Pflege wird immer wichtiger. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 09. Juli 2019 (04:00)
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Symbolbild

5.182 sogenannte „hochaltrige Menschen“, also Personen im Alter von 80 Jahren und mehr, zählte der Bezirk Neunkirchen Ende des Vorjahres. Im Jahr 2035 könnten es bereits mehr als 7.700 sein. Das geht aus dem Alteralmanach NÖ hervor, der sich mit der Entwicklung des Pflegebedarfs im Land beschäftigt. Verkürzt bedeutet das: Die Menschen werden immer älter – und immer mehr Personen werden künftig auch Pflege in Anspruch nehmen.

Das betrifft die stationäre und mobile Betreuung ebenso wie die 24 Stunden-Betreuung: Nahmen im September 2018 428 Personen im Bezirk Neunkirchen diese „Rund um die Uhr“-Pflege an, könnten es – laut Prognosen – im Jahr 2025 bereits 511, im Jahr 2035 sogar 630 sein. Das würde einer Steigerung von mehr als 47 Prozent entsprechen! Das nimmt auch Elisabeth Windbichler, Hausleiterin der SeneCura-Sozialzentren in Kirchberg am Wechsel und Ternitz, so wahr: „Es liegt auf der Hand, dass die Nachfrage nach Pflege weiter steigen wird. Heute macht die Gruppe 60+ schon ein Viertel der Bevölkerung Österreichs aus. Und 2030 werden es laut Statistik Austria ein Drittel sein.“

„Heute macht die Gruppe 60+ ein Viertel der Bevölkerung Österreichs aus. Und 2030 wird es ein Drittel sein.“Elisabeth Windbichler.

Der demographische Wandel und die einhergehende Überalterung der Gesellschaft würden also den Pflegebedarf Österreichs immer stärker prägen und einen deutlichen Ausbau des Pflegenetzes notwendig machen, ist Windbichler überzeugt: „Mit Zunahme der älteren und vor allem hochbetagten Generation steigt auch der Bedarf an gut ausgebildetem Betreuungs- und Pflegepersonal. Daher organisiert SeneCura regelmäßig staatlich anerkannte Lehrgänge zur Pflegeassistenz, wie zum Beispiel seit 2018 im Raum Baden. SeneCura übernimmt nicht nur die Kosten für diese Ausbildung, sondern garantiert bei positivem Abschluss auch einen Arbeitsplatz in einem der elf niederösterreichischen SeneCura- Sozialzentren“, so Windbichler weiter.

Und sie ist überzeugt: Gerade in Zeiten eines möglichen Betreuermangels sei es wichtig, bestehenden und künftigen Mitarbeitern ein gutes Arbeitsumfeld zu bieten: „Neben den umfassenden Aus- und Fortbildungsangeboten geht man bei SeneCura mit individuellen Arbeitszeit-Regelungen besonders auf die Bedürfnisse von Müttern und Vätern ein, denn in der Dienstplangestaltung wird auf die Betreuungspflichten der Eltern Rücksicht genommen.“

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Schwierig werden wird es aus der Sicht von Mater Salvatoris-Geschäftsführerin Claudia Hofmann sowie dem Pflege- und Betreuungsleiter Günther Schranz. „Um in Zukunft bedürfnisorientiert pflegen und betreuen zu können, braucht es gut ausgebildetes Fachpersonal mit intensivem Praxisbezug. Heute ist es nun schon so weit, dass wir solch ein Personal schwer bis gar nicht finden“, sehen Hofmann und Schranz auch Probleme bei der Suche des richtigen Personals.

Aus ihrer Sicht bedarf es einer umfassenden Veränderung der Rahmenbedingungen der derzeitigen Ausbildung. Denn diese sollte sich an tatsächlichen Anforderungen im Beruf messen und sich nach jenen Ressourcen, die einem bei der Berufsausbildung auch wirklich zur Verfügung stehen, richten. Auch der Anspruch an die Pflegehäuser sowie die mobilen Einrichtungen werden laut Hofmann immer größer, denn „viele Höchstbetagte waren vor fünf bis zehn Jahren noch mit ‚sehr wenig‘ zufrieden. Jene Menschen haben ihr Leben lang gespart, Kriege und Notstand erlebt und waren sehr gut darin, mit wenig auszukommen. Höchstbetagte von heute und mit Sicherheit auch jene in der Zukunft haben berechtigter Weise höhere Ansprüche. Die jetzige und kommende Generation verfügt über höhere Ansprüche, was Individualität und Selbstbestimmung betrifft!“

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