Umgangston am Fußballplatz: Als Vater hat man Emotionen. Unsere Klubs begrüßen neue Maßnahmen des Verbands.

Von Claus Stumpfer und Romeo Felsenreich. Erstellt am 12. März 2019 (03:55)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.Shutterstock.com

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Erwachsenen Sporplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Das scheint bitter nötig, denn, wie sollen Jungkicker zu fairen Sportlern heranwachsen, wenn ihnen neben dem Feld etwas anderes vorgelebt wird?

Schönfelds Jugendleiter Martin Engelbrecht kennt das Problem mit überehrgeizigen Eltern: „Zum Glück haben wir es zwar aktuell nicht bei unserem Verein, aber bei Auswärtsspielen schlagen Zuschauer immer wieder über die Stränge.“ Bei seinen Teams ist schon die Forderung „streng dich an!“ vom Spielfeldrand verpönt. „Sie schadet“, ist Engelbrecht überzeugt.

Bei wiederholten Entgleisungen sieht man sich beim ATSV in der Pflicht, Konsequenzen zu ziehen. „Einmal mussten wir uns sogar von einem Trainer trennen. Für einen kleinen Verein ist das zwar immer ein Spagat, denn wir sind ja froh, dass jemand freiwillig aushilft, aber wenn sich ein Trainer in der Wettkampfsituation nicht unter Kontrolle hat, ist das nicht zu akzeptieren!“

Dem pflichtet SV-Neulengbach-Obmann Thomas Wirnsberger zu, will „den Wahnsinn bei anderen“ aber nur vom Hörensagen kennen. „Gerade bei uns Wienerwaldklubs geht es nie über die nötige Lokalrivalität hinaus“, ist er überzeugt.

Eine Einschätzung, die Schirilegende Franz Steigberger, nicht ganz teilen kann. „Ehrgeizige Eltern gibt es im Nachwuchs überall“, beneidet er Jugendtrainer nicht. „Die müssen die Eltern mehr erziehen, als die Kids“, beobachtet er, lobt aber die jungen Spieler. „Die sind heute viel disziplinierter als noch vor ein paar Jahren!“

„Beim Spiel hat nur der Trainer das Sagen“

Auch Markus Gürtler, Sektionsleiter des SV Maria Anzbach, sieht Eltern oft mit zu großen Emotionen am Spielfeldrand. „Das führt dazu, dass die Kinder mehr auf die Zurufe von draußen hören, als auf den Trainer. Wir versuchen, dann gegenzulenken, sprechen mit den Kindern und den Eltern, denn beim Spiel hat nur der Trainer das Sagen!“

Und Ernst Lissi, Sektionsleiter des SV Eichgraben, hatte bei einem U-15-Spiel erst den Fall, dass die Situation eskaliert ist. „Klar, jeder darf sich ärgern, aber der Schiedsrichter ist auch nur ein Mensch und macht keinen Fehler absichtlich. Zum Glück waren wir vor Ort, konnten schlichten.“

Erwin Kober ist nicht nur Jugendleiter des SV Altlengbach, sondern auch Spielervater. Er gibt zu: „Als Vater muss ich mich selbst an der Nase nehmen. Es ist nicht immer leicht, seine Emotionen zurückzuhalten. Wir sind aber ein familiärerer Verein und wenn es Probleme gibt, klären wir das direkt und sofort.“

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