Rauchverbot sorgt für dicke Luft. Wie nehmen Wirte und Kaffeehausbetreiber aus dem Bezirk das neue Gesetz auf? Die NÖN hörte sich dazu um.

Von Tanja Barta, Thomas Wohlmuth, Clemens Thavonat und Philipp Grabner. Erstellt am 05. November 2019 (04:32)
Thomas Wohlmuth
Robert Frantsich in seinem neu geschaffenen Raucherhof in Neunkirchen. Er kritisiert das neue Gesetz als „Bevormundung“ der Wirten.

Seit 1. November hat es sich ausgequalmt in Österreichs Gastronomie: Seit diesem Zeitpunkt ist die neue Regelung, die jegliches Rauchen in den Innenräumen von Lokalen verbietet, in Kraft – Details siehe Artikel nebenan.

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Robert Frantsich, Betreiber der „Flavour Bar“ in Neunkirchen, sieht die neue Regelung kritisch und bezeichnet sie als „Bevormundung“, wie er sagt: „Ich erhalte das Lokal und kann dann nicht tun, was ich möchte. Mein Ort ist ein Lokal der Begegnung, aber jeder Mensch ist so mündig zu entscheiden, ob er kommt oder nicht“, erklärt er.

Ihm sei aber stets klar gewesen, dass die Regelung früher oder spät kommen würde: „Aber Punkt Mitternacht ist für die Nachtgastronomie eine Katastrophe – wir rechnen einen Tag ja erst in den frühen Morgenstunden ab, da hätte man schon großzügiger sein können“, ist er verärgert. Für die Raucher hat Frantsich seinen Innenhof in eine Art Raucherlounge umfunktioniert und hofft nun, dass diese auch angenommen wird.

„Wir als Gastwirte sollen dafür sorgen, dass die Leute weniger rauchen. Das ist nicht fair!“Rudi Grubich, Inhaber des „Cult Italia“ in Neunkirchen.

Schützenhilfe, was die Kritik an dem neuen Gesetz betrifft, erhält Frantsich von seinem Neunkirchner Gastronom-Kollegen Rudi Grubich, Obmann-Stellvertreter des Vereins „Aktive Wirtschaft“ und Inhaber des „Cult Italia“ am Holzplatz: „Ich finde es eine Frechheit vom Staat, dass er die Verantwortung auf die Gastronomie abschiebt. Wir als Gastwirte sollen jetzt quasi dafür sorgen, dass die Menschen weniger rauchen – das ist nicht fair!“ Er persönlich führt sein „Cult Italia“ seit der Eröffnung als Nichtraucher-Lokal, „daher stört mich die Umstellung jetzt direkt nicht“, erklärt er.

Heurigenwirt rechnet mit Umsatzeinbußen

Verärgert zeigt sich auch der Oberhöfleiner Heurigenwirt Herbert Legenstein über die Gesetzesänderung: „Für viele meiner Gäste ist diese Gesetzesänderung sehr unangenehm. Wir Gastwirte sind zwar Nichtraucher, doch können wir den Ärger der Kunden verstehen.“ Beinahe alles werde „vom Staat oder der EU vorgeschrieben, als wären die Menschen unmündig“, kritisiert er. Gleichzeitig hält Legenstein aber fest, sich an das Gesetz halten zu wollen: „Ich bin überzeugt, dass es anfänglich Umsatzverluste geben wird, im Laufe der Zeit sollte sich das jedoch wieder einspielen.“

Thavonat
Heurigenwirt Herbert Legenstein ist nicht begeistert vom Rauchverbot, will sich jedoch daran halten.

Das neue Gesetz geht auch an Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Johann Ungersböck nicht spurlos vorüber: „Wir haben auch immer wieder Gastronomen, die meinen, sie könnten ihren Betrieb nicht weiterführen, weil fast alle Stammgäste immer geraucht haben und jetzt nicht mehr kommen würden“, weiß er aus einigen Gesprächen. Viele würden auch kritisieren, dass sie vor einigen Jahren in getrennte Räume investieren mussten – „und hoffen nun auf eine entsprechende Unterstützung“, so Ungersböck.

Er sieht nun die Politik am Zug: „Es muss eine Lösung gefunden werden, sodass der Gastwirt nicht verantwortlich gemacht werden kann, wenn Raucher vor dem Lokal stehen und Lärm verursachen.“ Dass gleich mit Inkrafttreten des Gesetzes Kontrollen angekündigt wurden, missfällt Ungersböck ebenso: „In erster Linie sollte man zunächst beraten statt strafen!“

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