Neunkirchen erinnert sich an außergewöhnliche Frau. Am 6. Juni wäre Margarethe Ottillinger hundert Jahre alt geworden. Vor dem Bezirksgericht in Neunkirchen erinnert nun eine Gedenktafel an diese außergewöhnliche Frau.

Von Johannes Authried. Erstellt am 12. Juni 2019 (04:50)

Kaum jemand kennt sie und ihre Lebensgeschichte. „Margarethe Ottillinger (1919-1992) war eine außergewöhnliche Frau mit einem sehr harten Schicksal“, mit diesen Worten eröffnete ÖVP-Bürgermeister Herbert Osterbauer die Feierlichkeiten zur Gedenktafelenthüllung beim Bezirksgericht Neunkirchen.

Am 5. November 1948 wurde Ottillinger an der alliierten Zonengrenze (Ennsbrücke) auf dem Weg nach Wien von sowjetischen Soldaten verhaftet und wegen angeblicher Spionage zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt, wo sie sieben Jahre in sowjetischen Gefängnissen verbrachte.

Von Baden wurde sie in das Gefängnis nach Neunkirchen überstellt, wo sie mehrere Monate bis zu ihrer Deportation einsaß. 1955 schwer krank aus der Haft entlassen, kehrte sie nach Wiener Neustadt zurück. Ein Jahr später wurde Ottillinger von der sowjetischen Justiz rehabilitiert. Noch im selben Jahr nahm sie ihre Tätigkeit in der ÖMV auf und wurde als einzige Frau in den Vorstand berufen – und hatte diese Position bis zu ihrer Pensionierung 1982 inne.

Die tiefgläubige, in ihren letzten Jahren auch als Tertiarierin eines Ordens aktive Frau, trat unter anderem als großzügige Förderin des Baus der Wotrubakirche auf. Der Platz vor dieser Kirche in Wien-Liesing wurde im Jahr 2012 auf Ottillingerplatz benannt – und 2017 wurde ihr der Margarethe-Ottillinger-Park in Liesing gewidmet.

Die 1941 promovierte Doktorin der Handelswissenschaften Margarethe Ottillinger wäre am 6. Juni 100 Jahre alt geworden. Mehr Fotos von der Gedenktafel-Enthüllung auf noen.at!