Frauen in der Politik: „Vielfalt an Erfahrung nutzen“. Drei Ortschefinnen gibt es in der Region, Männern gegenüber benachteiligt fühlen sie sich nicht.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 05. März 2019 (03:17)
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Gemeinderat Wolfgang Paris bei der Angelobung von Irmgard Schibich.

Drei Bürgermeisterinnen gibt es in den acht Gemeinden der Wienerwald Initiativ Region: Karin Winter, Katharina Wolk und Irmgard Schibich. Männern gegenüber benachteiligt fühlt sich keine von ihnen: „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich es schwerer habe als ein Mann. Das Bürgermeisteramt bringt heikle Situationen mit sich, aber das betrifft Frauen und Männer gleichermaßen,“ sagt etwa die Innermanzingerin Irmgard Schibich, mit 38 Jahren die jüngste Bürgermeisterin in Niederösterreich. „Ich sehe keine Vorbehalte gegen mich als Frau, weder von den Bürgern, noch von den Kollegen“, sagt auch die Asperhofener Ortschefin Katharina Wolk.

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Alle drei Ortschefinnen sind aber der Ansicht, dass Frauen anders arbeiten als Männer. „Frauen bringen mehr Gefühl in das Ganze“, meint Karin Winter, seit elf Jahren Bürgermeisterin in Maria Anzbach. Und Katharina Wolk sagt: „Bei Frauen spielt der soziale Aspekt eine größere Rolle. Sie hinterfragen manche Dinge mehr.“ Ein Unterschied sei auch, dass sich Männer besser vernetzen, so Wolk.

Eine, die die Vernetzung von Frauen vorantreibt, ist Beate Raabe-Schasching: Sie gründete das Neulengbacher Frauennetzwerk, eine Initiative zur gegenseitigen Unterstützung von Frauen. Die Neulengbacherin blickt auf eine langjährige Polit-Karriere zurück: Sie wurde 1999 SP-Nationalratsabgeordnete, war Neulengbacher Parteichefin und ist jetzt Stadträtin.

Die politische Tätigkeit sei nicht immer einfach gewesen, bekennt sie: „Innerparteilich musste ich mich durchkämpfen. Ich denke das geht allen so, die mit viel Idealismus und hohen Zielen in die Politik gehen. Da stößt man schnell an Hürden und Verhinderer, aber ich bin eine zähe Natur und verfolge langfristige Ziele.“ Auf die Frage, was sich mit der Zeit in der Politik geändert hat, antwortet die Neulengbacherin: „Die Geschwindigkeit mit der Lösungen einfordert werden. Und die Unverfrorenheit und Brutalität, mit der vor allem über die sozialen Medien mit Andersdenkenden umgegangen wird.“

Von einem „Durchkämpfen“ will Maria Rigler nicht sprechen, eine Anstrengung sei es aber schon, Stadträtin zu werden, sagt die Neulengbacher VP-Politikerin, die seit 2015 im Gemeinderat aktiv ist und sich mehr Frauen in der Politk wünscht. Es gehe nicht darum, ob Frauen oder Männer etwas besser können. Es gehe darum, ob alle die Möglichkeit haben sich in politische Entscheidungen einzubringen. „Das ist wichtig, weil Frauen und Männer unterschiedliche Erfahrungen mitbringen. Diese Vielfalt an Erfahrungen gilt es zu nutzen, wenn es darum geht, welche Schwerpunkte in der politischen Arbeit gesetzt werden sollen und wohin finanzielle Mittel fließen.“

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