Schulschluss: „Austausch in Klasse hat gefehlt“. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer und Schüler im Bezirk Neunkirchen, wie es ihnen dabei ergangen ist.

Von Philipp Grabner und Tanja Barta. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:45)
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Mitte März fuhr Österreich das öffentliche Leben auf ein Minimum herunter – Gasthäuser und Geschäfte mussten schließen, Spielplätze wurden gesperrt, etliche Unternehmen stellten einen Großteil des Betriebs auf Homeoffice um. Und auch die Schulen blieben von der einzigartigen Situation nicht verschont: Sie mussten die Pforten ebenso vorerst schließen, der Unterricht erfolgte fortan ausschließlich über Handy, Laptop und Co.

Dass sowohl Schüler als auch Lehrer bereits länger mit Online-Lernplattformen arbeiteten, kam da etwa dem Team der Tourismusschulen Semmering zugute, wie Direktor Jürgen Kürner auf NÖN-Anfrage erklärt: „Natürlich waren einige Anlaufschwierigkeiten zu beheben. Etwa mussten manche Schülerinnen und Schüler lernen, sich selbst zu organisieren, Lehrerinnen und Lehrer waren gefordert, neue Kommunikationstechnologien – wie etwa Videokonferenzen – zu perfektionieren. Aber insgesamt wurde diese herausfordernde Zeit sehr gut gemeistert“, spricht er allen Beteiligten ein Lob aus. Länger hätte der „Shutdown“ aber nicht dauern dürfen, meint Kürner: „Trotz zahlreicher Gespräche hat man schon merken können, dass die Motivation über die Wochen gesunken ist und alle wieder sehr froh waren, sich in der Schule wiederzusehen“, so der Schulleiter.

Als eine „wirklich besondere Herausforderung“ bezeichnet auch Eva-Maria Leitner-Glanz den „Lockdown“. Die Pädagogin unterrichtet an der Volksschule Mönichkirchen und leitet diese auch als Direktorin. Ihre Schüler wurden täglich per E-Mail mit einem Tagesplan versorgt, ganz generell stand man mit den Eltern per E-Mail und Telefon in Kontakt. Und obwohl die Zeit des „Homeschoolings“ gut verlaufen sei, sieht Leitner-Glanz auch negative Folgen: „Durch die wenige Präsenzzeit in der Schule sind die Kinder völlig aus dem routinemäßigen Alltag gerissen worden und waren eigentlich im Ferienmodus“, meint sie. Ausgezahlt hätten sich hingegen Investitionen in E-Learning-Projekte und Laptops, ist die Schulleiterin überzeugt. In der Volksschule Steinfeld in Neunkirchen bereitete man Arbeitsblätter für die Schüler vor, „die sich die Eltern alle 14 Tage abholen konnten“, wie die scheidende Direktorin Edda Koinig erklärt. Im Großen und Ganzen habe das System gut funktioniert. Problem sei allerdings gewesen, dass nicht alle Kinder eine ausreichende Ausstattung hätten, um online zu lernen.

„Kinder, die zu Hause wenig Unterstützung haben, wurden aus dem regelmäßigen Lernen gerissen!“ Susanne Casanova-Mürkl, Direktorin BG Neunkirchen

Genau das führt auch Susanne Casanova-Mürkl, Direktorin des BG/BRG Neunkirchen, ins Treffen: „Die Schulschließung hat gezeigt, dass Kinder, die zu Hause wenig oder kaum Unterstützung oder weniger an technischer Ausstattung haben, aus dem regelmäßigen Lernen herausgerissen wurden und dies hat sich auf ihre Leistungen ausgewirkt.“ Um den Ablauf zu optimieren, bräuchten Schüler und Lehrer „eine gute technische Infrastruktur und entsprechende Ausbildung“, so die Schulleiterin, die aber betont, dass die Kommunikation aller Beteiligten gut funktioniert habe.

Susanne Casanova-Mürkl, Direktorin des BG/BRG in Neunkirchen.
zVg

Überwiegend positiv beurteilt der 20-jährige Can Kaplan, Schulsprecher an der HAK Neunkirchen, die Zeit des „Homeschoolings“. Er habe aus dieser „turbulenten Zeit“ auch etwas Positives mitgenommen, erklärt er: „Man sollte dankbar sein und Dinge mehr schätzen. Unsere Lehrer waren immer für Fragen erreichbar und fanden auch immer eine gute Lösung für Probleme.“ Nachteil sei gewesen, dass der persönliche Austausch in der Klasse gefehlt habe: „Ich finde aber, dass wir diese Zeit gut überbrückt haben und daraus gelernt haben, so manche Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.“

Can Kaplan, Schulsprecher an der Handelsakademie in Neunkirchen.
HAK

Für den Herbst wünschen sich fast alle Befragten einen „normalen Schulbeginn“, wie betont wird. „Bleiben wird aus dieser Zeit ein nochmals vermehrter, pädagogisch sinnvoller Technologieeinsatz, auch im Live-Unterricht in der Klasse“, so Semmering-Leiter Kürner, „aber auch die Freude, miteinander in der Schule sein zu dürfen!“

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