E-Mobilität im Alltag: „Jeder Ort hat schon Tankstelle“. Die Zahl der E-Autos steigt. In der Region Wienerwald wird vor allem auch auf Car-Sharing gesetzt.

Von Ernst Klement und Renate Hinterndorfer. Erstellt am 16. Juli 2019 (03:03)
Klement
Willi Wesseli mit seinem Enkerl Mathias vor seinem E-Auto und der Photovoltaikanlage.

Willi Wesseli ist der Pionier im Laabental, was E- Autos betrifft. Seit sechs Jahren fährt er ein Elektro-Auto und hat nun bereits ein zweites Auto angeschafft. „Meine Ersparnisse habe ich nicht in die Bank gebracht, sondern in E-Autos und Photovoltaikanlagen investiert. Das hat mir ein Vielfaches mehr an Zinsen gebracht“, erzählt der Laabener. Wesseli hat seine eigene Photovoltaik-Tankstelle. Er berichtet, dass er pro Jahr 350 Euro für sein Auto braucht – inklusive Aufladen, Versicherung und Wartung. Er ist überzeugt, dass sich die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge auf lange Sicht durchsetzen werden, weil es für die Umwelt keine Alternative gäbe: „Noch gibt es mächtige Feinde wie die Öl-Multis, der Fortschritt ist jedoch nicht aufzuhalten.“

Willi Wesseli betont, dass mittlerweile jede Gemeinde eine E-Tankstelle hat und der Ausbau immer besser wird: „Bei meinen Urlaubsfahrten fand ich immer problemlos eine Tankstelle.“

„Bei der Mobilität der Zukunft wird die Elektromobilität sehr wohl eine bedeutende Rolle spielen.“ Matthias Zawichowski

Auch im Autohaus Figl werden Elektroautos verkauft. „E-Fahrzeuge haben sicherlich ihre Berechtigung“, sagt Markus Figl. In der Technologie seien große Fortschritte gemacht worden, hält der Chef des Neulengbacher Autohauses fest. Er geht aber davon aus, dass der Anteil an E-Mobilen nicht mehr als 15 Prozent ausmachen wird. „350.000 Neufahrzeuge werden in Österreich pro Jahr insgesamt verkauft, mehr als 15 Prozent wird der E-Markt in den nächsten fünf Jahren nicht einnehmen. Dazu müsste die Infrastruktur mehr ausgebaut werden.“

Kunden, die im Autohaus Figl ein E-Fahrzeug gekauft haben, seien äußerst zufrieden, hält der Autohaus-Chef fest: „Die Leute sind happy. Die Fahrzeuge sind unproblematisch und wenig fehleranfällig.“ Außerdem gäbe es lukrative Förderungen, betont Markus Figl, sowohl für Private als auch für Kommunen.

Für Werkstätten sei die E-Mobilität durchaus eine Herausforderung: „Das ist mit massiven Investitionen verbunden, weil man E-Tankstellen und eine spezielle Infrastruktur braucht. Man muss sich mit dem Energieanbieter zusammensetzen, damit man auch die notwendigen Kapazitäten hat“, berichtet Figl. Er ist sich nicht ganz sicher, ob Elektro-Fahrzeuge das Gelbe vom Ei sind. Großes Potential sieht er im Wasserstoffbereich. Alternative Antriebe hätten auf jeden Fall ihre Berechtigung, das gelte aber auch für Benzin- und Dieselfahrzeuge, hält Markus Figl fest.

Ende 2018 rollten im Bezirk St. Pölten 530 E-Autos über die Straßen, bis Anfang Juni waren es um 77 mehr. In der Stadt St. Pölten ist in dem Zeitraum die Zahl der Elektro-Automobile von 286 auf 327 gestiegen.

Matthias Zawichowski, Geschäftsführer der Klima- und Energiemodellregion Elsbeere Wienerwald ist überzeugt, dass sich die Mobilität der Zukunft sich vielfältig gestalten wird und dass Elektromobilität eine zentrale Rolle einnehmen wird: „Alleine die physikalische Tatsache, dass ein Elektromotor einen viel höheren Wirkungsgrad im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor bietet, muss uns zum Denken veranlassen.“

„Weiters achten wir auch in der Region darauf, dass es Stromtankstellen geben muss, wo sehr rasch Strom in das Auto fließen kann“

Größte Bedeutung habe die Stromherkunft für die Elektromobilität. Der Strom dürfe ausschließlich aus erneuerbaren Quellen stammen, also aus Wind, Sonne oder Wasser. „Weiters achten wir auch in der Region darauf, dass es Stromtankstellen geben muss, wo sehr rasch Strom in das Auto fließen kann“, hält Zawichowski fest. Solche Schnellladestationen gibt es etwa beim Billa in Neulengbach oder auf der Autobahnraststätte in Altlengbach.

In der Region Wienerwald wird auch auf das Auto-Teilen gesetzt. Vorreiter war hier der Verein „ElektroMobil Eichgraben“, der im September 2015 den Testbetrieb gestartet hat und sich gut etabliert hat. Ehrenamtliche Fahrer bringen die Vereinsmitglieder innerhalb von Eichgraben zum Einkaufen, ins Kaffeehaus, zum Arzt oder zur Gemeinde. Das Modell hat in der Region und darüber hinaus bereits etliche Nachahmer gefunden. Im Laabental wird im Herbst ein derartiges Modell gestartet. Auch in der Stadtgemeinde Neulengbach laufen die Vorbereitungen für ein E-Car-Sharing-Projekt.

Mit fahrvergnügen.at ist ein weiterer Mobilitätsverein in der Region tätig, der niederösterreichweit carsharing mit Elektroautos anbietet.

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