20 Jahre Euro: „Erleichterung für den Handel!“

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:31
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Wirtenlegende, Firmenchef und Banken sprachen mit der NÖN über die große Währungsumstellung.

Es ist nur ein kurzer Griff in das Regal und schon hat Neunkirchens Bräuhauswirt Hans Bauer die gesuchte Mappe in der Hand: In der sich die Speisekarten seines Lokals befinden, als noch mit Schillingen bezahlt wurden.

Passend zur bald bevorstehenden Fastenzeit präsentiert er eine vom Heringsschmaus, die bereits mehr als 30 Jahre am Buckel hat. Um 72 Schillinge oder 5 Euro gab es damals den Zander, für den Karpfen mussten 60 Schillinge auf den Tisch gelegt werden, aktuell ist er um 14,90 Euro zu haben. Sentimental wandert der Blick zur Schwarzwälderkirschtorte: Wohlfeile 15 Schilling oder knapp ein Euro kostete die begehrte Süßigkeit, heute ist sie um 4,50 Euro zu haben.

„Es gab Schulungen zur neuen Währung und Anschauungsstücke.“

„Vor allem die älteren Menschen haben sich bei der Umstellung gesorgt, dass ihnen am 20. des Monats schon das Geld ausgehen könnte“, erinnert er sich an die Währungswende. Beruflich sei man gut vorbereitet worden: „Es gab Schulungen zur neuen Währung und Anschauungsstücke.“ Mittlerweile laufe alles problemlos, allerdings ertappe sich die Wirtelegende manchmal selbst, größere Eurobeträge noch in Schillinge umzurechnen.

In den Augen von Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Peter Prober funktionierte die Umstellung von Schilling auf Euro „sensationell gut.“ Als Optimist habe er sich auf den Währungswechsel gefreut, „wenn auch mit einem weinenden nostalgischen Auge“, wie er zugibt. Befürchtungen, die es vor der Währungsumstellung gab, wurden laut dem Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden nicht wahr: „Den ‚Teuro‘ habe ich nur gelegentlich am Anfang wahrgenommen, zur Dauereinrichtung ist er marktbedingt nicht geworden. Das Bargeld ist auch erhalten geblieben und wird uns erfreulicherweise bleiben.“ Ob er selbst noch in Besitz von Schilling ist? „Ja, ich habe mir je einen ‚druckfrischen‘ 20er und 50er und ein paar Münzen aufgehoben, damit ich das einmal meinen Enkelkindern zeigen kann.“

„Euro ist starkes Symbol für die Einigung“

Die Hoffnungen, die vor 20 Jahren in den Euro gesteckt wurden, haben sich für Raiffeisenbank Schneebergland-Geschäftsführer Meletios Kujumtzoglu erfüllt: „Die Währung ist stabil, es gab bisher eine niedrige Inflation, ein hohes Wachstum und steigende Exporte“, zählt er nur ein paar Erfolge des Euros auf. Für ihn setzt die einheitliche Währung aber noch ein ganz anderes Zeichen: „Der Euro ist ein starkes Symbol für die europäische Einigung und unterstützt den einfacheren Warenaustausch in Europa.“

Große Erleichterung im internationalen Handel

Für Günther Kautz, Geschäftsführer der Neunkirchner Firma FWT Composites & Rolls, stellte die Umstellung auf den Euro eine enorme Erleichterung dar – im Handel und beim Reisen. „Teilweise ist es ein echtes Gegengewicht zum Dollar geworden, was man speziell im Überseehandel merkt. Verträge mit China und Japan schließen wir heute einfach in Euro ab, Schilling wäre da nie ein Thema gewesen“, so Kautz. Er kann sich auf die Umstellung vor zwei Jahrzehnten noch sehr gut zurückerinnern: „Es war irgendwie aufregend, speziell als die ersten echten Münzen ausgegeben wurden, war ein richtiger Run auf das neue Geld.“

Einer, der sich dem Sammeln von Zwei-Euro-Münzen verschrieben hat, ist der Neunkirchner Johann Spenger. „Seit es die Sonderausgaben der Münzen aus den verschiedensten Ländern gibt, hab ich zu sammeln begonnen“, erzählt er. Und das Sortiment hat bereits einen großen Umfang. So kann er Sondermünzen aus Spanien, Griechenland oder Portugal sein Eigen nennen. „Mir geht es hier nicht um den Wert der Münzen, sondern vor allem um die tollen Motive!“

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