Spitalsbett neben Corona-Patient. Nach Bekanntwerden „flüchtete“ Lungeninfarktpatient. Landesklinikum Neunkirchen beruft sich auf falsche Patientenangaben.

Von Philipp Grabner und Christian Feigl. Erstellt am 18. November 2020 (05:55)
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Gar nicht gut auf das Landesklinikum Neunkirchen zu sprechen ist derzeit Dietrich Gottlieber. Der Neunkirchner, der am 14. Oktober mit einem Lungeninfarkt ins Spital eingeliefert worden war, verbrachte eine Nacht seines Aufenthaltes – wie sich anschließend herausstellen sollte – mit einem an Corona erkrankten Patienten im Zimmer.

„Der Mann ist am 20. Oktober am Nachmittag ins Krankenhaus gebracht worden und hatte augenscheinlich Corona“, erklärt Gottlieber gegenüber der NÖN. Bestätigung habe es dafür zu diesem Zeitpunkt aber noch keine gegeben: „Am nächsten Tag hat die Ärztin so, dass wir alle im Zimmer es auch hören konnten, verkündet, dass der Mann Covid-19 hat“, so Gottlieber, der daraufhin „fluchtartig“ das Zimmer verlassen habe, wie er sagt. Bis zu seiner Entlassung hielt er sich im Aufenthaltsraum auf, anschließende Corona-Tests fielen zum Glück negativ aus. Gottlieber musste als sogenannte „K1-Person“ zuhause in Quarantäne. Seine Kritik am Klinikum: Als er die Ärztin dazu aufforderte, umgehend in ein anderes Zimmer gebracht zu werden, hieß es, dass dazu „keine Kapazitäten“ zur Verfügung stünden.

„Vor der Aufnahme in Neunkirchen war er einige Tage in häuslicher Pflege und hatte Kontakt zu seiner SARS-CoV-2 positiven Tochter. Diesen Kontakt gab der Patient bei seiner Ersteinschätzung nicht an.“ Ärztlicher Leiter Ojan Assadian

Im Krankenhaus spricht man von einer bedauerlichen Fehleinschätzung, die aber aufgrund falscher Patientenangaben passiert sein soll: „Der Mitpatient von Herrn Gottlieber war wegen seiner schweren Grunderkrankung in Hochegg stationär aufgenommen und von diesem Aufenthalt waren zwei negative PCR-Befunde hierorts bekannt. Dennoch wurde der Patient wie jeder andere Patient auch auf Covid-19 ersteingeschätzt, untersucht und befragt. Vor der Aufnahme in Neunkirchen war er einige Tage in häuslicher Pflege und hatte Kontakt zu seiner SARS-CoV-2- positiven Tochter. Diesen Kontakt gab der Patient bei seiner Ersteinschätzung nicht an. Die Dokumentation der Ersteinschätzung und Abfrage der Kriterien liegt dokumentiert auf“, erklärt der Ärztliche Leiter Ojan Assadian auf Anfrage der NÖN.

„Unmittelbar nach Bekanntwerden des positiven PCR-Ergebnisses des Mitpatienten wurde in der Administration eine Kohortierung des betroffenen Patienten eingeleitet. Dazu wurde der sicher positive Patient an eine für die Betreuung von Covid-19-Patienten vorgesehene Abteilung transferiert. Die Kontaktpatienten Kat. I wurden einzeln verlegt, bis zum Vorliegen des entsprechenden PCR-Kontrollergebnisses. Keiner der Mitpatienten zeigte nach 96 Stunden Probennahme ein positives Ergebnis“, so Assadian weiters.

Da die Verlegung von Patienten eine hohe organisatorische Planung bedürfe, hätten die Verlegungen nicht sofort binnen Minuten, aber zeitnahe erfolgen können, so das Krankenhaus abschließend.