Semmering-Basistunnel: Schlamm statt klares Wasser. Große Sorge herrscht momentan rund um den Göstritz- und Erlbach. Statt klarem Wasser findet man momentan nur sehr trübes Gewässer vor. Schuld daran dürften Folgen der Bauarbeiten des Semmering-Basistunnels sein. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betonen aber, dass keinerlei Gefahr bestehe.

Von Tanja Barta und Gerhard Brandtner. Erstellt am 08. Juli 2019 (22:05)

Meist zeigen sich der Göstritzbach wie auch der Erlbach immer von ihrer schönsten Seite und geben Zeugnis über die gute Wasserqualität. Kristallklar sprudelt das kühle Nass vom Berg Richtung Schwarza. Doch aktuell ist das Bild getrübt und lässt viele Anrainer verunsichert zurück. "Das Wasser ist milchig und teilweise bildet sich auch Schaum", waren die Meldungen besorgter Bürger.

"Sand im Wasser"

Die Ursache dafür liegt in Göstritz (Gemeinde Schottwien) auf der Semmering-Basistunnel-Baustelle. Dort tritt beim Tunnelvortrag rund 250 Meter unter der Erde Wasser aus dem Tunnelboden, das bereits bis nach Pottschach (Ternitz) geflossen ist.

 "Die Wassermenge von rund 60 Liter in der Sekunde ist grundsätzlich zu bewältigen, da für diesen Abschnitt bis zu 300 Liter pro Sekunde prognostiziert waren", so die ÖBB und weiter, "das Wasser löst teils auch Sand aus dem Gebirge und führt es mit sich. Mittlerweile konnte das Wasser geordnet in Leitungen abgepumpt werden".

Um die Wasserzutritte zu beherrschen, werden auch Injektionen gesetzt. Damit fertigt man das Gestein und verhindert Wasserzutritte. "Diese Injektionen können eine Schaumbildung auslösen. Dies ist unbedenklich", stellt die ÖBB fest.

Fischteich ebenfalls verunreinigt

Bestürzt über die Situation zeigen sich vor allem die Anrainer. Diesen wurde ebenfalls seitens der ÖBB versichert, dass es sich um keine Gefahr für Mensch und Tier handelt. Dies zweifeln viele Bürger aber an.

"Der Göstritzbach war bisher immer für sein klares Wasser und die Trinkwasserqualität bekannt, das glaubt mittlerweile niemand mehr", schreibt einer der Anrainer der NÖN Neunkirchen. Betroffen sind auch das Aufzuchtbecken sowie der Fischteich in Göstritz. "Hundebesitzer trauen sich nicht mehr, ihren Hunden eine Abkühlung im Bach zu gönnen", so der Bürger weiter. Auch Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr in die Nähe des Baches.

Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) sieht im Zusammenhang mit dem Wasseraustritt beim Semmering-Basistunnel die ÖBB "gefordert, schnellstmöglich für Klarheit zu sorgen und die Verunreinigung der Gewässer zu stoppen". Die Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen verwies auf intensive Untersuchungen, die eingeleitet seien.

Laut den bisherigen Informationen handelt es sich um sehr feinen Sand, teilte die Verwaltungsbehörde mit. Die Verantwortlichen der ÖBB seien bereits aufgefordert worden, technische Lösungen zu finden und die Ableitung von getrübtem Wasser möglichst rasch zu beenden.

Die Listen-Bürgermeisterin Irene Gölles, Gloggnitz, ergänzte: „Ich wurde kurz nach Auftreten der Trübung informiert und da ich nicht vor Ort war, habe ich trotzdem die ersten Schritte in die Wege geleitet, indem ich meinen Stellvertreter Vizebürgermeister Erich Santner verständigte. Vizebürgermeister Santner erstattete sofort bei der Polizei Anzeige, was dazu führte, dass er von dieser die Auskunft bekam, dass sie Wasserproben für eine Analyse entnehmen. Diese werden dann an die Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen, als zuständige Behörde, weitergeleitet. Auch unserer Feuerwehren waren vor Ort. Die Ergebnisse liegen zwar noch nicht vor, es steht aber fest, dass die Trübung durch einen Wassereinbruch im Baustellenabschnitt Göstritz erfolgte und erfolgt. Eines lässt sich aber auf jeden Fall sagen: Durch die Trübung ist das Gloggnitzer Trinkwasser in keinster Art und Weise beeinträchtigt. Grundsätzlich möchten wir festhalten, dass wir mit dem Informationsfluss seitens der ÖBB in keinster Art und Weise zufrieden sind und dieser nicht der Betreuung entspricht, die seitens der ÖBB bei der Infoveranstaltung abgegeben wurde. Wir werden deshalb nochmals dringendst einfordern, dass eine Informationsweitergabe zeitnah zu erfolgen.“

Niedrigster Wasserstand

In der Gemeinde Schottwien, von der aus die Göstritzquelle und somit auch das Sandwasser fließen, macht man sich derzeit auf die Suche nach einer neuen Trinkwasserquelle. „Die Qualität ist durch den Sand nicht beeinflusst, aber der Wasserstand der Quelle ist so niedrig wie noch nie“, so ÖVP-Bürgermeister Wolfgang Ruzicka. Er möchte die Schuld dafür nicht gleich den Tunnelarbeiten geben: „Es kann davon kommen, es kann aber auch sein, dass der Wasserstand der Göstritzquelle auch wieder steigt. Wir haben immer wieder alle paar Jahre Schwankungen, aber so wie bisher war es eben noch nie. Und deshalb suchen wir nach Alternativen, um die Trinkwasserversorgung auch sicherstellen zu können“, informiert der Ortschef.

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