„Wir prüfen Energie-Alternativen“: Anzbachs Ortschefin im Interview

Erstellt am 11. August 2022 | 05:55
Lesezeit: 6 Min
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Seit 2008 ist Karin Winter Bürgermeisterin der Gemeinde Maria Anzbach. Sie wollte schon vor einiger Zeit eine Initiative für Energie-Alternativen starten: „Das Interesse war damals nicht gegeben.“
Foto: Hinterndorfer
ÖVP-Bürgermeisterin Karin Winter sprach über Energie, Finanzen und ihre Hoffnung, dass der Egoismus abnimmt.

NÖN: Die Energiewende ist derzeit ein großes Thema. Welche Pläne gibt es da in Maria Anzbach?

Karin Winter: Wir sind gerade dabei, uns anzuschauen, wie es mit der Energieversorgung ausschauen könnte. Es wird geprüft, ob Hackschnitzel oder andere Alternativen wie Tiefenbohrungen denkbar sind. Im Gemeinderat haben wir dazu einen Grundsatzbeschluss gefasst. Ich wollte bereits vor einiger Zeit eine Initiative für ein Heizwerk starten, aber nachdem Gas vorhanden war, war das Interesse dafür leider nicht gegeben. Jetzt wird das sicher wieder ein Thema. Wir veranstalten im Herbst auch einen Energietag, bei dem es Informationen zum Thema Energiesparen geben soll. Wir hoffen, dass sich da auch Gewerbetreibende beteiligen, die die Menschen informieren.

Für welchen Bereich wäre ein Fernheizwerk denkbar?

Winter: Das wäre angedacht im Bereich des Zentrums bis zum Feuerwehrhaus und zum Ortsende. Da könnten auch einige Wohnblöcke größere Abnehmer sein. Wir schauen, ob es da Interesse gibt.

Wann wird man da mehr wissen?

Winter: Ich hoffe, dass wir bei der nächsten Gemeinderatssitzung schon mehr sagen können.

Beim Wohnbau steigen viele Gemeinden auf die Bremse. Wie ist das in Maria Anzbach?

Winter: Wir haben die Bauplatzgrößen und die Anzahl der Wohneinheiten reduziert. Wir hoffen, dass wir damit den großvolumigen Wohnbau eingedämmt haben. Aber wir fürchten, dass Wohnbaugenossenschaften Schlupflöcher finden.

Der Ausbau der Schule hat die Gemeinde schon länger beschäftigt. Wie geht es da weiter?

Winter: Ein Zubau für die Schule und für die Kleinkinderbetreuung war immer ein Thema. Aber nachdem die Gemeinde in Unter-Oberndorf ein Grundstück für zwei Kindergartengruppen und zwei Gruppen für die Kleinkinderbetreuung gekauft hat, wird es keine Erweiterung der Schule geben, weil die Schülerzahlen zurückgehen. In der Schule werden jetzt nur Ausbesserungsarbeiten gemacht.

Gibt es einen Zeitplan für das Projekt in Unter-Oberndorf?

Winter: Nein. Wir müssen schauen, wie sich die Kostenexplosion auswirkt, das ist ja nicht lustig. Wir werden bald einen Termin auf der Bezirkshauptmannschaft haben, da wird zunächst der Raumbedarf festgestellt. Dann können wir mit dem Architekten mit der Planung beginnen.

Was wäre der Wunsch, wann das Projekt realisiert werden soll?

Winter: Der Wunsch wäre, dass wir 2023 beginnen können und 2024 fertig werden. Aber schauen wir einmal . . .

Der Standort Unter-Oberndorf kommt gut an?

Winter: Unter-Oberndorf ist die zweitgrößte Katastrale. Es macht Sinn, dass dezentralisiert wird und nicht alles in Maria Anzbach stattfindet.

Die Umstellung auf neue Hausnummern ist derzeit im Gang. Gibt es da viele Beschwerden von Bürgern?

Winter: Ja, da gibt es durchaus Beschwerden. Aber wir machen das aus Sicherheitsgründen. Wir haben aus anderen Gemeinden schon gehört, dass die Rettung zu spät zu Patienten gekommen ist, weil sie eine Adresse nicht gefunden hat. Diesem Vorwurf wollen wir uns nicht aussetzen. Man muss schauen, dass man ein gescheites System hat. Ab September werden die neuen Tafeln montiert. Bis Jahresende sollte alles abgeschlossen sein.

Beschwerden hat es immer wieder auch zum Bau einer neuen Bahnstation in Maria Anzbach und zur Auflassung der zwei anderen Haltestellen gegeben. Wie sehen Sie das?

Winter: Einwände wird es immer geben. Es ist ja nicht lustig, wenn zwei Stationen zugesperrt werden. Aber das haben uns wir als Gemeinde nicht ausgesucht. Das war ein Beschluss der ÖBB.

Im Kloster Stein ist die Bruderschaft eingezogen. Läuft da alles gut?

Winter: Ja, die Leute der Bruderschaft integrieren sich und bemühen sich, sich überall zu beteiligen. Ein Mann ist zur Feuerwehr gegangen, viele haben bei der Müllsammelaktion mitgemacht. Sie fügen sich wirklich ein.

Mit dem Restaurant Hubauer hat die Gemeinde Maria Anzbach ein alteingesessenes Lokal verloren. Wie steht‘s um die Gastronomie im Ort?

Winter: Ich denke, dass wir kulinarisch ganz gut aufgestellt sind. Wir haben den Griechen, die Mühle, das Anzbachstüberl, die Wienerwaldstube, das Gasthaus am Buchberg, das Dorfcafé. Natürlich hoffe ich, dass sich für das Restaurant Hubauer ein Pächter findet, der wieder gutbürgerliche Küche anbietet und auch Veranstaltungen durchführt. Aber das liegt nicht in unserem Einflussbereich.

In Maria Anzbach war ein halbes Jahr die Kassenstelle für Allgemeinmedizin nicht besetzt. Hat es da viele Beschwerden gegeben?

Winter: In dem halben Jahr hat es etliche Beschwerden von Bürgern gegeben. Jetzt freuen sich die Leute, dass wir wieder eine ärztliche Versorgung haben. Es war ein recht schwieriges Projekt, aber es ist zu einem guten Ende gekommen. Es ist sich auf den letzten Drücker alles ausgegangen. Gott sei Dank hat mit den Firmen alles geklappt.

Ärzte für Kassenpraxen zu finden ist ja nicht einfach, wie hat das in Maria Anzbach geklappt?

Winter: Ich habe vor einigen Jahren zufällig Frau Doktor Steirer im Firlefanz kennen gelernt. Wir sind ins Reden gekommen. Sie hat gehört, dass wir auf Arztsuche sind. Dann hat der Zeitpunkt gepasst.

Die Gemeinde hatte 130.000 Euro für die Errichtung der Ordination im Budget. Ist sich das ausgegangen?

Winter: Wir haben noch nicht alle Abrechnungen, aber es wird sich ausgehen.

Die Krise wirkt sich auch auf die Gemeinden aus. Haben Sie schlaflose Nächte wegen der Finanzen?

Winter: Die Krise trifft jeden. Geld fehlt immer. Und es gibt immer Themen, die einen nicht schlafen lassen. Aber wir sind immer auf der sparsamen Schiene. Wir sparen immer einen Großteil des Geldes an, bevor wir ein Projekt starten.

Wird man Projekte in der Gemeinde Maria Anzbach zurückstellen müssen?

Winter: Was notwendig ist, muss man machen. Wenn Löcher in der Straße sind, muss man sie ausbessern, auch wenn das teuer ist.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?

Winter: Dass der Egoismus in der Gesellschaft wieder abnimmt und das Positive wieder überwiegt. Momentan sind die Menschen sehr ich-bezogen – in jeder Hinsicht. Und ich wünsche mir, dass wieder Frieden einkehrt.