Erstellt am 14. Juli 2018, 04:55

von Philipp Grabner

Willibald Fuchs: „Ich bin ein Workaholic“. Kirchbergs Bürgermeister Willibald Fuchs (ÖVP) spricht anlässlich seines 60. Geburtstages über seine politische Zukunft, gelungene Projekte und seine Visionen für den Ort.

Bürgermeister Willibald Fuchs (ÖVP)  |  Grabner

NÖN: Wurde der 60. Geburtstag groß gefeiert?

Willibald Fuchs: Naja, ich habe einmal mit der Familie gefeiert – das waren über 60 Leute. Und einmal habe ich auf der Wolfgangskirche mit rund 250 Personen gefeiert – zuerst gab’s eine Dankmesse, dann eine Agape.

Ist der 60. Geburtstag auch schon ein Zeitpunkt, wo man langsam, aber doch, an die Zeit nach der Politik nachdenkt?

Fuchs: Ja. Wenn mal ein Sechser vorne steht, weiß man, dass die berufliche Laufbahn mal ein Ende hat. Und außerdem stehen uns 2020 Neuwahlen ins Haus und da muss man sich auch überlegen, wie das weitergehen soll.

Haben Sie sich schon entschieden, ob Sie nochmals antreten?

Fuchs: Nein. Das lasse ich vorerst noch offen.

Sie sind seit 2000 im Amt – würden Sie das Bürgermeisteramt jemandem weiterempfehlen?

Fuchs: Absolut. Bürgermeister ist der schönste Beruf! Den Einstieg in die Gemeindepolitik würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen. Weil man da direkt vor Ort ist, für jeden greifbar. Und als Bürgermeister kann man schon sehr viel bewegen – man hat auch gewisse finanzielle Mittel und Gemeindemitarbeiter, die einen zu hundert Prozent unterstützen. Außerdem hat man viel Ansehen und Ehre.

Die Gemeindepolitik ist ja zweifelsohne eine sehr wichtige, aber darüber hinaus gibt es ja auch noch höhere Gremien. Hätten Sie höhere Ebenen auch gereizt?

Fuchs: Ja, hätte mich auch gereizt. Ich habe ja auch kandidiert (für den Nationalrat 2013, Anm. d. Red.), aber das ist nichts geworden.

Wenn Sie zurückblicken: Welche Projekte sind in Ihrer Amtszeit gut gelungen?

Fuchs: Das beste Projekt ist sicher der Radweg. Weil er gemeindeübergreifend ist – und die Gemeindezusammenarbeit nicht nur auf Verwaltungsebene, sondern auch auf Bürgerebene funktioniert hat. Der Radweg ist auch eine Einrichtung, die jeder benutzen kann – nicht nur eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, ganz egal ob Sportler, Pensionist oder kleine Kinder.

Gibt es auch Projekte, die nicht gelungen sind – die Sie gerne umgesetzt hätten, aber gescheitert sind?

Fuchs: Da gibt es viele Dinge, die nicht umgesetzt sind – aber derzeit in der Pipeline sind. Absolut nicht gelungen ist die Sache in St. Corona, Stichwort Skigebiet. Dass das Kinderskiland jetzt so erfolgreich ist, ist ein großer Trost, aber die Erhaltung des Skigebiets ist nicht gelungen, das muss man offen sagen. Da sind wir gescheitert! Auch das Langlauf-Projekt auf der Steyersberger ist fraglich. Zu wenig gelungen ist auch die Problematik mit den Arbeitsplätzen, Stichwort Betriebsansiedelungen im Feistritztal. Das ist ein großer Kampf!

Sie haben in einer Gemeinderatssitzung einmal gesagt, dass Sie sich früher vor einer solchen regelrecht gefürchtet haben – heute würden Sie sich aber schon darauf freuen. Was ist da in der Zwischenzeit passiert?

Fuchs: Die Beziehung zu den Gemeinderäten und zu den anderen Parteien hat sich verändert. Wir haben eine sehr respektvolle, vertrauensvolle Arbeitsbasis und es braucht sich keiner vor dem anderen fürchten, dass ihm einer ins Wadl beißt. Früher ist man recht angespannt in eine Gemeinderatssitzung gegangen, weil man nicht wusste, was auf einen zukommt. In der Politik war früher mehr Gehässigkeit, das ist heute komplett weg. Da gibt es eine gegenseitige Wertschätzung, auch gegenüber den Oppositionsparteien, die auch schätzen, was ich als Bürgermeister leiste. Natürlich gibt es da oder dort Kritikpunkte, aber es gibt einen Grundkonsens.

Es gab im April eine Bürgerversammlung betreffend eines neuen Hauptplatzes. Sie haben damals versichert, dass man das weiterverfolgen wird – zwar nicht eins zu eins umsetzen, aber sicherlich Ideen entnehmen kann. Wie ist da der Stand der Dinge?

Fuchs: Wir haben fast wöchentlich Zusammenkünfte, Meetings und Besprechungen zur Thematik Ortskernentwicklung.

Gibt es eine Vision, wo Kirchberg 2030 stehen soll?

Fuchs: Es gibt ein paar Leitlinien. Ein gewisses Bevölkerungswachstum, etwa 3.000 aktive Einwohner. Ein Ziel ist es bestimmt, dass wir im Bildungsbereich weiter stark sein wollen. Wir haben gute Voraussetzungen – von den Kindergärten bis hin zu Sachsenbrunn. Mein nächster Schwerpunkt ist die Gesundheitsversorgung, sprich Primärversorgungseinheit. Da geht es um eine Grundversorgung für unser Feistritztal.

Bürgermeister sind ständig erreichbar, haben viel zu tun. Und Sie selbst sind ja auch bei sehr vielen Veranstaltungen. Wie schalten Sie da ab?

Fuchs: Wenn man etwas gern tut, braucht man nicht abschalten. Die meiste Kraft schöpft man, wenn etwas weitergeht, wenn etwas gelingt. Fürs Entspannen bin ich viel zu sehr Workaholic. Ich arbeite einfach irrsinnig gerne. Kraft tanke ich beim Skifahren oder Bergwandern oder, wenn ich Zeit mit der Familie oder den Enkerln verbringen kann.