Aspangberg-St. Peter

Erstellt am 12. Februar 2019, 05:01

von Johannes Authried, Christian Feigl und Tanja Barta

Aspangberg-St. Peter ist seit 3 Jahren auf Arztsuche. Auch der Bezirk ist von der Misere nicht verschont: Aspangberg-St. Peter als schwarzer Fleck.

ÖVP-Bürgermeister Bernhard Brunner: „Rahmenbedingungen müssen besser werden!“  |  Grabner

Das muss man sich einmal wie eine Tablette auf der Zunge zergehen lassen: Seit 1. Jänner 2016 wird für Aspangberg-St. Peter ein praktischer Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag gesucht. Ein extremes Beispiel aus dem Bezirk Neunkirchen, das kein Einzelfall ist und einen guten Einblick in die derzeitige Problematik des Ärztemangels am Land gibt.

Bernhard Brunner, ÖVP-Gemeindeparteiobmann und Vizebürgermeister.  |  Grabner

Für ÖVP-Bürgermeister Bernhard Brunner ist klar, dass die momentanen Rahmenbedingungen, sich als junger Arzt selbstständig zu machen, ganz einfach nicht stimmen. „Klar gibt es für sie mehr Sicherheit, wenn sie in einem Krankenhaus arbeiten. Die Selbstständigkeit schreckt ab, auch bei uns“, nennt Brunner einen Grund, warum Aspangberg-St. Peter bereits seit drei Jahren auf der Suche nach einem praktischen Allgemeinmediziner ist. Diese Lücke stellt für die Gemeinde momentan eine der größten Baustellen dar. „Wir führen aber derzeit Gespräche mit jemanden, der überlegt, eine Praxis bei uns zu öffnen“, verrät der Ortschef. Der Kandidat ist um die 50 Jahre alt und nicht aus dieser Region. Mehr wollte Brunner derzeit noch nicht verraten, aber: „Es zeichnet sich eine Lösung ab!“

Einer, der das Geschäft eines selbstständigen Arztes wie seine eigene Westentasche kennt, ist der ehemalige Neunkirchner Allgemeinmediziner Gerald Brandstätter. Für ihn war die Entwicklung absehbar: „Der Beruf des Allgemeinmediziners ist einfach nicht mehr attraktiv genug. Auch was beispielsweise die Bezahlung gegenüber Fachärzten betrifft. Nichts gegen Fachärzte, aber der Allgemeinmediziner muss alles wissen und behandeln, von der gebrochenen Zehe über Grippe bis zum Haarausfall und bekommt dann auch noch weniger bezahlt. Zudem sind Arbeitszeiten und Aufwand enorm. Zwischen Ordination und Visiten bleibt oft nur noch mehr Zeit für eine Wurstsemmel.“ Das Problem könne seiner Meinung nur durch ein besseres und gerechteres Bezahlungsmodell gelöst werden.

Freis: "Respekt vor Selbstständigkeit"

Christian Freis, Facharzt für Allgemeinmedizin, glaubt, dass junge Ärzte vor allem vor der Selbstständigkeit viel Respekt haben: „Die Selbstständigkeit geht bei der Ausbildung verloren. Früher wurde man ‚reingestoßen‘, einmal gesehen, einmal mitgemacht, einmal selber gemacht. Heute wird zigmal zugeschaut, nichts selbst gemacht“, so der Allgemeinmediziner. Außerdem sei die Situation für einen Arzt in der Stadt leichter als am Land. In Neunkirchen sind Rettung, Notarzt sowie Krankenhaus in unmittelbarer Nähe.

„Am Land mit 500 Einwohnern kann der Arzt nicht nein sagen, da ist man rund um die Uhr im Einsatz – und das, glaube ich, schreckt ab“, meint Freis. Zudem ist die Bürokratie ebenso ein großes Thema. Diese ist laut dem Mediziner immer mehr geworden: „Es muss alles dokumentiert werden. Es kommen jetzt wieder neue Vorschriften, die uns aufdividiert werden. Wie wir das machen und wo wir das machen, das bleibt uns überlassen!“

Aktuelle Umfrage

  • Sollte es mehr Primärversorgungszentren geben?