Ab-Hof & Kreativität in der Landwirtschaft sind gefragt. Die Bauern der Region haben mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Die NÖN hörte sich im Bezirk um.

Von Tanja Barta. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:56)
Tanja Barta
Michaela (im Bild) und ihr Gatte Fritz Pruggmayer führen den Bauernhof in Peisching bereits in dritter Generation.

Bereits seit drei Generationen wird der Bauernhof der Familie Pruggmayer geführt. Derzeit bewirtschaften Fritz und Michaela Pruggmayer ihren Hof vor allem mit Milchkühen.

„Wir sind ein Kleinbetrieb mit rund 20 Kühen, haben einen Ab-Hof-Verkauf mit Milch und Eiern“, erzählt die Bäuerin. Größer wollen sie und ihr Mann den Betrieb auf keinen Fall machen, denn „die Leute schauen genau darauf, woher die Milch kommt und wollen teilweise sogar die Kühe sehen!“ Der Ab-Hof-Verkauf ist vor allem im letzten Jahr immer beliebter geworden. Sogar aus Baden finden viele den Weg nach Peisching (Stadtgemeinde Neunkirchen), um hier Milch zu kaufen. „Das Interesse an der Landwirtschaft steigt immer mehr und das freut uns natürlich“, so Michaela Pruggmayer.

„Die Landwirte müssen kreativ werden"

Doch allein vom Verkauf kann die Familie nicht leben. Mit dem Kinderbauernhof sowie zwei Milchtankstellen – eine direkt in Peisching, die andere im Spar-Markt in Neunkirchen – können sie besser wirtschaften und so auch mehr verdienen. „Die Landwirte müssen einfach kreativ werden. Man kann nicht einfach nur da sitzen und sich beschweren, dass einem vom Verkauf nichts übrig bleibt. Wir haben daher in die Milchtankstellen, die sehr gut funktionieren, und den Kinderbauernhof, investiert“, freut sich die Bäuerin, dass diese Angebote sehr gut von der Bevölkerung angenommen werden.

So werden in Peisching beispielsweise Kindergeburtstage am Bauernhof angeboten. „Wir melken die Kühe, streicheln die Kälber, reiten auf Schweinen. Das macht den Kids nicht nur viel Spaß, sondern sie lernen auch etwas dabei. Viele Kinder haben den Bezug zur Landwirtschaft komplett verloren, hier können sie ihn wieder aufbauen“, ist Pruggmayer auch die Bildung ein Anliegen.

Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Bezirk ist in den letzten zehn Jahren von 1.405 auf 1.081 gesunken – ein Minus von 324 Betrieben. Was die Qualität betrifft, könne den Landwirten aber keiner das Wasser reichen, meint Bezirksbauernkammerobmann Thomas Handler: „Wir produzieren eigentlich Ferraris. Unsere Lebensmittel werden auf höchsten Standards produziert. Der Bezirk Neunkirchen ist auch mit Direktvermarktern und Heurigenbetrieben gut ausgestattet“, freut sich Handler.

Klimawandel macht Sorgen

Sorgen machen den Bauern die Auswirkungen des Klimawandels, weiß Handler: „Da die Lebensmittelproduktion unter freiem Himmel stattfindet, ist die Landwirtschaft natürlich direkt vom Klimawandel betroffen. Auch im Jahr 2019 haben wir in manchen Gebieten im Bezirk bis zu 75 Prozent Niederschlagsdefizite laut Hagelversicherung gehabt. Die Auswirkungen sind weniger Ertrag im Ackerbaubereich bis zu totalen Ausfällen.“

Am meisten beschäftige die Landwirte aber die „unsachliche Diskussion rund um den Klimawandel“, so der Bezirksbauernkammerchef: „Die Landwirtschaft wird hier schnell als Verursacher abgestempelt.“ Eine Aussage, die so nicht stimme, ist Handler überzeugt.

Umfrage beendet

  • Ist euch beim Einkauf die Regionalität wichtig?