Umgangston am Fußballplatz: „Kinder sollen Spaß haben“. NÖ-Verband will mit Kampagne Bewusstsein schärfen.

Von Fritz Hauke und Norbert Riegler. Erstellt am 12. März 2019 (04:30)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sporplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Das scheint bitter nötig, wie auch Schiedsrichter-Original Josef Banovits meint. „Es ist unfassbar, wie teilweise Eltern und Trainer auf die Kinder einschimpfen. Dabei sollten sie sie doch aufbauen, wenn sie einen Fehler machen“, erklärt Banovits. Besonders bei den jüngsten Fußballern sei die Stimmung ziemlich aufgeheizt. „Bis zum Alter von elf, zwölf Jahren ist es ganz schlimm“, so der Schiri-Routinier.

Bis dahin werden die Partien nämlich auf einem Kleinfeld ausgetragen, in der U14 aufwärts geht das Zuschauer-Interesse rapide zurück. Ein weiteres Problem, das die Emotion hochkochen lässt, sei die Unwissenheit der Familienmitglieder: „Väter, Mütter, Großmütter, Großväter, die sich überhaupt nicht auskennen, die Regeln nicht verstehen sind diejenigen, die sich dann immer am meisten aufregen und auszucken“, wie Banovits meint.

Für Eskalation sorgt es, wenn auf beiden Seiten heißblütige Fans stehen. „Dann kann es schon vorkommen, dass es in einer Rauferei endet“, erinnert sich Banovits an schwarze Stunden im Kinderfußball. Was der erfahrene Unparteiische seinen jungen Zunftskollegen rät? „Nicht gleich mit Anzeigen drohen, sondern in einem kurzen Gespräch versuchen, die Stimmung und auch das Spiel zu beruhigen“, erklärt Banovits, der die Aktion des Verbands begrüßt.

Gespräche als Hilfsmittel

Ähnlich sieht es Andreas Schulter – langjähriger Grimmensteiner Nachwuchstrainer: „Das ist leider ein altbekanntes Thema. Ich bin dennoch der Meinung, dass diese Probleme im Verein geregelt werden müssen. Das Reden mit den Eltern hilft. Ich als Jugendtrainer habe immer versucht, das den Eltern beizubringen, auch wenn es ihnen schwerfällt.“

Schultes Rat an die Eltern: „Sie sollen die Kinder ruhig anfeuern, aber konstruktiv. Ein fremdes Kind persönlich verbal anzugreifen geht nicht. Erwachsene sollten wissen, was sie sich erlauben können und was nicht. Die Kinder sollen Spaß haben. Da soll nicht noch der Druck von außen dazukommen.“

Markus Felber, Jugendleiter beim USV Scheiblingkirchen, sieht eine positive Entwicklung in den letzten Jahren: „Mein Eindruck ist, dass der Umgangston besser geworden ist und sich die Erwachsenen im Griff haben.“ Sollte ein Elternteil aber dennoch (verbal) aus dem Rahmen fallen, hilft oft ein klärendes Gespräch. „Auch wenn es zunächst schwierig ist, weil manche Betroffenen zunächst nicht einsichtig sind…“, erklärt Felber.

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