Politik: „Frauen, traut euch einfach“. Um den Frauenanteil zu erhöhen, brauche es familienfreundliche Rahmenbedingungen und positive Motivation.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 06. März 2019 (04:36)
Marktgemeinde Vösendorf
Bürgermeisterin Andrea Stipkovits

Biedermannsdorfs Bürgermeisterin Beatrix Dalos, VP, ist eine von zwei Ortschefinnen im Bezirk. „Natürlich musste ich am Anfang beweisen, dass ich meine Frau stellen kann, vor allem auch den Männern gegenüber.

Aber die eigentliche Herausforderung ist, du hast die Kinder, du hast den Haushalt, wenn du am Sonntag zum Stammtisch gehst, dann wird gemunkelt, hat die denn nichts anderes zu tun?“, sagt Dalos über den Spagat zwischen Politik, Haushalt und Familie. Um diesen zu schaffen, sei es notwendig, sich auf sein Team, ob zuhause oder auf der Gemeinde, verlassen zu können.

Quelle: Land NÖ, Abteilung Gemeinden; , Illustration: Vitaly Art/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Die Brunner Landtagsabgeordnete Indra Collini, NEOS, wollte nicht mehr „einfach nur zuschauen. Ich bin Mutter, ich habe Kinder, ich will, dass es meinen Kindern auch noch gut geht“. Sie hat schon in der Wirtschaft bewiesen, dass sie etwas bewegen kann. Trotzdem: „Ich glaube, dass Frauen grundsätzlich mehr leisten müssen als Männer, um auf der Karriereleiter voranzukommen. Doch die Belastungen für Frauen in Politik und im Arbeitsleben sind trotzdem groß. Auch wenn man noch so einen engagierten Partner hat, es bleibt ganz viel an den Mamas picken.“

Die zweite Bürgermeisterin im Bezirk, Andrea Stipkovits, SP, aus Vösendorf, erklärt: „Mehr Bürgermeisterinnen würden dem Bezirk guttun, denn Frauen bringen einen neuen Blickwinkel auf so manches Thema ein.“

„Das ist wie eine Stellenausschreibung“

ÖVP-Bundesrätin Marlene Zeidler-Beck rät den Frauen, sich „zu trauen. Das ist wie eine Stellenausschreibung. Die Frauen lesen und meinen, sie würden einen der geforderten Punkte nicht bringen. Männer bewerben sich trotzdem, Frauen muss man dazu ermutigen“.

SPÖ-Bezirksfrauenvorsitzende Gaby Steiner aus Brunn setzt auf Frauensolidarität, auch wenn diese heutzutage mehr über soziale Medien als persönliche Treffen organisiert wird. „Ich brauche nur zu schauen, wie stark frequentiert die ,Tafel’ in Brunn wird. Menschen kommen, die sich trotz eines Einkommens keine Lebensmittel mehr leisten können. Das bestärkt mich, weiterhin für Frauen und Familien zu kämpfen.“

Nationalrätin & Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek, SP, aus Guntramsdorf ist ebenfalls in die Politik gegangen, „um etwas verändern zu können, auch auf Gemeindeebene. Auf kommunalpolitischer Ebene gibt es immer noch wenige Frauen. Es ist wichtig, auch Frauen außerhalb der Parteizirkel anzusprechen und zum mitmachen in der Gemeindearbeit zu bewegen. Ich kann hier als Beispiel das Kassandra-Netzwerk nennen, das funktioniert wunderbar“.

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