Südbahn-Strecke: Seit 180 Jahren am Zug

Im Oktober 1841 wurde der Bahnhof Neunkirchen mit einer feierlichen Fahrt vom Wiener Südbahnhof aus eröffnet. Heute sind pro Tag rund 2.000 Fahrgäste unterwegs.

Philipp Hacker-Walton
Philipp Hacker-Walton Erstellt am 12. September 2021 | 05:37

Pünktlich um 8 Uhr Sonntagfrüh ging es am Wiener Südbahnhof los: Acht Waggons, in denen 500 Passagiere (darunter 200 geladene Gäste) Platz fanden – die Wagen der ersten Klasse gelb gestrichen, jene der zweiten Klasse grün, die der dritten in Braun gehalten –, gezogen von den beiden mit Holz befeuerten Lokomotiven „Neustadt“ und „Vößlau“. Aufgrund des großen Andrangs machte sich bald darauf noch ein zweiter, fast ebenso voll besetzter Zug auf den Weg.

Nach zwei Stunden Fahrt war an diesem kühlen und trüben Morgen der Bahnhof Neunkirchen erreicht, „festlich mit Tannenreisig, Blumengebinden, Drapperien geschmückt“, wie die „Wiener Zeitung“ tags darauf berichtete: „Tribünen mit den Landesfarben geziert, Säulen mit flatternden Fähnlein, Ehrenbogen usw. zeigten sich in geschmackvoller Vorrichtung. Die Tribünen waren von zahlreichen Gästen und einem Musikcorps besetzt. Auf und vor dem Bahnhofe wimmelte eine zahlreiche Menge des rings aus der ganzen Umgebung, selbst tief aus dem Gebirge herbeigeströmten Landvolkes. Lauter herzlicher Jubel, der Klang der Musik und der Schall der Pöller erfüllten die Luft“ – und die Südbahn-Teilstrecke Wiener Neustadt – Neunkirchen war am 24. Oktober 1841 offiziell eröffnet.

Champagner für die ersten Fahrgäste

180 Jahre ist es her, dass die ersten Züge auf der Südbahn unterwegs waren: Im Mai 1841 fuhren sie erstmals von Wiener Neustadt nach Baden, im Juni wurde die Strecke von Neustadt nach Wien eröffnet – und im Oktober schließlich die Strecke bis nach Neunkirchen.
Den ersten Fahrgästen wurde damals einiges geboten, wie die „Wiener Zeitung“ berichtete: „Die Ankömmlinge“ wurden in den ersten Stock gebeten, wo auf Einladung des Freiherrn von Sina „ein äußerst reiches und geschmackvolles Gouter serviert war“. Auch zu trinken gab‘s freilich etwas: „Die Glut des Champagners verscheuchte die letzten Reste jener herbstlichen Kälte.“

Mit oder (meistens) ohne Champagner sind heutzutage täglich rund 2.000 Passagiere am Bahnhof unterwegs, die Montag bis Freitag in knapp 70 Zügen fahren. Die Fahrzeit nach Wien hat sich 180 Jahre nach der ersten Fahrt auf ein Drittel reduziert: Mittlerweile ist man in flotten 40 Minuten von Wien Meidling in Neunkirchen.