Tierarzt wegen übler Nachrede vor Gericht. Einem Veterinär ist illegale Schächtung ein Dorn im Auge. Einen Amtstierarzt rückte er ins schiefe Licht und landete vor Richter.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 01. Februar 2019 (05:35)
shuterstock.com/ Evlakhov Valeriy

Ein Vorreiter im Kampf gegen das Tierleid ist ein Veterinärmediziner aus dem Wienerwald. Besonders gegen illegale Schächtungen in Hinterhöfen setzt er sich vehement ein. Untätigkeit hingegen warf er einem Amtstierarzt in einem Brief an die Bundesregierung und im Internet in Zuge einer Kampagne vor. Nun sitzt er vorm Richter.

Die Schreiben habe der Angeklagte verfasst, „um zu mobilisieren und auf die Politik Druck auszuüben“. Nicht gewillt, etwas gegen illegale Schächtung am Hof eines Landwirten im Wienerwald zu unternehmen, unterstellte er laut Anklagebehörde dem Amtstierarzt. Zu feige wäre dieser, um seinen Befugnissen nachzugehen. Weil sich der Amtstierarzt gar nicht zu so einem Massaker hintraue, habe dieser ihm anvertraut.

„Wenn Missstände herangetragen werden, bin ich zum Einschreiten verpflichtet“, erklärt der Amtstierarzt im Prozess am St. Pöltner Gericht. Ob er dem Angeklagten mitgeteilt hat, dass er nicht kontrollieren wolle, weil er Angst habe? „So ein Gespräch hat es nicht gegeben.“

Ob übler Nachrede bietet der Richter dem Tierarzt Diversion an. 80 Stunden gemeinnützige Leistung muss er erbringen, dann kann das Verfahren gegen ihn eingestellt werden. Damit ist der Tierarzt einverstanden. „Der Angeklagte hat heute einen vernünftigen Eindruck gemacht“, begründet der Richter. Für die Zukunft warnt er: „Ich sehe Rückfallsgefährdung, weil beim Tierschutz sind sämtliche Emotionen im Spiel.“