Helmut Traper: „Jeder Ort hatte einen Kaiser!“. Während man sich in Kirchberg über eine Fusionierung freute, kämpften die Penker dagegen an.

Von Nadine Gasteiner und Tanja Barta. Erstellt am 21. April 2021 (05:45)
Links: Die Floriani der Feuerwehr Penk-Altendorf im Jahr 1972. Diese besteht, über Gemeindegrenzen hinweg, bis heute. Rechts: Der Penker Gemeinderat vor der Zusammenlegung mit Grafenbach-St. Valentin.
Topothek/Michael Brandstetter, Topothek/Michael Brandstetter

Vor einem halben Jahrhundert änderte ein Beschluss der Landesregierung für viele Gemeinden alles. Damals wurden in ganz Niederösterreich zahlreiche Gemeinden zusammengelegt. Betroffen davon war auch der Bezirk Neunkirchen. Hier wurden acht eigenständige Gemeinden zu drei neuen fusioniert, wobei die Vereinigung nicht bei allen bestehen blieb (siehe auch Seiten 4 und 5).

Den Anstoß für die große Gemeindezusammenlegung vor 50 Jahren könnten die damals noch eigenständigen Gemeinden Grafenbach und St. Valentin gegeben haben. Denn rund zwei Jahre vor den Gemeindefusionierungen im ganzen Land, trafen Grafenbach und St. Valentin die freiwillige Entscheidung, zusammenzugehen. „Es waren damals in beiden Gemeinden rote Bürgermeister. Einer davon schied dann aus. Und damals gab es nur eine SPÖ Grafenbach-St. Valentin. Deshalb schlug ich vor, die beiden Gemeinden zu fusionieren. Das war ein Vorteil für alle“, erinnert sich der damalige SPÖ-Parteiobmann Walter Scheed zurück. Da diese beiden Gemeinden schon damals sehr miteinander verflochten waren, erleichterte die Zusammenlegung auch die finanzielle Situation. „Als größere Gemeinde bekamen wir auch mehr vom Finanzausgleich des Bundes. Aber auch im administrativen Bereich tat man sich leichter“, so Scheed.

Während die Gemeindefusion von Grafenbach und St. Valentin ohne Probleme über die Bühne ging, wurde die Nachbargemeinde Penk hart vom Beschluss des Landes im Jahr 1971 getroffen. Den Zusammenschluss mit der Gemeinde Grafenbach-St. Valentin wollte man damals mit allen Mitteln verhindern, da es zu dieser keinerlei Bezug gab. „Es war damals problematisch, denn es gibt in jedem Ort einen Kaiser“, erinnert sich Helmut Traper zurück, der 1973 das Amt des Vizebürgermeisters der Marktgemeinde übernahm.

Damals habe es intern Rangeleien um die Funktionen gegeben: „Wenn man es aus menschlicher und nicht politischer Sicht sieht, dann hatte Penk einfach mehr Verbindung zu Altendorf als zu Grafenbach-St. Valentin.“ Wie tief die Gräben nach der Fusion waren, zeigt folgendes Beispiel: Die Altendorfer Kinder fuhren in einem eigenen Schultransport durch Penk, um nach Wartmannstetten zu kommen. Die Penker Kinder wurden wiederum mit einem eigenen Bus nach St. Valentin in die Schule gebracht. Doch diese Gräben konnten nach über einem halben Jahrhundert zugeschüttet werden. „Ich sehe uns schon als zusammengewachsen. Aber dennoch hat jeder kleine Ort sein Dorfleben und seine eigene Geschichte. Aber es ist gut, dass jeder seine eigene kulturelle Identität hat“, so Grafenbachs amtierende SPÖ-Ortschefin Sylvia Kögler.

Topothek/Michael Brandstetter, Topothek/Michael Brandstetter

Ähnlich erging es auch der heutigen Gemeinde Kirchberg am Wechsel. 1972 wurden die beiden Gemeinden Molzegg und Kirchberg zusammengelegt. ÖVP-Bürgermeister Willibald Fuchs erzählt jedoch auch von einer früheren Zusammenlegung: „In Kirchberg war es besonders, da wir 1968 mit der Gemeinde Kranichberg freiwillig zusammengegangen sind.“

Förderungen waren wichtiger Faktor

Bei der Zusammenlegung mit Molzegg war die Begeisterung jedoch etwas gezügelt: „Bis zum Schluss waren die Molzegger eigentlich nicht dafür, aber das hat sich mittlerweile wunderbar eingefügt und ist eine super Sache“, erklärt der Kirchberger Bürgermeister. Interessant ist auch, dass es immer noch drei getrennte Bauernbünde für die Orte Kranichberg, Kirchberg und Molzegg gibt. Josef Koder- hold, ehemaliger Gemeinderat und Amtsleiter der Gemeinde Molzegg, erinnert sich an die Zusammenlegung: „Man war zwar am Anfang skeptisch, aber wir waren nicht wirklich dagegen. Es war ja alles in Kirchberg – die Kaufhäuser, die Kirche, der Arzt.“ Reinhard Gansterer, Buchautor und Historiker, erzählt ebenso von seinen Erinnerungen an die damalige Zeit: „Ich war damals Gemeinderat in Molzegg und war bei der Auflösung dabei, wo es damals geheißen hat, wir haben kaum eine Wahl, weil wir ja eine Förderung vom Land bekommen würden.“ Weiters erzählt Gansterer von den damaligen Schwierigkeiten mit der Verwaltung: „Die Verwaltung wurde immer komplizierter und eine kleine Gemeinde kann das nicht so gut schaffen, daher hat alles dafür gesprochen.“

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