Neunkirchner gibt Ton an der Volksoper an

Stefan Tanzer schaffte es vom Jusstudenten zum gefragten Sänger in Konzert-, Opern- und Operettenproduktionen.

Johannes Authried Erstellt am 09. August 2021 | 04:13
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Seit November 1999 ist Tanzer als Chormitglied – im Hauptchor – an der Wiener Volksoper angestellt.
Foto: privat

Wenn man Stefan Tanzer beim Interview gegenübersitzt, hat man gleich das Gefühl, er gehört zu den Menschen, die angekommen sind. Angekommen im Sinne von: Seine Leidenschaft zum Singen wurde für ihn zum (Traum)-beruf.

Dabei ist er erblich überhaupt nicht vorbelastet: Es war die Zeit am Gymnasium in Neunkirchen, wo sich Tanzer für das Singen zu interessieren begann. Nicht im Geringsten dachte er aber damals daran, diesen Berufszweig einmal auszuüben. Er besuchte Klassikkonzerte und fuhr mit dem Verein „Amici del Belcanto“ zu Opernvorstellungen. Nach der Matura begann der 1967 gebürtige Wiener Neustädter, Jus zu studieren.

„Ich habe dann bald erkannt, dass mich das nicht wirklich interessiert und habe das Studium nach einem Jahr beendet“, erinnert sich Tanzer. Dann kam für ihn die Gewissensfrage – „hat es einen Sinn, dass ich die Singerei ausprobiere oder nicht?“ Schließlich entschied er sich für das Singen und hat es bis heute nicht bereut.

Tanzer war 1986 einer von 20 unter 150 Mitbewerbern, die die Aufnahmeprüfung schafften. Er absolvierte die Ausbildung am Konservatorium der Stadt Wien (Gesang bei Elsa Kastela-Kreihsl und Kammersänger Josef Hopferwieser, Oper bei Kammersänger Waldemar Kmentt) und erwarb seine erste Bühnenpraxis in den vom Opernstudio durchgeführten Tourneen. Mit der Partie des Besenbinders in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ schloss er im Juni 1997 mit dem Operndiplom ab. Die Perfektionierung zum Bariton-Sänger holte er sich 1998 bei Kammersänger James King.

„Ich fühle mich dort wohl. Ich singe auch hin und wieder kleine Rollen solistisch.“ Stefan Tanzer über seine Rolle an der Wiener Volksoper.

Es folgten zahlreiche Auftritte. Tanzer wirkte zwischen 1995 und 1999 regelmäßig bei verschiedenen Konzert-, Opern- und Operettenproduktionen mit, darunter mehrfach beim Wiener Festival Klangbogen („Wiener Blut“, „Die Fledermaus“). In der „Neuen Oper Wien“ (Maschinist Hopkins; Billy Budd; Il Prigioniero / Volo di notte; Glaube, Liebe, Hoffnung) und im Wiener Operntheater (Nixon in China) und bis 2005 bei den Salzburger Festspielen.

Seit November 1999 ist Tanzer als Chormitglied – im Hauptchor – an der Wiener Volksoper angestellt. „Ich fühle mich dort sehr wohl. Ich singe auch hin und wieder kleine Rollen solistisch. Ich mache nebenbei meine Konzerte, was sozusagen mein Hobby ist, und mit dem Chor in der Volksoper verdiene ich mein Geld“, so Tanzer.

Für ihn unvergesslich sind die zwei Auftritte im Jahr 2002 bei den Salzburger Festspielen mit dem „Verdi-Requiem“ unter Riccardo Muti. Seit 1993 wirkt er auch regelmäßig bei den „Amici del Belcanto“ in Ternitz mit, etwa auch in der konzertanten österreichischen Erstaufführung von Verdis „La Battaglia di Legnano“, wo er gleich in mehreren Rollen auftrat.

Für den Sänger ist es die Vielfalt an Stücken an der Volksoper, die den Beruf so abwechslungsreich machen. An einem Tag steht man mit dem heiteren Stück „My Fair Lady“ auf der Bühne und am nächsten Tag stirbt die „Traviata“. „Das macht meinen Beruf so spannend“, erklärt er. Stefan Tanzer, aufgewachsen in Neunkirchen, lebt seit 22 Jahren nahe der Volksoper in Wien.