Zukunft der Landwirtschaft: „Wird einem nix geschenkt“. Wetterkapriolen, Preisdruck, Probleme mit Nachfolgern. Wie geht es den Bauern in der Region?

Von Renate Hinterndorfer und Christine Hell. Erstellt am 22. Oktober 2019 (03:53)
Stoiser
Der erste Markttag des Wochenmarkts in Eichgraben wurde gut angenommen: Rudolf Bambas, Manfred Schneider, Anton Rohrleitner, Bürgermeister Georg Ockermüller, Ingrid Nemeth, Franz Galdberger, Karmen Wandl und Ernst Bernt (v.l.).

„Die Zukunft sieht nicht rosig aus auf den Bauernhöfen, es ist direkt erschreckend, was sich da abspielt, und viele bekommen das gar nicht mit“, sagt Ingrid Hickelsberger. Sie bewirtschaftet mit ihrem Mann Gerhard einen Milch- und Mastviehbetrieb in Hub bei St. Christophen. Die Versorgung der Rinder sei mühsam, sagt die Bäuerin. Sie schätzt die Arbeit mit den Tieren und in der Natur. Nur die vielen Einsatzstunden dürfe man nicht zusammenzählen, sagt Hickelsberger: „Die Jungen tun sich das viele Arbeiten, wie wir es noch tun, nicht mehr an. Und die Doppelbelastung durch Zuverdienst mit einem Nebenerwerb schon gar nicht.“

„Die Jungen tun sich das viele Arbeiten, wie wir es noch tun, nicht mehr an"

In einigen Jahren steht der Pensionsantritt der beiden St. Christophener Bauern an, die Nachfolge ist noch nicht geordnet. Nachfolgeprobleme gäbe es in vielen bäuerlichen Betrieben, ein großes Problem seien auch die zu den niedrigen Erzeugerpreisen und der Klimawandel: „Die letzten beiden Sommer mit extremer Hitze führten zu Ertragsausfällen und zu Engpässen für Viehfutter. Da kann man nur Vieh verkaufen oder Futter zukaufen.“

Bezirksbauernratsobmann Michael Göschelbauer, Landwirt in Altlengbach, sieht vor allem den immer größer werdenden Einfluss des Weltmarkts als Problem für die bäuerlichen Betriebe: „Das ist für die Landwirtschaft in Österreich nicht unbedingt förderlich. Der Stärkere, der es sich leisten kann, kommt an die Sachen, das ist problematisch.“

In der Landwirtschaft werde einem nichts geschenkt, es sei nicht einfach, alle Herausforderungen zu bewältigen. Göschelbauer ortet aber dennoch Interesse an der Landwirtschaft: „Es gibt viele junge, motivierte Leute und tolle Sachen an den landwirtschaftlichen Fachschulen.“ Kritisch sieht Göschelbauer, dass viele Bauern auf biologische Landwirtschaft umstellen, obwohl die Vermarkung schwierig sei.

Auf die Vermarktung regionaler Produkte wird in Eichgraben verstärkt gesetzt: Dort gab es schon lange den Wunsch nach einem Wochenmarkt, und jetzt wird der Wunsch erfüllt: Ab sofort kann man jeden Donnerstag von 14.30 bis 18 Uhr bei der Alten Gärtnerei Gemüse, Mehlspeisen, Käse und Honigprodukten einkaufen. „Das Angebot soll laufend erweitert werden. Ziel ist eine regionale Produktpalette, die im besten Fall den Wocheneinkauf abdecken kann“, erklärt Bürgermeister Georg Ockermüller.

Rund 3.097 landwirtschaftliche Betriebe gab es im Bezirk St. Pölten bei der letzten Erhebung 2010, davon 227 Biohöfe. Die Biobetriebe sind laut Landwirtschaftskammer im Steigen begriffen.

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