Fastenzeit-Ende: 40 Tage ist Alkohol für viele tabu. Die „Bezirksprominenz“ verzichtet oftmals auf alkoholische Getränke. Aber auch „Auto-Fasten“ ist ein Thema.

Von Philipp Grabner und Christian Feigl. Erstellt am 16. April 2019 (05:00)
Grabner
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner war bei ihrem Neunkirchen-Besuch vom erschlankten Stadtchef Herbert Osterbauer begeistert.

Wenn der Priester den Gläubigen das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnet, beginnt die Fastenzeit. Jene 40 Tage vor Ostern, die auch „vorösterliche Bußzeit“ genannt wird – und dazu dienen soll, sich auf das nahende Fest vorzubereiten. Ob mit religiösem Hintergrund oder nicht – auch viele aus dem Bezirk Neunkirchen nutzen diese Zeit, um auf etwas zu verzichten etwa Oberst Bernhard Heher aus Puchberg, Gardekapellmeister und Militärmusikchef. In der Fastenzeit verzichtet er gänzlich auf Alkohol. Und: „Ich faste 16 Stunden, esse dann innerhalb von acht Stunden wieder und faste dann wieder 16 Stunden.“ Damit verfolgt er aber auch ein persönliches Ziel: Er möchte zehn Kilogramm abnehmen. Wie es ihm mit dem Fasten geht? „Am Anfang ist es schon schwer, aber nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich daran“, meint er gegenüber der NÖN.

„Kürzere Strecken versuche ich, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen.“Andrea Kahofer, Bundesrätin, verzichtet so gut wie möglich auf Fahrten mit dem Auto.

Der Alkohol ist es auch, den Johannes Hennerfeind, ÖVP-Bürgermeister der Gemeinde Trattenbach im Feistritztal versucht, wegzulassen. „Ich halte mich nicht strikt daran, weil es öfters Gratulationen gibt, wo man mit dem Jubilar dann schon gerne mit einem Achterl anstößt. Aber grundsätzlich versuche ich einfach, es einzuschränken.“ Am Karfreitag hingegen faste er schon, so Hennerfeind. Und mit den Enkerln besucht er Messen in der Kirche, wie er verrät. „Das ist mir schon ein Anliegen“, sagt er. Auch Neunkirchens Fleischermeister Wolfgang Seidl verzichtet in der Fastenzeit gänzlich auf Alkohol: „Das mache ich schon lange. Am Anfang war der Verzicht kein Thema, aber jetzt freue ich mich schon wieder auf ein gutes Achterl!“

Alternativen zum Fasten bei Ernährung

SPÖ-Bundesrätin Andrea Kahofer aus Neunkirchen wiederum geht andere Wege – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Während der Fastenzeit verzichtet sie – so gut es geht – auf Fahrten mit dem Auto. „Das ist, zugegebenermaßen, in meiner beruflichen Situation nicht immer möglich. Aber kürzere Strecken, bei denen das Auto nicht unbedingt notwendig ist, versuche ich schon, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen“, erklärt sie. Zuletzt verzichtete Kahofer außerdem aufs Fernsehen. „Und heuer ist es eben das Auto geworden“, meint sie.

Eher auf die Ernährung achtet Horst Willesberger, Bezirksstellengeschäftsführer des Roten Kreuz Neunkirchen: „Ich trinke Alkohol ohnehin nur in Maßen und als Genussmittel, insofern kann ich da an sich gar nicht fasten“, meint er. Er versuche generell immer wieder, sich bewusster zu ernähren. „Zum Beispiel eine Zeit lang Kohlehydrate zu vermeiden“, meint er.

Ähnlich geht auch Neunkirchens ÖVP-Stadtchef Herbert Osterbauer zu Werke: Er wollte vor Ende der Fastenzeit gewichtsmäßig noch in den zweistelligen Bereich kommen. Ganz hat er das dann nicht geschafft, aber immerhin seit Jänner 16 Kilo abgespeckt: „Ich esse 16 Stunden am Tag nicht und nach 15 Uhr gar nichts mehr. In der Fastenzeit verzichte ich so weit als möglich auf Alkohol und bewege mich auch sehr viel beim Nordic Walken“, erklärt er.

Barta
Bundesrätin Andrea Kahofer setzt vermehrt aufs Rad.Bundesrätin Andrea Kahofer setzt vermehrt aufs Rad.

Mittlerweile müsse er sich aber auch kleidungstechnisch umstellen: „Jetzt ist es so weit, dass ich auch neues Gewand benötige!“ Sein Kollege, GVV-Präsident Rupert Dworak (SPÖ) aus Ternitz, fastet übrigens das ganze Jahr: Einen Tag isst er, den nächsten nicht. „Nur so kann ich mein Gewicht halten.“ In der Fastenzeit verzichtet er zusätzlich auf Alkohol.

Für Gernot Braunstorfer, Direktor am Gymnasium Sachsenbrunn (Kirchberg) bedeutet Fasten nicht nur Verzicht, sondern auch, das Leben bewusster zu leben: „Ich selbst habe heuer keine Fastenvorsätze gehabt, sondern habe versucht, bewusst zu leben und mir vorzunehmen, den Menschen so zu begegnen, wie ich mir wünsche, dass sie mir begegnen.“ Auch in der Schule widmet man sich dem Thema, so Braunstorfer: Seit Jahren gibt es einen sogenannten Fastenkalender, heuer stand dieser unter dem Motto „Den Blick auf die Welt frei machen.“

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