Feistritztal: Getrennt, vereint, getrennt!. Otterthal, Trattenbach und Raach am Hochgebirge sind seit 1985 wieder eigenständige politische Gemeinden.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 21. April 2021 (03:44)
Volksfeststimmung am 30. Dezember 1984 am Kummerbauer Stadl – mit „Trattenbach ist frei“ wird die Eigenständigkeit des Orts gefeiert.
zVg, zVg

Lange währte die „Zwangsehe“ nicht – denn als die Gemeinden Otterthal, Trattenbach und Raach am Hochgebirge im Jahr 1972 offiziell zur Großgemeinde Otterthal verschmolzen, hatte kaum jemand Freude damit – im Gegenteil: Viele Bewohner befürchteten, dass ihr jeweiliger Ortsteil bei Geldmitteln und Co. das Nachsehen haben würde.

Daran erinnert sich auch Ernst Schabauer noch – er war zwischen 1980 und 1985 geschäftsführender ÖVP-Gemeinderat in der Großgemeinde Otterthal und wurde 1990 Bürgermeister der „neuen“ Gemeinde Trattenbach. „Viele haben befürchtet, man würde ins Hintertreffen gelangen – jeder Ortsteil wollte so viel als möglich vom Gemeindekuchen abhaben“, erinnert sich Schabauer im NÖN-Gespräch zurück.

Viele Bewohner Trattenbachs habe es auch massiv gestört, dass die Großgemeinde den Namen „Otterthal“ und nicht „Trattenbach“ trug: „Bevölkerung hatten wir die meiste und auch flächenmäßig waren wir die größte Gemeinde“, erinnert sich der Altbürgermeister zurück. Als die Gemeinden nach einer Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes 1985 wieder auseinanderdividiert wurden, sei die Erleichterung groß gewesen. „Und ich bin davon überzeugt, dass das die richtige Entscheidung war und sich die Gemeinden alle drei gut entwickelt haben. Das zeigt auch die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit, die eine sehr gute ist“, meint Schabauer. Die Bevölkerung jedenfalls goutierte die „Scheidung“ mit ausgelassenen Feiern – inklusive „Trattenbach ist frei“-Transparenten bei einer Feierlichkeit am Kummerbauer Stadl (siehe Foto unten).

Zufrieden mit der heutigen Gemeindegliederung zeigen sich im NÖN-Gespräch auch die heutigen Bürgermeister. Für Johannes Hennerfeind (ÖVP) aus Trattenbach habe alleine die geografische Aufteilung damals wenig Sinn gemacht. „Die Siedlungen Nebelsbach oder Hammerhof wurden etwa Kirchberg zugeteilt, obwohl Trattenbach viel logischer gewesen wäre.“ Heute kooperiere man in Form von Verbänden, etwa in den Bereichen Kanal oder Wasser. „Das ganze Tal will etwas weiterbringen und wir sind alle in einem guten Austausch“, bringt es Bürgermeister Hennerfeind auf den Punkt.

Zusammenarbeit auf Ebene der Schulen

Ins selbe Horn stoßen Raachs Thomas Stranz und Otterthals Karl Mayerhofer (beide ÖVP). „Die Eigenständigkeit macht auf jeden Fall Sinn, alleine aufgrund unseres kompakten Gemeindegebietes“, meint Mayerhofer. Dass die Zusammenarbeit mit Raach gut funktioniere, zeige sich etwa auf Kindergarten- oder Volksschul-Ebene. Der Kindergarten befindet sich in Raach, die Schule in Otterthal. „Der Zusammenhalt wurde durch die Eigenständigkeit viel besser“, meint Stranz. Eine Fusion in den nächsten Jahren – die derzeit ohnehin kein Thema ist – hält keiner der drei Ortschefs für besonders erstrebenswert ...