Wienerwaldklubs ohne Sorge. Die Anzahl der Fußballvereine hat in diesem Jahr einen historischen Tiefststand erreicht.

Von Claus Stumpfer und Romeo Felsenreich. Erstellt am 23. Juli 2019 (01:27)
Felsenreich
Maria Anzbach ist nach dem Vorstandswechsel vergangenes Jahr wieder in sicherem Fahrwasser angekommen.

Zehn Fußballvereine zogen heuer die Reißleine und stellten den Spielbetrieb in Niederösterreich ein. Vereine in der Region Wienerwald sind zum Glück nicht betroffen, aber auch hier tümpeln bis auf den ATSV Schönfeld alle Vereine seit Längerem in der 2. Klasse Traisental herum. Nur die Frauen des SV Neulengbach sind weiterhin das große Aushängeschild als beständiges Team in der höchsten österreichischen Spielklasse.

NÖN
- Seit 1911 gibt‘s organisierten Fußball in Niederösterreich unter dem Dach des NÖ-Verbandes. Aktuell sind 503 Vereine Mitglieder des NÖFV.
- Der Höchststand datiert aus dem Jahr 2000, als rund 60.000 Kicker in 523 Klubs am Ball waren. Zur Zeit sind es rund 57.000 aktive Fußballer bei den blau-gelben Klubs.
- Rückgang bei den Frauen: Waren 2015 noch 78 weibliche Teams im Meisterschaftsbetrieb, sind‘s heuer nur mehr 63.

„Ohne unsere Damen könnten wir das Wienerwaldstadion auf diesem Niveau gar nicht weiterbetreiben“, weiß aber auch Obmann Thomas Wirnsberger um die Bedeutung von Fußball auf höherem Niveau, um das wirtschaftliche Überleben garantieren zu können.

NOEN
Thomas Wirnsberger übernahm die Obmannschaft inNeulengbach als Quereinsteiger.

Verhandlungen mit dem SK Rapid Wien über eine Spielgemeinschaft bei den Frauen sind vor allem auch wegen der Standortfrage bisher im Sande verlaufen. Denn ein Wechsel des Spielorts kommt für die Neulengbacher einfach nicht in Frage.

Wirnsberger hat vor rund drei Jahren bei den Neulengbachern das Obmannamt als Quereinsteiger übernommen. Von den Einheimischen wollte sich die Aufgabe niemand antun.

Zwei tragische Todesfälle — Langzeitobmann Bruno Mangl, der aber bereits zuvor zurückgetreten war und Walter Begusch, der von Mangl übernommen hatte — waren ausschlaggebend, dass Pepi Zenleser als sportlicher Leiter für zwei Jahre auch interimistisch die Obmann-Agenden mitübernehmen musste. Dann konnte Wirnsberger überredet werden.

Mittlerweile hat sich der Gußwerker (Mariazellerland) Wirnberger, der als Vater einer Juniorspielerin erst kurz vorher zum Verein gekommen war, blendend eingearbeitet. Die Gefahr des Zusperrens, die mehrere Jahre bestanden hatte, wurde von Wirnsberger längst gebannt und mittlerweile kann man auch bei den Herren wieder Aufstiegsträume hegen.

„Während die Vorgaben und Anforderungen an die Vereine immer größer werden, tun wir uns alle immer schwerer, Leute zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren“

Neulengbachs sportlicher Leiter Walter Buchberger glaubt auch nicht, dass im Wienerwald irgendein Klub akut von einer Klubauflösung bedroht ist, warnt aber davor, sich in Sicherheit zu wiegen. „Während die Vorgaben und Anforderungen an die Vereine immer größer werden, tun wir uns alle immer schwerer, Leute zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren.“

Turbulenzen gab es einst auch beim SV Maria Anzbach. Nachdem die Fans eine Fusion mit dem SV Neulengbach in der 2. Landesliga vergeblich bekämpft hatten — die Lizenz für oben hatte sich übrigens Maria Anzbach damals erkämpft — wurde der Klub sofort in der 2. Klasse neu gegründet und hat mittlerweile einen Aufstieg samt sofortigem Wiederabstieg hinter sich.

„Als wir den Verein übernommen haben, war es uns wichtig, dass die Last nicht mehr nur auf wenigen Schultern verteilt ist“, erzählt der sportliche Leiter Markus Gürtler. „Aktuell sind wir auf Funktionärsebene sehr gut aufgestellt, alle Posten sind vergeben. Leicht wird es uns als kleiner Verein aber nicht gemacht. Vor allem die neue Klasseneinteilung stellt uns vor finanzielle Herausforderungen.“

Am besten aufgestellt ist im Wienerwald derzeit der ATSV Schönfeld. Sektionsleiter Andreas Barta sagt aber auch: „Einen Verein zu führen, ist kein Zuckerschlecken. Solange die Last aber auf mehreren Schultern verteilt ist, funktioniert es.“ In Schönfeld ist man von einem Funktionärsmangel weit entfernt. Die Erfolgsdevise beim ASKÖ-Verein laut: „Wir schauen, dass wir die Leute von kleinauf an den Verein binden. Die Kinder von heute sind die Funktionäre von morgen!“

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