierigen Momenten zu engagieren?

„Ich habe als Krankenschwester im onkologischen Bereich gearbeitet und viel mit Menschen in Krisen zu tun gehabt. Die Leute bekommen oft eine Diagnose, die sie von den Füßen reißt. Ich wollte besser helfen können und habe geschaut, ob es irgendeine Ausbildung gibt“, erzählt die 62-Jährige. Und so stieß sie 2013 auf die Krisenintervention beim Roten Kreuz. Als Krankenschwester ist sie mittlerweile in Pension. Beim Kriseninterventionsteam ist sie nach wie vor aktiv.

Auf die Frage, wie sie die oft schwierigen Einsätze verarbeitet, antwortet Maria Dibl: „Das ist eines der Talente, die ich habe: Wenn ich daheim aus dem Auto steige, ist der Fall für mich so abgeschlossen, dass er mich nicht weiter belastet. Das habe ich schon im Beruf gelernt. Man darf sich persönlich nicht zu sehr hineinziehen lassen, sonst hält man es nicht lange aus.“ Aber natürlich gäbe es Situationen, die nicht einfach seien: „Wenn ein junger Familienvater stirbt und Kinder zurückbleiben, ist das arg.“ Da helfen Gespräche mit Kollegen und Supervision. Oder ein Spaziergang mit dem Hund.

„Wir fahren bis Melk, Krems oder Ybbs“

Seit zehn Jahren gibt es beim Roten Kreuz Neulengbach die Krisenintervention. Aufgebaut hat sie Emanuel Binder. 100 bis 110 Einsätze pro Jahr werden im Zentralraum St. Pölten geleistet. Das Team in Neulengbach übernimmt immer etwa 50 bis 60 Einsätze im Jahr. „Wir fahren bis Melk, Krems oder Ybbs“, berichtet Binder. Sein längster Einsatz hat acht Stunden gedauert. Da ging es um den Tod eines jungen Mädchens.

Durchschnittlich zwei bis vier Stunden sind die Krisenhelfer bei einem Einsatz. „Manchmal ist man nur da und hört sich an, was die Leute sagen. Manchmal hilft man beim Organisieren: Was ist zu tun? Wer muss informiert werden? Ist es gerade günstig, diese Person anzurufen?“ Der Umgang mit sozialen Netzwerken sei in den vergangenen Jahren ein Thema geworden, stellt Maria Dibl fest. Man müsse sich schon überlegen, mit wem man eine traurige Nachricht teile, gibt sie zu bedenken: „Da wird oft nicht nachgedacht, wer das aller liest.“

Zusätzliche Mitarbeiter sind willkommen

Die Mitarbeit im Kriseninterventionsteam ist ehrenamtlich. Zusätzliche Helfer sind jederzeit willkommen, hält Emanuel Binder fest: „Voraussetzung ist der Wille zu helfen und zeitliche Flexibilität.“ Die Ausbildung dauert mindestens ein Jahr und umfasst Erste Hilfe Kurs, theoretische Ausbildung mit Prüfung und Praktikum. „Für rüstige Pensionisten oder Leute in Altersteilzeit bietet sich die Mitarbeit bei uns an“, hofft Emanuel Binder auf Verstärkung. Info: 0676/9485338.

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