Neues Jugendgesetz: „Vorglühen nicht zu verhindern“. Lokalbetreiber und Festveranstalter sind auf die Änderungen eingestellt, Problem sehen sie aber bei der Kontrolle.

Von Beate Riedl und Lisa Röhrer. Erstellt am 03. Januar 2019 (03:42)
KFV

Marcel ist 17. Wenn er mit seinen Freunden Stefan und Tobias (beide 18) um die Häuser zieht, wird er auf sein Cappy Wodka und seine Zigaretten jetzt verzichten müssen, denn mit 1. Jänner 2019 ist das neue Jugendgesetz in Kraft, das den Konsum von Spirituosen und Zigaretten erst ab 18 – und nicht wie bisher ab 16 Jahren – erlaubt.

Mit der neuen Gesetzeslage vertraut machen sich Festveranstalter und Lokalbetreiber. So wird die Feuerwehr, die während des ganzen Jahres Bälle und Feste veranstaltet, laut Bezirkskommandant der Feuerwehr Georg Schröder „die Kontrollmechanismen an das neue Gesetz anpassen.“ Bei Feuerwehrfesten wird das schon seit Jahren mit verschiedenartigen Bändern um das Armgelenk und einem Sicherheitsdienst geregelt.

„Wie man sich die Kontrollen beim Rauchen vorstellt, wenn die Unter-18-Jährigen ihre eigenen Zigaretten mithaben, muss mir wer erklären.“

„Bisher wurde an Unter-16-Jährige nichts Hochprozentiges verkauft. In Zukunft betrifft das eben auch die Unter-18-Jährigen. Aber mit keinem Gesetz wird man das sogenannte Vorglühen verhindern können. Hier ist jeder Fest-Veranstalter machtlos“, weiß der Bezirkskommandant, für den der Jugendschutz hohe Priorität hat. Schröder sieht die Schwierigkeit bei der Kontrolle: „Wie man sich die Kontrollen beim Rauchen vorstellt, wenn die Unter-18-Jährigen ihre eigenen Zigaretten mithaben, muss mir wer erklären.“

Kontrollen kündigt man jedoch bei der Landespolizeidirektion (LPD) an. Polizisten werden, so Raimund Schwaigerlehner, in Uniform, aber auch in Zivil, in Lokalen unterwegs sein. „Sollten wir Unter-18-Jährige mit hochprozentigem Alkohol oder Zigaretten antreffen, wird ihnen das abgenommen und der Behörde vorgelegt“, erklärt Schwaigerlehner von der LPD. Auch die Lokal-Betreiber werden unter die Lupe genommen: „Wenn uns auffällt, dass Jüngere betrunken sind, werden wir auch hinterfragen, woher sie den Alkohol haben“, ist man bei der LPD entschlossen.

Streng an das Jugendgesetz wird sich weiterhin auch Till-Betreiber Christian Brandstetter halten, wie er selbst sagt. Dieses Gesetz betreffe ihn allerdings nur ein Mal im Monat, da Till-Besucher mindestens 18 Jahre sein müssen, außer beim „next generation club“, da ist der Eintritt ab 16 Jahren erlaubt. „Da haben wir dann auch im Raucherbereich absolutes Rauchverbot, und Spirituosen gibt es dann auch ebenso ab 18 Jahren“, erklärt Brandstetter. Und er fügt hinzu, dass die Raucher ohnehin weniger werden und die Toleranz, nur im Raucherbereich zu rauchen, zu 100 Prozent da sei.

„Einerseits darf man mit 16 Jahren wählen gehen, andererseits wird man teilentmündigt. Den Jugendlichen wird gesagt, was sie tun dürfen und was nicht.“

Unter- und Über-18-Jährige bekommen an diesem „FSK 16“-Tag rote oder grüne Bänder, damit beim Getränkeverkauf unterschieden werden kann. Brandstetter steht der Gesetzesänderung etwas skeptisch gegenüber: „Einerseits darf man mit 16 Jahren wählen gehen, andererseits wird man teilentmündigt. Den Jugendlichen wird gesagt, was sie tun dürfen und was nicht.“ Von der wirtschaftlichen Seite werde die Änderung das Till Eulenspiegel in Neulengbach nicht betreffen, allerdings würden die Jugendlichen dann das, was ihnen öffentlich verboten wird, eben geheim machen, so Brandstetter.

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