Gastro-Öffnung: Freude bei den Wirten überwiegt. Gastwirte im Bezirk Neunkirchen scharren in den Startlöchern und freuen sich auf Kunden. Mangel an Details wird aber kritisiert.

Von Gerhard Brandtner, Elfi Hagenbichler, Tanja Barta, Christian Feigl und Philipp Grabner. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:45)
Christian und Magdalena Donhauser vom Gasthaus „Grüner Baum“ in Kirchberg am Wechsel freuen sich schon auf ihre Gäste.
Mara Hola, Mara Hola

Die Gästebestimmungen liegen direkt neben der neuen Speisekarte. Dahinter Schachteln, Blumentöpfe und Dekomaterial. So wie rund 600 seiner Kollegen in der Region bereitet sich auch Bezirkswirte- sprecher Hannes Beisteiner auf die Wiederöffnung seines Dorfwirtshauses in Peisching am 19. Mai vor.

„Klar herrscht jetzt Aufbruchsstimmung und ich freue mich schon wieder, endlich Speisen auf Tellern anrichten zu können, aber es gibt auch große Unsicherheit“, erzählt er beim Besuch der NÖN. „Wir wissen nicht, wie unsere Gäste auf die Erfordernisse reagieren und auch die Regeln sind teilweise recht kompliziert“, nennt er ein Beispiel: Schankbetrieb ist drinnen und draußen zwar untersagt, aber wenn sich beispielsweise an einem Stehtisch im Freien zehn Personen einfinden, wäre das wiederum erlaubt.

Trotzdem zeigt sich Peischings Dorfwirt zuversichtlich und verspricht: „Wir werden das nach bestem Wissen und Gewissen machen!“ Denn die letzten Wochen habe er wie viele seiner Kollegen genutzt, um Lokal und Schanigarten auf Vordermann zu bringen: In Peisching gibt es neue Tische und neue Bestuhlung. Herausfordernd wird für einige aber, das System hochzufahren: „Die Anlagentechniker werden jetzt zwar überall gebraucht, aber können nicht überall gleichzeitig sein.“ Danken möchte er auf diesem Weg vor allem seinen Kollegen und den Stammkunden: „Dass sie durchgehalten und uns unterstützt haben, damit die österreichische Gastronomie am Leben bleibt“, wie er es formuliert.

Ein paar Kilometer weiter ist auch Thomas Osterbauer in Neunkirchen in seinem gleichnamigen Restaurant bereits fleißig am Werken. Er blickt der Öffnung ebenfalls mit gemischten Gefühlen entgegen: „Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich freuen wir uns, unsere Gäste wieder bewirten zu können, aber es macht uns auch traurig, dass wir keine großen Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage abhalten dürfen. Ich hoffe, dass es da mit Julibeginn noch zu weiteren Lockerungen kommt“, ist der Chef mit der aktuellen Situation noch nicht hundertprozentig zufrieden.

Deshalb wird er auch beim aktuellen Personalstand nicht aufstocken: „Im Gegenteil, es wird mit Montag einen Ruhetag mehr geben. Ich will mir einmal die Situation anschauen, es ist alles noch zu ungewiss. Am Anfang werden uns die Gäste zwar überlaufen, aber keiner weiß, wie das in vier oder fünf Wochen aussehen wird.“ Bei den Eintrittsbestimmungen verlässt er sich auf das Pflichtbewusstsein der Gäste: „Es wird stichprobenartige Kontrollen geben. Gleichzeitig appelliere ich an alle, sich impfen zu lassen“, so Thomas Osterbauer.

Kritik an der Abstands- Regel im Wirtshaus

„Grundsätzlich sehr froh“ über die Öffnung zeigt sich auch Christian Donhauser, Chef des Gasthauses „Grüner Baum“ in Kirchberg am Wechsel. Seine Kritik: Zu viele Dinge seien noch im Unklaren. „Gilt jetzt ein Ein-Meter-Abstand zwischen den Tischen oder sind es doch zwei Meter – ein paar Dinge sind noch nicht klar kommuniziert. Ich hoffe, dass es hier bald Details geben wird“, so Donhauser gegenüber der NÖN – noch vor der Regierungs-Pressekonferenz am Montag.

Kritik an der Zwei-Meter-Abstandsregel übt Matthias Hausmann vom gleichnamigen Landgasthof in Puchberg am Schneeberg. Die sei eine „Katastrophe“, schließlich würden dadurch im Speisesaal „fast die Hälfte der Tische wegfallen“, wie er sagt: „Das ist ein großes Problem, da ich die Hälfte der Sitzplätze verliere.“

Bezirkswirtesprecher Hannes Beisteiner hat seinen Gastgarten bereits auf Vordermann gebracht, jetzt fehlen nur noch die Gäste.
Christian Feigl, Christian Feigl

Auch, dass beim Gasthausbesuch ein negativer Covid-Test, eine Impfung oder eine überstandene Erkrankung vorgewiesen werden muss, schmeckt Hausmann gar nicht: „Wir mit dem Personal müssen uns mindestens dreimal die Woche testen lassen, aber mehrere Gäste haben mir gesagt, sie werden deshalb den Gasthausbesuch vermeiden. Ich weiß nicht, ob sich jemand, der sich nur einen Spritzer oder einen Kaffee holen will, deshalb testen lassen will.“ Vorreservierungen registriert Hausmann noch nicht viele – weder fürs Restaurant, noch für Zimmer: „Die Leute sind noch sehr verunsichert, sie wissen vieles noch nicht.“

Wesentlich optimistischer klingt da schon Leo Doci vom „Bevanda“ in Gloggnitz: „Wir können es kaum erwarten, nach dieser langen Zeit wieder unser Restaurant für die Gäste zu öffnen. Wir haben auch neue Ideen gesammelt und werden die Besucher kulinarisch verwöhnen. Wir sind auf alle Fälle bereit.“

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