72 Frauen zeigen in der Politik, wie es geht. Die emotionalen Sichtweisen der Frauen erweitern die Kopf-Entscheidungen der Männer.

Von Thomas Weikertschläger und Karin Widhalm. Erstellt am 06. März 2019 (04:50)
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Um in die Politik zu gehen brauche man aber starken Rückhalt von Partner und Familie, meint Birgit Schrottmeyer (SPÖ)

Frauen stehen dieser Tage im Mittelpunkt. Nicht der Muttertag, sondern das Jubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht“ und der Internationale Frauentag am 8. März werden begangen. Die NÖN blickt auf jene Frauen, die heute im Bezirk aktiv Politik machen.

Eine Bürgermeisterin & neun Vizebürgermeisterinnen

72 Mandatarinnen sind in den Gemeinden des Bezirks politisch aktiv, davon eine Bürgermeisterin (Elisabeth Allram in Brunn) und neun Vizebürgermeisterinnen. Mit einer Frauenquote von 45 Prozent bei den Vizebürgermeisterinnen steht der Bezirk Horn landesweit sogar an der Spitze, bei den Bürgermeisterinnen (5 Prozent) und den Gemeinderätinnen (18,7 Prozent) hat der Bezirk aber noch großen Aufholbedarf.

Als möglichen Grund für dieses Missverhältnis ortet die Horner Grünen-Politikerin Cordelia Lachmann ein „noch antiquiertes Frauenbild in unserer ländlichen Region“. Dabei könnten Frauen mit anderen Lösungsansätzen viel zur Bewältigung von Problemen beitragen, wie Lachmann und auch die Eggenburger SPÖ-Stadträtin Birgit Schrottmeyer meinen. Um in die Politik zu gehen brauche man aber starken Rückhalt von Partner und Familie, meint Schrottmeyer.

Quelle: Land NÖ, Abteilung Gemeinden; Illustration: Vitaly Art/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Für Lachmann ist bei den Grünen die Gleichberechtigung von Frauen gelebte Praxis. Auch bei anderen Parteien habe es – abgesehen von gelegentlichen „Querschlägern“ – eine Bewusstseinsänderung hinsichtlich Akzeptanz von Frauen in der Politik gegeben. Auch NEOS-Bezirkssprecherin Katharina Riederer sieht ihre Partei hier in der Vorreiterrolle, in anderen Parteien sei es für Frauen aber nach wie vor schwierig, Fuß zu fassen: „Es ist traurig, dass wir über dieses Thema überhaupt noch reden müssen“, sagt Riederer, die ihren Schritt in die Politik nicht bereut hat.

Schrottmeyer hofft indes, dass es nicht weitere 100 Jahre dauert, bis nicht mehr über Quoten geredet werden müsse, sondern dass es selbstverständlich sei, dass Frauen – die mehr als 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen – auch in der Politik entsprechend repräsentiert sind.

Reinen Männer-Gemeinderat in Burgschleinitz-Kühnring

Als einzige Gemeinde hat Burgschleinitz-Kühnring einen reinen Männer-Gemeinderat. Dass sich das nach der nächsten Gemeinderatswahl ändert, hofft Bürgermeister Leopold Winkelhofer. Er sei einem „Mix“ im Gemeinderat gegenüber aufgeschlossen: „Mit Themen wie Schule oder Kindergarten können Frauen sicher besser umgehen“, sagt Winkelhofer, der schon einige Frauen wegen Mitarbeit im Gemeinderat angesprochen hat, dabei aber öfter die Aussage hört: „Wenn sich eine zweite findet, ist’s schon leichter. Ich bin ja sonst allein“, so der Gemeindechef.

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